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Kultur Film „Moschee DE“ wird in Hannover gezeigt
Nachrichten Kultur Film „Moschee DE“ wird in Hannover gezeigt
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16:11 19.11.2018
Schauspieler Aljoscha Stadelmann spielt im Interview-Film „Moschee DE“ einen Konvertiten.
Schauspieler Aljoscha Stadelmann spielt im Interview-Film „Moschee DE“ einen Konvertiten. Quelle: Kundschafter Film GmbH
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Hannover

2006 wurde die erste Moschee in den neuen Bundesländern gebaut. Als die Pläne öffentlich wurden, brach im beschaulichen Pankower Bezirk Heinersdorf ein Kampf der Kulturen aus: Eine Bürgerinitiative wollte den Bau unbedingt verhindern, der zuständige Imam versuchte zu vermitteln, und zwischen den Fronten standen Zivilgesellschaft und Kirche. Bereits 2010 zeichnete das in Hannover uraufgeführte Theaterstück „Moschee DE“ von Robert Thalheim und Kolja Mensing diesen gesellschaftlichen Konflikt nach. Aus Interviews mit den in Heinersdorf beteiligten Protagonisten wurden fünf Charaktere entworfen, die die Gemütslage des Ortes verkörpern: der zuständige Imam, der Pfarrer der benachbarten Kirchengemeinde, der Vorsitzende einer Bürgerinitiative gegen den Moschebau, ein muslimischer Konvertit und eine zugezogene Aktivistin.

„Das ist hier nicht wie in Neukölln“

2016 brachten die Regisseure Mina Salehpour und Michał Honnens den Film „Moschee DE“ heraus. Am 19. November wird er in der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde in Stöcken gezeigt – zum ersten Mal in einer Moschee. Anhand der Aussagen der beteiligten Heinersdorfer zeigt der Film, wie sich das gesellschaftliche Klima eines Ortes von Misstrauen zu Feindseligkeit und von Harmonie zu Ignoranz verändert: Vor einer weißen Wand stehend, schildern die fünf Akteure den Verlauf des Konflikts. Der Vorsitzende der Bürgerinitiative erklärt, dass es in Heinersdorf keinen Bedarf an einer Moschee gebe: „Das ist hier nicht wie in Neukölln: Man braucht keine Integration – es wohnen nämlich keine Moslems hier.” Eine Demonstration später, die auch in internationalen Medien Wellen schlägt, sieht er sich in die rechte Ecke gedrängt. Nach einer gescheiterten Konferenz der Beteiligten redet dann erst mal niemand mehr miteinander, und der Konflikt gipfelt in einen Brandanschlag von Unbekannten auf ein Fahrzeug der Firma, die für den Moschee-Bau beauftragt wurde.

„Moschee DE“ zeigt ohne zu werten, wie ein Konflikt aus den Fugen gerät. Die Figuren verlieren sich in Widersprüchen, Wendungen, Vorurteilen und Sturheit: Erst setzt sich die zugezogene Berliner Mutter für eine offene Gesellschaft und die Moschee ein, dann sorgt sie sich um die Ausbreitung des Islam in Deutschland. Der Konvertit regt sich über seine Glaubensbrüder auf und fordert sie auf, sich auf der Moschee-Toilette gefälligst hinzusetzen. Als das Gotteshaus schließlich eröffnet wird, bilanziert der Imam: „Ich habe gelernt, dass niemand eine Moschee in seiner Nachbarschaft haben will. So, wie dort auch niemand ein Gefängnis, eine Mülldeponie oder ein Atomkraftwerk möchte.”

Der Film „Moschee DE“ wird am heutigen Montag, 19. November, um 18.30 Uhr in der Sami-Moschee, Alter Damm 47, gezeigt. An der anschließenden Diskussion nehmen unter anderem Petra Bahr, Landessuperintendentin der Evangelischen Kirche in Deutschland, die Schauspieler Rainer Frank und Mathias Max Herrmann und der Imam Sadaqat Ahmed teil.

Von Manuel Behrens