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Kultur Aus für die Komödie im Aegi
Nachrichten Kultur Aus für die Komödie im Aegi
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10:29 30.01.2019
Vielseitiger Theatermann: Der Regisseur, Autor, Unternehmer, Schauspieler und Prinzipal Florian Battermann im Treppenhaus seiner Braunschweiger Komödie am Altstadtmarkt.
Vielseitiger Theatermann: Der Regisseur, Autor, Unternehmer, Schauspieler und Prinzipal Florian Battermann im Treppenhaus seiner Braunschweiger Komödie am Altstadtmarkt. Quelle: Stefan Arndt
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Hannover

 Die Schauspielerei hat Florian Battermann eigentlich fast schon aufgegeben. Schließlich hat er als Theaterdirektor, als Regisseur und als Bühnenautor auch so genug zu tun. Und die Eitelkeit, sagt Battermann, sei ihm immer weniger wichtig: „Ich muss mich nicht mehr jeden Abend auf der Bühne beklatschen lassen.“ Aber diese eine Bühne ist das eben doch zu verführerisch. „Wenn einem im Theater am Aegi tausend Leute zujubeln – das ist schon ein tolles Erlebnis“, sagt er. Darum wird Battermann im März nach dreijähriger Schauspiel-Abstinenz doch wieder selbst eine Rolle übernehmen – in der französischen Komödie „Frühstück bei Monsieur Henri“, die auch schon erfolgreich verfilmt wurde.

Theater als Urbedürfnis

Und überhaupt das Aegi: Hier war der 1973 in Hannover geborene Theatermann zum ersten Mal im Theater: mit vier Jahren. Seitdem, so will es seine persönliche Legende, ist er vom Bühnenvirus infiziert. Schon in der Schule – Battermann hat in Letter Abitur gemacht – spielte er mit der Theater AG seine eigenen Stücke. Später wurde er neben dem Germanistik- und Geschichtsstudium Regieassistent bei James von Berlepsch am Neuen Theater. „Theater zu machen ist eine Art Urbedürfnis für mich“, sagt er – „ein Theater, das die Leute unterhält.“

Die Komödie am Altstadtmarkt in Braunschweig Quelle: Stefan Arndt

Diesem Bedürfnis geht er nach einer ersten professionellen Stelle in Bonn heute vor allem in seinem eigenen Theater nach, der Komödie am Altstadtmarkt in Braunschweig. Vor 16 Jahren hat er das Haus vom Kinounternehmer Hans-Joachim Flebbe übernommen und aus dem Lichtspiel- ein Lustspieltheater gemacht, das er seither mit stabilem Erfolg betreibt. Daneben ist er künstlerischer Leiter des Neuen Theaters in Hannover – die Geschäfte führt dort heute Christopher von Berlepsch, der Sohn des Theatergründers. 2013 übernahm Battermann zusätzlich noch die Leitung der Konzertdirektion Hannover, die Theatergastspiele im Theater am Aegi organisiert. Weil das zumeist Lustspiele waren, verpasste er dem traditionsreichen Unternehmen den zusätzlichen Namen Komödie im Theater am Aegi.

Abschied von den Abonnenten

Nun allerdings rückt das Ende des Spasses in Sicht: Zum Ende der kommenden Spielzeit wird Battermann die regelmäßige Komödienreihe im Aegi einstellen. Im Februar 2020 geht die Geschichte der Konzertdirektion Hannover nach mehr als 50 Jahren mit einem Loriot-Abend zu Ende. „Eigentlich hätten wir schon in diesem Sommer aufhören müssen“, sagt Battermann. Aber es sei „nicht sein Stil“, die immerhin noch 2300 Abonnenten vor den Kopf zu stoßen, schließlich hätten viele von ihnen der Aegi-Reihe seit Jahrzehnten die Treue gehalten, und er selbst hänge auch an dem Haus. Darum hat Battermann sich zu einer „Goodbye-Spielzeit“ mit drei Abschiedsproduktionen entschlossen.

„Das Aegi war immer eine Herausforderung – jetzt ist es wirtschaftlich leider nicht mehr machbar“, sagt er. Ein wichtiger Grund dafür seien fehlende Zugpferde für die Produktionen: „Es gibt heute nicht mehr Stars wie Walter Giller und andere, die fernsehprominent sind und trotzdem Theater spielen wollen und können“, sagt er. Darum sei es schwer, den Saal im Vorfeld gut zu füllen – und für Mundpropaganda sei bei der Kürze der Gastspiele keine Zeit. „Bis sich herumgesprochen hat, dass sich ein Besuch lohnt, ist das Stück längst nicht mehr zu sehen.“

Zukunft mit Gastspielen

Stabiler Erfolg: Florian Battermann mit Plakaten seiner Produktionen. Quelle: Stefan Arndt

Das sei im Neuen Theater mit seinen 150 Plätzen völlig anders – der Spielbetrieb dort wird unverändert weitergehen. Und natürlich steht auch sein Braunschweiger Theater, das 300 Zuschauer fasst, weiter voll unter Dampf. Mit den Produktionen, die er dort auf die Bühnen bringt, wird Battermann auch weiter Gastspiele anbieten. Schon jetzt sind die Stücke in ganz Deutschland von Sylt bis zum Bodensee zu sehen, auch die Region Hannover wird in seinem Tourneeplan weiter eine Rolle spielen. „Wenn die Stücke das Potenzial haben, werden wir damit auch ins Aegi gehen“, kündigt er an: Im November 2020, wenn die Komödie im Aegi bereits Geschichte ist, zeigt er dort etwa sein Stück „Oskar Schindlers Liste“. Denn auch nach dem Ende der Abonnement-Reihe will der Vollblut-Theatermann auf den Applaus von Tausenden nicht ganz verzichten.

Die letzten Komödien im Aegi

„Frühstück bei Monsieur Henri“ ist vom 14. bis zum 16. März zu sehen, vom 25. bis zum 27. April steht das Kriminalstück „Der Name der Rose“ nach dem Roman von Umberto Eco auf dem Programm. Die Saison endet mit einem Stück von Florian Battermann: „Der Muttersohn“ wird am 30. und 31. Mai, sowie am 1. Juni gespielt. „Ein Käftig voller Narren“ am 17., 18. und 19. Oktober gehört zum „Goodbye-Abo“, mit dem sich die Komödie im Theater am Aegi verabschiedet, ebenso „Weihnachten im Stau“ (12. bis 14. Dezember) und das Finale mit „Best of Loriot“ vom 20. bis 22. Februar 2020. „Die Feuerzangenbowle“ an Sylvester und „Oskar Schindlers Liste“ am 6. November 2020 sind bereits Vorstellungen im freien Verkauf.

Von Stefan Arndt

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