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Kultur Galerie Drees präsentiert Skulpturen, Zeichnungen und Lichtinstallationen
Nachrichten Kultur Galerie Drees präsentiert Skulpturen, Zeichnungen und Lichtinstallationen
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00:18 03.02.2019
„Zanni, Variation 3“ (2018) von Susanne Rottenbacher. Quelle: Daniel Alexander Schacht
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Hannover

Zeichnet dieses dreidimensionale Ding die Bewegungen eines Taktstocks nach? Die gegenläufigen Drehungen des Slow Fox? Oder die Wege einer Achterbahn ins Nichts? Es ist jedenfalls erleuchtet, vielleicht sogar erhellend, was die Galerie Robert Drees in ihrer neuen Ausstellung präsentiert. Denn Susanne Rottenbacher, die Schöpferin dieser Werke, operiert mit Neon-Röhren und LED-Leuchten – bei „Zanni“ ebenso wie bei „Dottore“, wie diese Lichtinstallationen in der Galerie heißen.

Eingefrorene Bewegungen

Zanni, so heißt auch die Dienerfigur in der Commedia dell‘Arte, und Dottore ist darin eine der Honoratiorenfiguren. Diese Namen zeugen also auch von den Anfängen der Berliner Künstlerin beim Theater: Susanne Rottenbacher hat in New York Bühnengestaltung studiert, hat sich in Berlin als Bühnen- und Lichtbildnerin einen Namen gemacht, ist für ihre Lichtgestaltung im Bundestag ausgezeichnet worden.

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In der Galerie Drees ist sie die einzige Gastkünstlerin neben drei Künstlern der Galerie, deren Werke zu denen Rottenbachers reizvolle Kontrapunkte bilden. Denn bei Eric Butcher, Mikael Fagerlund und Julia Mangold gibt es statt leuchtender Kurvenschwünge vor allem abgezirkelte Winkel, abgeschnittene Geraden und klar voneinander abgesetzte Kuben.

Glanzvoll geht es auch dabei zu. Sei es weil Butcher, der in Oxforshire lebende Brite, seine Farbverläufe auf glänzende Alu- oder Stahlflächen aufträgt. Weil der in Finnland geborene, in Schweden lebende und längst quer durch Europa ausgestellte Fagerlund seine monochromen Farbstreifen oder -punkte zwischen Acrylglas setzt, dessen Schnittkanten sie teils bis ins Unendliche reflektieren. Oder weil Julia Mangold, bekannt eher für ihre gewichtigen schwarzen Stahlquader, hier feine Klebestreifen von ihren mit tiefschwarzem Pigment eingefärbten Büttenbögen abzieht und so gleißend weiße Linien zwischen den schwarzen Flächen freilegt, die geometrische Muster in den Bildrahmen setzen, ihn unterteilen und vervielfältigen. Übrigens ist das die einzige „Flachware“ in dieser auch sonst alles andere als flachen Gruppenschau, die vielleicht nicht alles, aber, ihrem Titel entsprechend, tatsächlich keine Leinwand bietet.

Tradition der Abstraktion

Klar, hier geht es nicht ums Figurative, diese Ausstellung spielt mit geometrischen Mustern, mit Traditionen der Abstraktion zwischen dem Konstruktivismus der Zwanzigerjahre und der Minimal Art. Und Kristin Müller, die Kuratorin der Galerie, sieht in einigen Werken auch Bezüge zur konkreten Kunst. In „Large Blue“ beispielsweise, einem schwarzer Kreis auf rechteckigem Acrylrahmen von Mikael Fagerlund, erblickt sie einen Brückenschlag zu Kasimir Malewitschs „Schwarzem Quadrat“ (1913) - „kein leeres Quadrat“, wie der Avantgardekünstler sagte, sondern „die Empfindung der Gegenstandslosigkeit“. Immerhin, die wird hier, freilich nur als Zitat, erneut zum (Kunst-)Gegenstand.

„All but Canvas“. Bis 9. März in der Galerie Robert Drees, Weidendamm 15. Details unter www.galerie-robert-drees.de.

Von Daniel Alexander Schacht