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Kultur Galerie Robert Drees zeigt in der 100. Ausstellung 100 Werke ihrer Künstler
Nachrichten Kultur Galerie Robert Drees zeigt in der 100. Ausstellung 100 Werke ihrer Künstler
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12:14 30.08.2018
21 von 100 – die graue Wand in der Galerie Drees.
21 von 100 – die graue Wand in der Galerie Drees. Quelle: Roland Schmidt
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Hannover

Blätter und Äste eines Baumes, minutiös wie mit einer Präzisionskamera und zugleich in so beiläufigem Winkel wie für einen bloßen Schnappschuss festgehalten - und doch pure Malerei: Solchen Fotorealismus bringt Jürgen Dillmann zustande, ein relativ unbekannter Künstler aus Hannover.

Zerfließende Formen, so weich und weiß, als würde Zahncreme aus der Tube gedrückt – und doch aus dem besonders harten und besonders weißen Laaser Marmor herausgearbeitet: So sehen Skulpturen des Münchener Bildhauerduos Venske & Spänle aus.

Triste Figuren stehen Schlange, trostlos in eigenen Ritualen und einer kafkaesk beengten Architektur gefangen: So beklemmend wirken die Welten des kubanischen, doch in Spanien lebenden Künstlers Gustavo Diaz Sosa.

Das sind drei der vielen künstlerischen Positionen in den Räumen des Galeristen Robert Drees, der seit mehr als 20 Jahren Gegenwartskunst aus Deutschland und der Welt nach Hannover holt oder auch in Hannover aufspürt. Wer das Spektrum der von ihm gezeigten Werke kennen will, muss regelmäßiger Gast in seiner hellen Fabriketage am Weidendamm sein – oder sich einfach jetzt dorthin begeben.

Denn erstmals seit seinem Wechsel aus der Süd- in die Nordstadt Hannovers zeigt er dort alle Künstler seiner Galerie, und zwar aus durchaus feierlichem Anlass: Dies ist die 100. Kunstschau der Galerie Drees, sie bietet genau 100 Werke. Und wie um die 21 Künstler, die Drees in der Region Hannover exklusiv vertritt, auf einen Blick zu präsentieren hat er dafür die mit rund drei mal sieben Metern längste durchgehende Wand der Galerie grau getüncht und darauf in (immer noch vergleichsweise lockerer) Petersburger Hängung ein Werk jedes Künstlers platziert.

21 Künstler auf 21 Quadratmetern Fläche also. Man kann davor stehen bleiben und sich sattsehen. Oder durch alle Räume schlendern und feststellen, dass Robert Drees keineswegs einfach der Magie der Zahl erlegen ist. Die Werke sind vielmehr nach Abbildlichkeit und Abstraktion sortiert. Auf der Rückseite der grauen Wand dominieren geometrische Muster, unregelmäßig in den Plastiken von Paul Schwer, genau abgezirkelt in den Stahl- und Holzarbeiten von Simon Halfmeyer, lichtdurchflossen in den Acrylarbeiten des Schweden Mikael Fagerlund. Und davor wird es gegenständlicher – mit Gemälden wie inspiriert vom architektonischen Brutalismus oder dem historischen Kubismus bei Lucia Dellefant und Tine Benz, mit figurativen Arbeiten wie den gefälligen Kindergesichtern von Pepa Salas Vilar, den Frauenporträts von Hanna Nitsch oder den düsteren Szenen, die Markus Fräger in Öl festhält.

In dieser Kunstschau kann man mithin einen recht umfassenden Eindruck davon gewinnen, was Gegenwartskunst zu bieten hat – jedenfalls so weit nicht Performance oder Happening ist oder Land Art, sondern in Galerien passt. Wobei Robert Drees bei dieser Kunstschau auch räumlich neue Wege geht. Denn erstmals bespielt er dabei auch Räume der gegenüber seiner Galerie liegenden Werkstatt der Goldschmiede Stichnoth und der benachbarten Destillerie Hannover Gin, die am Eröffnungsabend gleichfalls geöffnet sind. Neben der Kunst können es da also auch Gold und Gin in den Köpfen gären lassen.

EINE BILDERGALERIE UNTER HAZ.DE/DREES

„Einsnullnull“. Bis 27. Oktober in der Galerie Robert Drees, Weidendamm 15. Eröffnung am Freitag um 19 Uhr. Details unter www.galerie-robert-drees.de.

Von Daniel Alexander Schacht