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Kultur Gerhard Henschel stellt eine neue Folge der Martin-Schlosser-Reihe vor: den „Erfolgsroman“
Nachrichten Kultur Gerhard Henschel stellt eine neue Folge der Martin-Schlosser-Reihe vor: den „Erfolgsroman“
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20:10 16.09.2018
Der Schriftsteller Gerhard Henschel. Quelle: dpa
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Hannover

Martin Schlosser wird berühmt. Er veröffentlicht in den Satirezeitschriften „Kowalski“ und „Titanic“, er schreibt für Zeitungen und Stadtmagazine. Und er wohnt jetzt in Berlin. Er trifft sich mit Max Goldt und Wiglaf Droste. Und er nimmt an einem sonntäglichen Debatierzirkel teil, zu dem ihn Michael Rutschky eingeladen hat. Das Leben ist schön, aber es könnte noch ein bisschen schöner sein – wenn das Autorenhonorar von „Kowalski“ nicht immer so verspätet käme, wenn sich die erste eigene Buchveröffentlichung vielleicht ein bisschen schneller realisieren ließe, oder wenn die schöne Zahnärztin etwas zugänglicher wäre. Es gibt immer noch genug Probleme. Das ist gut so, denn das heißt: Es gibt immer noch genug Alltag.

Der Alltag ist das große Thema von Gerhard Henschel. Seit 15 Jahren erzählt er jetzt (in der dokumentarischen Tradition von Walter Kempowski, aber cooler) sein eigenes Leben nach. In voluminösen Bänden – jedes Buch hat mehr als 500 Seiten – beschreibt er genau, wie es damals war. Zuerst kam der „Kindheitsroman“, dann der „Jugend-“, der „Liebes-“, der „Abenteuer-“, der „Bildung-“, der „Künstler-“ und der „Arbeiterroman“. Und jetzt erscheint der „Erfolgsroman“. Die Martin-Schlosser-Saga ist ein großes Werk. Sie wird Historikern einmal Aufschluss über unsere Zeit geben. Und die Einladung, ein fremdes Leben mitzuleben, entwickelt einen ziemlichen Sog. Bestseller sind die im Abstand von jeweils anderthalb Jahren erscheinenden Martin-Schlosser-Romane zwar nicht, doch es gibt eine treue, stetig wachsende Leserschaft. Wer sich auf Martin Schlosser eingelassen hat, will eben wissen wie es weitergeht.

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Kathrin Passig tritt als Kathrin Passig auf

Im „Erfolgsroman“ verlässt Martin Schlosser endlich das öde Ostfriesland, gibt den Job in der Kneipe auf und versucht in der Großstadt einigermaßen über die Runden zu kommen. Seine Einkünfte beim Finanzamt anzumelden, fällt ihm nicht, ein, dafür schreibt er lange Briefe an Kathrin Passig, eine Studentin, die viel erzählt und gut schreiben kann. Kathrin Passig, die mittlerweile eine bekannte Autorin ist, tritt im „Erfrolgsroman“ als Kathrin Passig auf – sie sagt, dass alles, was Gerhard Henschel (der im Roman weiterhin Martin Schlosser heißt) über sie geschrieben hat, wahr sei.

Das Problem des „Erfolgsromans“ könnte sein, dass Erfolgsmenschen nicht so gut als Identifikationsfiguren taugen, man leidet lieber mit den Underdogs, statt Chefs auf ihrem Weg zu begleiten. Da ist es gut, dass Martin Schlosser zwar erfolgreich wird, aber immer noch Angst hat, die Miete nicht zahlen zu können. Und wenn sich erst das Finanzamt melden würde .... Anlass für Mitleid gibt es auch so genug. Gerhard Henschel zeichnet ein zu Herzen gehendes Porträt von Martin Schlossers Vater. Der ist Witwer, igelt sich in seinem Haus in Meppen ein und führt einen Briefkrieg mit Behörden aller Art. Wie es mit ihm wohl weitergeht? In anderthalb Jahren dürfte man mehr wissen.

Gerhard Henschel: „Erfolgsroman“. Hoffmann und Campe. 608 Seiten, 26 Euro.

Die anderen Martin-Schlosser-Romane

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Liebesroman

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Bildungsroman

Künstlerroman

Arbeiterroman

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