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00:15 12.01.2015
Von Imre Grimm
Neues Album, neue Sachlichkeit: Lena.
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Hannover

Es ist nicht leichter geworden, sich im globalen Popgeschäft im Gespräch zu halten. Es ist nicht jedermanns Sache, nackt auf Abrissbirnen herumzuturnen, auf It-Partys in Miami oder sonstwo ganz zufällig - „oops!“ - ohne Höschen aus der Limousine zu steigen oder alle fünf Wochen einen anderen NBA-Star zu heiraten. Lena Meyer-Landrut (23) zum Beispiel tut nichts dergleichen. Sie wohnt. Sie twittert. Sie arbeitet. Zweieinhalb Jahre sind seit ihrem letzten Album vergangen, eine halbe Ewigkeit im Pop. „Stardust“ war damals ein bedeutender Akt der Emanzipation für die Eurovisionssiegerin. Seither hat sie a) einen süßen Hund namens Kiwi angeschafft, b) ihre Twitter-Gefolgschaft mit allerlei Fotos von demselben und sich selbst auf imposante 277 000 gesteigert, c) als SAT.1-Jurorin „Emotionen“ erzeugt und d) viel, sehr viel Werbung für koloriertes Haar gemacht. Daran ist nichts auszusetzen, aber am Ende ist es doch auch ganz schön, dass es endlich mal wieder musikalische Neuigkeiten gibt.

Im Mai erscheint ihr viertes Album. Es wird „Crystal Sky“ heißen, und auf dem Promo-Foto sitzt eine extraterrestrisch wirkende Lena mit schwarzen Fingernägeln und nassen Haaren vor einem großen Bergkristall und guckt anklagend in die Kamera, als würde sie denken: „Meine Freunde waren im Zwergenbergwerk, und alles, was sie mir mitgebracht haben, war dieser lausige Brocken.“ Das ist meilenweit entfernt von jeder baumelnden Abrissbirne, und dafür ist dem Popgott von Herzen zu danken.

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"Ich bin so unfassbar aufgeregt und nervös", sagte sie am Freitag. "Ich kann es gar nicht mehr abwarten, endlich allen zu zeigen, woran ich so lange gearbeitet habe." Fünf Monate noch. Das wird sie zweifellos aushalten.

Die neue Sachlichkeit, die sich auch musikalisch mit mehr Elektronik und synthetischeren Soundvariationen niederschlägt, steht ihr durchaus gut - nach zwei Raabschen Funk-Schnellschüssen und einer musikalischen Neulanderkundung mit erdigem, folkigen Wüstenpop. Für „Crystal Sky“ holte sie das Produzententeam BIFFCO ins Boot, das schon mit Ellie Goulding, Sia, Marina & The Diamonds, Hurts und Leona Lewis arbeitete. Außerdem sind die vier Berliner Produzenten Philip Böllhoff, Sipho Sililo, David Vogt und Hannes Büscher dabei, die als „Beatgees“ mit Tim Bendzko, Flo Mega, Culcha Candela und Curse arbeiteten.

Ist das noch Lena?, wird mancher fragen, wie seit vier Jahren üblich. Natürlich ist das noch Lena. Denn weiterhin regiert das Spielerische in ihrem Tun, das Herantasten und Ausprobieren. Nur dass sie ihre kreativen Vitaminspritzen jetzt eben nicht mehr in Hannover-Misburg oder Köln-Mühlheim bekommt, sondern in Berlin, London und Los Angeles.