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Kultur Wie viel moderne Kunst verträgt die Marktkirche?
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Hannover: Marktkirche diskutiert über umstrittenes Lüpertz-Fenster

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12:49 11.07.2019
"Das erweiterte Wohnzimmer Hannovers": Thomas Erne in der Marktkirche. Quelle: Benne
Hannover

Seit den Nanas hat kein Kunstwerk die Stadt mehr so polarisiert: Seit Monaten sorgt das geplante Reformationsfenster des Künstlers Markus Lüpertz für hitzige Debatten. Der Marktkirchenvorstand hat beschlossen, das Fenster einbauen zu lassen – obwohl Georg Bissen, der Stiefsohn und Urheberrechtserbe des Nachkriegsarchitekten Dieter Oesterlen, eine Klage dagegen angekündigt hat.

In einer Diskussionsreihe will die Gemeinde jetzt „den Blick weiter fassen“, wie Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann sagt. Wie viel moderne Kunst verträgt die Marktkirche? Und welche Werke passen in ein Gotteshaus? Zum Auftakt sprach dabei nun Thomas Erne vom Marburger Institut für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart – und er bemühte sich, zu „entdramatisieren“, indem er erst einmal die Bedeutung von Kirchenräumen skizzierte.

Räume der Transzendenz

Diese seien „Hybridräume der Transzendenz“, sagte er – und erklärte am Beispiel des Schriftstellers Wolf Wondratschek, was er damit meint. Der areligiöse Autor geht nach eigenem Bekunden gern in Kirchen, weil er dort „das Unsichtbare, eingefasst in hohe Bögen“ erlebe. Außer der religiösen Transzendenzerfahrung gebe es in Kirchenräumen eben auch eine ästhetische, sagt Erne. „Kirchen sind für die ganze Stadt wesentlich, nicht nur für die Kirchengemeinde.“ So zähle die Marktkirche im Jahr rund 230.000 Besucher, außerhalb der Gottesdienste, wohlgemerkt. Sie sei damit das „erweiterte Wohnzimmer Hannovers“, weil ganz unterschiedliche Menschen in den alten Mauern Geschichte spüren und Atmosphäre genießen wollten.

Das klang, als wollte Erne einem Plädoyer für das Lüpertz-Fenster den Boden bereiten, das außer einem stilisierten Luther auch fünf dicke Fliegen zeigt und wenig fromm daherkommt. Im Gespräch mit Moderatorin Katharina Hagen zeigte dann allerdings eher die Kulturjournalistin Karin Dzionara Sympathie für das Fliegenfenster. Sie erinnerte daran, dass auch das abstrakte Fenster von Gerhard Richter im Kölner Dom anfangs viel Kritik auf sich gezogen habe. „Mittlerweile ist es ein touristisches Highlight“.

Er finde, das Lüpertz-Fenster sei „nicht schlecht“, sagte Erne, ohne wirklich begeistert zu klingen. Markus Lüpertz liebe eben das Monumentale und Pathetische; sein Fenster gebe schon Anlass zu religiöser Deutung, auch wenn es selbst nicht unmittelbar religiös sei. Er selbst hätte den Entwurf in einer Jury zur Kür eines Reformationsfensters allerdings wahrscheinlich nicht genommen. „Wir brauchen ein Freiheitsfenster, kein Lutherfenster“, sagte er – wohl wissend, dass dies nicht die letzte Stellungnahme in der Debatte sein wird.

Am Montag, 22. Juli, 18 Uhr, sind Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann und Kunstvereinsdirektorin Kathleen Rahn in der Marktkirche zu Gast. Am 14. August sprechen dort um 18 Uhr Reinhard Spieler, Direktor des Sprengel-Museums, sowie Architektin Gesche Grabenhorst und Landessuperintendentin Petra Bahr.

Von Simon Benne

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