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16:22 11.02.2019
Geht neue Wege: Eliah Sakakushev-von Bismarck, der künstlerische Leiter der Villa Seligmann.
Geht neue Wege: Eliah Sakakushev-von Bismarck, der künstlerische Leiter der Villa Seligmann. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Schon beim Auftakt geht es international zu: Am 10. März geben sich die deutsch-israelische Sopranistin Talia Or und der brasilianische Pianist Marcelo Amaral die Ehre. In der Villa Seligmann, dem Haus für jüdische Musik, präsentieren sie unter anderem jiddische Kinderlieder von Mieczyslaw Weinberg.

Das Konzert eröffnet eine Saison, wie es sie in der Villa Seligmann noch nicht gegeben hat: Bei rund 30 Veranstaltungen treten etwa 40 Künstler aus 19 Nationen auf – ein pralles Angebot. Zu den Highlights zählen etwa eine Operettensoiree mit Carmen Fuggiss am 17. März und ein Auftritt des Berliner Kantors Isidoro Abramowicz, der aus Argentinien stammt und unter anderem Tango von Astor Piazolla auf Hebräisch präsentiert.

„Viele neue Gesichter werden sich vorstellen, wir öffnen uns thematisch in die Breite“, sagte der neue künstlerische Direktor der Villa, Eliah Sakakushev-von Bismarck, bei der Vorstellung des Jahresprogramms. Hinter den Kulissen sorgt der programmatische Neustart jedoch offenbar für Zwist. Der Gründer und Ehrenpräsident der Villa Seligmann, Musikprofessor Andor Izsák, fehlte bei der Präsentation. Sein Europäischer Synagogalchor spielt im Jahresprogramm der Villa keine große Rolle mehr, ebenso wie Izsák selbst. Zum Programm seines vor sechs Monaten installierten Nachfolgers wollte sich der 74-Jährige auf Nachfrage nicht äußern.

„Reibungswärme“ in der Villa

Die beiden Musikmanager reden derzeit betont respektvoll übereinander. Ein Insider spricht jedoch von „Reibungswärme“ zwischen Izsák und Sakakushev-von Bismarck. Offenbar hatte der Übervater der jüdischen Musik in Hannover einen Nachfolger gesucht, der ihm selbst nachfolgen sollte – und einen Nachfolger gefunden, der eigene Wege geht und dabei auch Traditionen kappt. „Leicht fällt es mir nicht, die Verantwortung abzugeben“, gesteht Izsák im Vorwort des Programms – ein dezenter Hinweis auf die interne Stimmungslage.

Zum neuen Profil des Hauses zählen unter anderem Konzerte mit anschließenden Salongesprächen. Wenn etwa am 25. April Violinistin Sophia Jaffé und Pianist Björn Lehmann jüdische Komponisten von Mendelssohn bis Feldman präsentieren, werden sie auch für Plaudereien mit dem Publikum bereit stehen. Wie bisher gibt es auch Chorkonzerte, beispielsweise mit dem Organisten Michael Tsalka, der am 24. Oktober unter anderem Musik italienischer Meister der Renaissance intoniert.

„Wir möchten das angestammte Publikum halten, wollen jedoch auch neue, jüngere Gesucher ansprechen“, sagt der 40-jährige Sakakushev-von Bismarck. Vier verschiedene Abo-Reihen bietet die Villa Seligmann auf ihrer Homepage an, die derzeit allerdings noch überarbeitet wird. Außerdem will der gebürtige Bulgare künftig gezielt Schüler und Studierende ansprechen. Er selbst wird als Cellist unter anderem am 8. Dezember mit Noah Bendix-Balgley, dem Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, auftreten. In einem Konzert zum 100. Geburtstag von Mieczyslaw Weinberg.

Karten für die Veranstaltungen in der Villa Seligmann, Hohenzollernstraße 39, gibt es unter anderem in den HAZ-Ticketshops oder unter (05 11) 12 12 33 33.

Von Simon Benne