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00:18 25.01.2019
Alles, was Recht ist: Anne-Katrin Henkel und Gerd van den Heuvel mit der „Carolina“, einem 1563 gedruckten Gesetzbuch. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Der Verurteilte wurde auf einer Kuhhaut zur Richtstätte geschleift – als strafverschärfende Maßnahme. Schließlich hatte Johann Heinrich Kirk seinen eigenen Bruder ermordet. Zur Sühne wurden ihm 1817 die Glieder mit Eisenkeulen zerschlagen, dann flocht man seinen Körper durch die Speichen eines Rades. Noch bis um 1828 wurde die grausame Strafe des Räderns im Königreich Hannover vollstreckt. Wenn der Scharfrichter freundlich war, erdrosselte er den Verurteilten zuvor oder zertrümmerte ihm als erstes den Schädel.

„In Hannover gab es verglichen mit anderen deutschen Staaten ein besonders rückständiges Strafrecht“, sagt Anne-Katrin Henkel. Die stellvertretende Direktorin der Leibniz-Bibliothek und der Historiker Gerd van den Heuvel widmen sich in einer neuen Vortragsreihe jetzt „Verbrechen und Strafe im Königreich Hannover“. Bis tief ins 19. Jahrhundert hinein bildete hier die längst anachronistische „Peinliche Halsgerichtsordnung“ Karls V. von 1532 die Grundlage des Strafrechts. Das 1840 in Kraft getretene „Criminalgesetzbuch“ galt als eines der rückschrittlichsten unter den deutschen Strafgesetzbüchern.

Öffentliche Spektakel

Lange wurden Hinrichtungen in Hannover auf freiem Feld vollstreckt; vor bis zu 15 000 Schaulustigen. „Sie waren öffentliche Inszenierungen für das Publikum, sorgfältig choreografierte Spektakel“, sagt Henkel. Bei diesem „Theater des Schreckens“ hatten alle Beteiligten festgelegte Rollen: Schulklassen sangen Lieder, der reuige Sünder musste sein Geständnis wiederholen, Pastoren standen für die Rettung der Verbrecherseele auf dem Schafott.

In den Akten des Landesarchivs, welche die Historiker erforscht haben, fanden sich 146 Todesurteile für den Zeitraum von 1814 bis 1866, von denen 100 auch vollstreckt wurden. „Hinrichtungen wurden von einer wahren Papierflut begleitet“, sagt Historiker van den Heuvel. Dicke Gerichtsakten ließ sich der König persönlich zur Bestätigung nach London kommen. Für den geräderten Brudermörder Kirk wurde ein 18-strophiges Gedicht verfasst, das in einer populären Flugschrift kursierte. Pastoren, die Verurteilte begleitet hatten, wollten das Publikum mit solchen Schriften zum gottgefälligen Leben mahnen.

Erst von 1859 an wurden Hinrichtungen in Hannover nicht mehr öffentlich vollstreckt. Gleichzeitig ersetzt man das Schwert durch die Guillotine, der man allerdings den weniger französischen Namen Fallschwertmaschine gab. Dabei hätten auch praktische Gründe eine Rolle gespielt, sagt Historikerin Henkel: „Scharfrichter Christian Schwarz war langsam in die Jahre gekommen.“

Weitere Vorträge sind am 19. Februar und 19. März, jeweils 17 Uhr, in der Leibniz-Bibliothek.

Von Simon Benne

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