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Kultur Manchmal lustig, manchmal tragikomisch: So war Wladimir Kaminers Lesung im Pavillon
Nachrichten Kultur

Hannover: Wladimir Kaminer liest im Pavillon

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11:18 04.12.2019
Vom Auf und Ab des Lebens: Wladimir Kaminer erzählt Geschichten im Pavillon. Quelle: Navid Bookani
Hannover

Wladimir Kaminer ist ein umtriebiger Mann: Zwei Bücher im vergangenen Jahr und zwei in diesem, eines in Vorbereitung, eine Filmreihe auf 3Sat, und außerdem ist er noch mit der Russendisko als DJ auf Tour – letztens erst, erzählt er, in Neuruppin und Montenegro. Und dann ist da noch die Familie. Vielleicht kommt er deshalb mit den Armen wie mit Flügeln schlagend auf die Bühne des Pavillon. Vielleicht steht er deshalb lieber während seiner Lesung als an einem Tisch zu lesen. Vielleicht ist er einfach nur zu hibbelig fürs Sitzen.

Das Programm im Pavillon beginnt mit einer Art Stand-Up-Teil, in dem es um einen montenegrinischen Schnaps geht – „wie ein Obstler, nur ohne Obst“ – und einen Filmdreh im Wiener Rosengarten: „Wir konnten da gar nicht drehen, um jede Rose standen mindestens fünf Chinesen rum. Ich habe die Theorie entwickelt, dass die die jetzt statt der Bienen bestäuben.“

Im Mittelpunkt stehen Familiengeschichten

Wenn Kaminer erzählt und liest, tut er das mit russischem Zungenschlag, sein Hauptstoff ist die Familie: Es gibt eine Geschichte über missglückte Gedichte des Vaters, die dieser „Liebesbriefe an die Welt“ nannte. Es gibt eine über die Tochter und ihre Freundin und wie sie sich auf einem Libertines-Konzert Pete Dohertys Läuse einfingen. Es gibt eine über die Rechtschreibkorrektur des Handys der Großmutter. Es gibt eine über die Tochter, die nicht zum Geburtstag ihrer Großmutter gehen möchte.

Wladimir Kaminer im Pavillon. Quelle: Navid Bookani

Die letzten beiden sind dem Band entnommen, an dem Kaminer gerade arbeitet. Einen Titel hat er noch nicht, gehen soll es um Altersunterschiede, um „Kinder, die immer erwachsener werden und Eltern, die immer kindischer werden.“ Und selbstverständlich gibt es Geschichten über deutsch-russische Freundschaft, allen voran die schöne Erzählung, wie der Softporno-Klassiker „Unterm Dirndl wird gejodelt“ anlässlich der Perestroika ins sowjetische Fernsehen kam – laut Kaminer ein entscheidender Grund für den Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus.

Erfolgsrezept: „Russendisko“

Kaminers Texte sind dabei manchmal lustig, manchmal tragikomisch, immer auf Pointen gebaut, die das Publikum gerne und lachend mitnimmt. Die Texte, die Kaminer liest, sind aber auch Texte, die sich nicht großartig von dem unterscheiden, was schon das Erfolgsrezept von „Russendisko“ war: Ein gespielt-naiver Blick auf Deutschland und seine Gesellschaft, immer im Abgleich mit eigenen Erfahrungen und möglicherweise Erkenntnissen, aber zumindest mit Witzen an den teilweise absurden Bruchstellen dazwischen.

Die Welt, Kaminers Leben und sein Schreibstil haben sich mittlerweile selbstverständlich geändert, deshalb funktioniert seine Methode auch noch genauso gut – wirkt allerdings nicht mehr ganz so frisch wie vor 20 Jahren. Dafür aber immer charmant. „Jetzt möchte ich mit Ihnen aber noch Stößchen machen“, sagt Kaminer zum Abschluss der Lesung und hebt sein Sektglas, „auf ein friedliches neues Jahr und ein solidarisches Europa mit Russland als Freund.“

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