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Kultur Ida Sand begeistert das Publikum in Hannover
Nachrichten Kultur Ida Sand begeistert das Publikum in Hannover
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00:18 03.02.2019
Aufwertung mit mit blauen Noten: Die schwedische Soul- und Jazzmusikerin Ida Sand im Jazz Club Hannover.
Aufwertung mit mit blauen Noten: Die schwedische Soul- und Jazzmusikerin Ida Sand im Jazz Club Hannover. Quelle: Foto: Moritz Frankenberg
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Hannover

Der Strauß Blumen, standesgemäß nach Konzertende überreicht vom Jazz-Club, liegt neben dem Flügel. Ida Sand verneigt sich mit den Mitgliedern ihrer Band vor dem euphorisch applaudierenden Publikum. Und macht es sich zur Zugabe vor ihrem Flügel bequem. Zeit für etwas ganz anderes. Für einen unbegleitet gespielten Song von Neil Young; „Harvest“ aus ihrem vier Jahre alten Young-Tribute-Album „Young At Heart“. Das kann sie also auch: Singer-Songwriter-Klassiker als Jazz-Interpretationen mit blauen Noten aufwerten. Die knapp anderthalb Stunden im ausverkauften Jazz Club zuvor allerdings standen unter einem ganz anderem Stern - dem der Soul-Musik.

Die „schwärzeste Stimme“?

„My Soul Kitchen“ heißt Sands neues Album - ein Kompendium alter Soul-Klassiker. Gesungen von der „schwärzesten Stimme Skandinaviens“, wie uns ihre Plattenfirma weismachen will.

Stimmt das? Unter Jazz-Club-Stammgästen entspinnt sich in der Pause eine lebhafte Diskussion, wo denn die für Jazz typischen Soli bleiben. Und ob die Stimme von Sand überhaupt Soul kann. Schließlich ist die Tochter eines Opernsängers und einer Kirchenmusikerin, gebürtige Stockholmerin. Und solch einem Nordlicht kaufen einige nur schwer ab, wenn sie „Born On The Bajou“ singt, einem Song von Creedence Clearwater Revival. Gleiches gilt für Soul-Hymnen wie „Please Don’t Hurt My Baby“ (Stevie Wonder), „Just Kissed My Baby“ (The Meters) oder „I Believe To My Soul“ (Ray Charles).

Reduziert aufs Essentielle

Natürlich ist ihre Stimme weit entfernt von der einer Aretha Franklin, eines Al Green oder Stevie Wonder. Aber - um mit Ray Charles zu sprechen - sie glaubt an ihrer Seele. Und macht sich ihren eigenen Reim aus den großen Vorbildern: mit dunkler Stimmfärbung, eleganter Phrasierung und dem Verzicht auf effektheischender Ornamentik. Das gutturale, himmelhochjauchzende Element des Blues und Soul ist nicht ihr Ding. Ihr Soul ist zurückgenommen, spartanisch arrangiert, reduziert auf die Essenz. Entsprechend agiert ihre hervorragende Band. Jesper Nordenström am Keyboard, Gitarrist Henrik Jansson, Lars Danielsson am Bass und Schlagzeuger Nicci Notuni transportieren authentisch den Geist des Sechzigerjahre-Soul luftig und geschmackvoll ins Hier und Jetzt. Dieser Soul entzündet kein loderndes Feuer, doch er lässt es behaglich knistern.

Von Bernd Schwope