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Kultur „Der schwarze Obelisk“ im Schauspiel
Nachrichten Kultur „Der schwarze Obelisk“ im Schauspiel
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00:15 04.09.2018
Der Stein muss stehen: Jonas Steglich, Hagen Oechel und Silvester von Hösslin in „Der schwarze Obelisk“ von Erich Maria Remarque. Quelle: Katrin Ribbe
Hannover

Dieser Anfang ist auch ein Ende. Intendant Lars-Ole Walburg eröffnet die Spielzeit am Schauspielhaus mit einer eigenen Inszenierung – und das ist gleichzeitig seine Abschiedsinszenierung von Hannover. Denn mit Ablauf dieser Spielzeit im Sommer 2019 endet auch sein Intendantenvertrag – und er hat angekündigt, in dieser Saison anderen Regisseuren den Vortritt zu lassen und nur dieses eine Stück zu inszenieren. Der Auftakt als Abschied, das hätte ein großes Spektakel werden können, eine Abrechnung mit der Stadt und dem Publikum, eine gewaltige Provokation, oder vielleicht auch eine große Wutrede über Kunst und ihre Wirkungslosigkeit.

Doch von alledem gab es nichts.

Lars-Ole Walburg hat sich für einen Roman von Erich Maria Remarque entschieden: „Der schwarze Obelisk“, eine Geschichte aus der Zwischenzeit nach dem ersten Weltkrieg und vor dem Erstarken rechter Kräfte. Damit rundet sich immerhin etwas. Vor vier Jahren verzückte Walburg das Publikum (und viele Kritiker) mit seiner farbintensiven Dramatisierung von Remarques „Im Westen nichts Neues“, im vergangenen Jahr brachte er Remarques „Die Nacht von Lissabon“ über eine Flucht aus Nazi-Deutschland als Solo für den großartigen Schauspieler Silvester von Hösslin auf die Cumberlandsche Bühne.

Silvester von Hösslin ist auch in „Der schwarze Obelisk. Geschichte einer verspäteten Jugend“ zu sehen. Er spielt Georg, den Besitzer des Grabsteinbetriebs, in dem Ludwig Bodmer, die Hauptfigur, nach dem Ersten Weltkrieg Anstellung gefunden hat. Silvester von Hösslin macht das mit großer Sachlichkeit und deutet vieles nur an: den Intellektuellen, der die Zeichen der Zeit erkennt, den Bonvivant, der nach dem Krieg und vor dem Krieg das Leben genießen will, den Geschäftsmann, der weiß, dass in Zeiten der Inflation vielleicht nur Humor noch helfen kann. Da ist eine schöne Klarheit in seinem Spiel und eine verblüffende lässige Größe.

Jonas Steglich spielt die Hauptrolle: den 25 jährigen Ludwig Bodmer, der in der Grabsteinwerkstatt als Buchhalter seinen Lebensunterhalt verdient, der Orgel im Irrenhaus spielt, der mit der schönen Isabelle (Carolin Haupt) in der Psychiatrie tiefsinnige bis verrückte Gespräche führt, und der sich in die Artistin Gerda (Antonia Eleonore Hölzel) verliebt, die sich dann aber doch lieber für den reichen Restaurantbesitzer (Sebastian Weiss) entscheidet. Ludwig beobachtet das alles mehr mit Neugier als mit Schmerz. Jonas Steglich lässt ihn an all dem nur wenig leiden. Er verpasst dem Helden eine Art Glückshaut, an der viel abperlt. Hagen Oechel als Feldwebel, der den schwarzen Obelisken (das Werbemittel des Steinmetzbetriebs) als Urinal nutzt und Christoph Müller als Grabsteinverkäufer, der den Nationalsozialisten folgt, sind in ihren Szenen grobwitzig bis hin zur Karikatur.

Remarques Roman ist ein Bilderbogen des Jahres 1923. Er zeigt, wie die Menschen mit der Hyperinflation umgehen, wie sie nach Alltag und Normalität streben und wie die Nachkriegszeit sich langsam in eine Vorkriegszeit wandelt. Der Roman kann auch als Warnung gelesen werden.

Lars-Ole Walburg will, dass die ankommt. Er ist ein talentierter Wirkungsregisseur. Hier ist allerdings auch zu sehen, dass Wirkungstheater mit Mühe und Arbeit verbunden sein kann. Walburg hat viel aufgefahren: 13 Sänger eines Männerchores, die auf der Bühne „Ich hatt‘ einen Kameraden“ singen, eine professionelle Burlesque-Tänzerin (mit dem interessanten Künstlernamen Tronicat la Miez) als schöne Nachbarin, die am Fenster Gymnastik macht, eine Windmaschine, die Nebel, Flitter und ein paar der vielen Geldscheine, die auf dem Boden liegen, Richtung Publikum pustet.

Walburg hat als Spielort eine große Kurkonzertmuschel (Bühne: Robert Schweer) gewählt; ein Ort, der dazu da ist, dass alles was hier geschieht, verstärkt wird. Der Boden in dieser Konzertmuschel ist übrigens weich, das macht zwar komische Schmatzgeräusche beim Gehen, stellt aber klar: Das hier ist kein fester Grund, auf dem sich etwas aufbauen ließe. Unten ist der braune Sumpf.

Walburg ist ein Meister des Wirkungstheaters; er hat uns oft mit seinen Inszenierungen verblüfft und verzaubert. In seiner mehr als zwei Stunden dauernden (und pausenlosen) Inszenierung von „Der schwarze Obelisk“ aber lässt er durchscheinen, wie mühevoll dieses Geschäft sein kann.

Einmal lässt er Jonas Steglich die Papiertücher, mit denen er den schwarzen Obelisken vom Urin des Feldwebels gereinigt hat, ins Publikum werfen. Da zeigte sich dann immerhin der Ansatz einer Abrechnung.

Weitere Vorstellungen am 15. und 30. September.

Von Ronald Meyer-Arlt

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