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Kultur Kulturförderung: Herr Janssen, wie fühlt es sich an mit dem vielen Geld?
Nachrichten Kultur Kulturförderung: Herr Janssen, wie fühlt es sich an mit dem vielen Geld?
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00:15 26.01.2019
„Man muss sehr genau die Qualitätsfrage stellen“: Johannes Janssen, Geschäftsführer der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der VGH-Stiftung in Hannover. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Noch ist vieles neu für ihn in Hannover. Anfang Januar hat Johannes Janssen als neuer Direktor der Sparkassenstiftung und der VGH-Stiftung angefangen. Er ist der Nachfolger von Sabine Schormann, die nach Kassel zur Documenta ging.

Herr Janssen, jetzt sind Sie der Mann mit dem Geldkoffer. Das muss ein schönes Gefühl sein.

Das ist ein sehr schönes Gefühl. Schließlich tun wir ja viele sinnvolle Dinge mit dem Geld.

Alle freuen sich, wenn Sie kommen.

Ja. Vor allem aber freuen sie sich, wenn sie auch etwas aus dem Koffer bekommen. Das ist ja nicht selbstverständlich. Wir schauen ja schon auf die Inhalte und fragen, ob die geförderten Projekte den Qualitätsansprüchen genügen, die in den Stiftungen in den vergangenen Jahren entwickelt worden sind.

Worin besteht denn eine sinnvolle Kulturförderung?

Es geht nicht darum, Förderung zu streuen, man muss sehr genau die Qualitätsfrage stellen. Es reicht ja nicht, einen Antrag sympathisch zu finden, man muss auch sicher sein, dass die Institution nach der Förderung besser da steht als vorher. Wichtig ist natürlich auch die Nachhaltigkeit. Wir wollen Projekte fördern, von denen wir wissen, dass sie für lange Zeit eine Wirkung im Land haben. Und wir wollen den geförderten Institutionen auch für längere Zeit partnerschaftlich verbunden bleiben. Die Beziehung hört für uns mit der Überweisung der Fördersumme ja nicht auf, sondern sollte idealerweise fortgesetzt werden.

Was wollen Sie anders machen als Ihre Vorgängerin? Wie wollen Sie eigene Akzente setzen?

Das wird die Zeit zeigen. Ich bin ja nicht hierher gekommen, um alles anders zu machen. Vieles von dem, was Sabine Schormann hier auf den Weg gebracht hat, finde ich sehr gut. Ich werde mir ein Jahr Zeit lassen, um mir den ganzen Laden in Ruhe anzuschauen. Dann werde ich anfangen, Dinge anders zu machen. Ich habe bis jetzt kein dramatisches Defizit erkennen können. Es gibt aus heutiger Sicht nichts, was sofort grundlegend geändert werden müsste.

„Die beiden Schwesterschiffe ’Niedersächsische Sparkassenstiftung’ und ’VGH-Stiftung’ liegen grundsätzlich gut auf Kurs“, sagt Johannes Janssen im HAZ-Interview. Quelle: Tim Schaarschmidt

Sie waren Direktor des Museums Sinclair-Haus in Bad Homburg, das der zeitgenössischen Kunst gewidmet ist. Werden die Stiftungen, denen Sie vorstehen, demnächst zeitgenössischer ausgerichtet?

Die Festivals, die die Stiftungen veranstalten, wie die Niedersächsischen Musiktage und das Literaturfest Niedersachsen, sind ja durchaus auch zeitgenössisch orientiert. Und natürlich fördern wir mit unserer Kunstsammlung das Sprengel-Museum und unterstützen auch über Einzelanträge zeitgenössische Kunst- und Kulturprojekte. Grundsätzlich aber wird es keine Verschiebung zum Zeitgenössischen geben. Alle kulturellen Institutionen und Kulturschaffenden des Landes sind weiterhin herzlich eingeladen, mit uns zusammenzuarbeiten.

Es gibt mehr als 600 Museen in Niedersachsen. Sind das eigentlich zu viele?

Nein, das finde ich überhaupt nicht. In der Fläche haben wir gewiss nicht zu viele Museen. Ich frage mich eher bei den großen Museen, ob der nächste Anbau wirklich nötig ist. Denn oft wird bei Erweiterungswünschen nicht über die schwer kalkulierbaren oder verdrängten Folgekosten gesprochen.

Von welchen Museen sprechen Sie jetzt?

Es ist ja ein generelles und hinlänglich bekanntes Phänomen, dass Museen immer mal wieder eine Vergrößerung ihrer Ausstellungsfläche anstreben. Das kann sinnvoll sein, manchmal ist es jedoch besser, sich auf die Qualität zu konzentrieren. Mich reizt es auf jeden Fall sehr, bei der Qualitätssteigerung von Museen und dem kulturellen Angebot in Niedersachsen überhaupt mitzuwirken, also die Weiterentwicklung bestehender Institutionen und Formate zu fördern und ebenso neue Initiativen, die unseren Qualitätsansprüchen entsprechen, zu unterstützen. Das alles kann auf sehr unterschiedliche Art und Weise und immer abgestimmt auf das jeweilige Projekt geschehen.

Zur Person

Seit Anfang ist Johannes Janssen Stiftungsdirektor der Niedersächsischen Sparkassenstiftung und der VGH-Stiftung. Er ist der Nachfolger von Sabine Schormann, die nach 18 Jahren erfolgreicher Arbeit als Generaldirektorin der documenta nach Kassel wechselte. Johannes Janssen, geboren 1969 in Norden, studierte Kunstgeschichte, Germanistik und Klassische Archäologie in Kassel, Köln und Bonn. Im Auftrag der Ostfriesischen Landschaft, Aurich, erstellte er von 1998 bis 2001 das Werkverzeichnis der Gemälde des Künstlers Hans Trimborn und promovierte 2002 mit einer Arbeit über diesen Künstler in Bonn. 2013 wurde Johannes Janssen Direktor des Museums Sinclair-Haus in Bad Homburg.

Bei Ihrer Ernennung zum Geschäftsführer der Stiftungen sagte Thomas Mang, der Präsident der Niedersächsischen Sparkassenstiftung: „Wir freuen uns, mit Johannes Janssen einen ausgewiesenen Kulturmanager gewonnen zu haben, der unsere Stiftungen bestens auf Kurs halten und dabei auch neue Ufer ansteuern wird.“ Welche neuen Ufer werden Sie ansteuern?

Wie gesagt, die beiden Schwesterschiffe „Niedersächsische Sparkassenstiftung“ und „VGH-Stiftung“ liegen grundsätzlich gut auf Kurs. Für den Aufbruch zu neuen Ufern brauche ich zunächst mal eine starke Mannschaft an Bord und werde deshalb auf meine Art und Weise jede Kollegin und jeden Kollegen in ihrem eigenständigen Tun stärken. Auch das Zusammenspiel der zwei eigenständigen Stiftungen soll weiter ausgebaut werden – ohne das jeweilige Profil zu verunklaren. Das Ansteuern der größeren neuen Ziele wird selbstverständlich zunächst mal in den Stiftungsgremien besprochen, bevor es öffentlich wird. Und natürlich, wie bei jeder guten Abenteuerfahrt, werden wir auch neue Ufer entdecken, von denen wir jetzt noch gar nichts wissen.

Von Ronald Meyer-Arlt

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