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Kultur Jason Lutes zeigt seine „Berlin“-Trilogie
Nachrichten Kultur Jason Lutes zeigt seine „Berlin“-Trilogie
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12:03 27.01.2019
Großstadtpanorama: Illustration aus dem letzten Band: „Berlin –flirrende Stadt. Quelle: Jason Lutes
 Hannover

Drei Jahre, nachdem Jason Lutes sein Diplom als Illustrator erhalten hatte, begann er seine Arbeit an „Berlin – Steinerne Stadt“, einer Graphic Novel über Berlin in den Zwanziger Jahren. Das war lange, bevor der Rummel über „Babylon Berlin“ begann: im Jahr 1994. Jason Lutes’ Graphic Novel wurde ein großer Erfolg. Es folgte „Berlin – Bleierne Stadt“, mit dem letzten Band „Berlin – Flirrende Stadt“ ist die Trilogie nun komplett.

Die „Berlin“-Trilogie ist ein ganz erstaunliches Buch geworden: mit erstaunlichen Zeichnungen, erstaunlichen Geschichten, erstaunlicher Tiefe. Jason Lutes’ schwarz-weiß-Zeichnungen sind voller Dynamik. Immer ist etwas in Bewegung, oft arbeitet er mit Spiegelungen oder Überlagerungen, und trotzdem bleibt er immer auf das Wesentliche konzentriert. Er zoomt ganz nah ans Detail und zeigt kurz darauf wieder das ganze Großstadtpanorama. Ganz großes Kino.

Jason Lutes erzählt er vom Schicksal einer jungen Kunststudentin, die im Gewirr der Großstadt ihren eigenen Weg finden muss. Sie lernt einen Journalisten der „Weltbühne“ kennen, taucht ins Nachtleben der Stadt ein, und versucht, ihre Erfahrungen in Blidern festzuhalten. Daneben beschreibt Lutes das Leben der Arbeiter in den Mietskasernen, die Situation der Juden in Berlin, die Aufmärsche der Arbeiterbewegung, das Erstarken des Nationalsozialismus – es ist ein gewaltiges, zuweilen wild montiertes Großstadtpanorama.

Jason Lutes hat in Seattle mit der Arbeit an „Berlin“ begonnen, mehr als zwei Jahre hat er dafür – vor allem in Büchern – recherchiert. Am Ende der Trilogie nennt er Autoren, die ihn beeinflusst haben: Bertolt Brecht, Alfred Döblin, Christopher Isherwood und Erich Maria Remarque gehören dazu. Visuelle Inspirationen lieferten unter anderem George Grosz, August Sander und Heinrich Zille.

Diese Spuren sind auf jeder Seite zu finden; man kann sich der Trilogie andächtig und voller Bewunderung nähern und nach solchen Bezügen forschen, man kann sich aber auch einfach von einem starken Comic gefangen nehmen lassen.

Jason LutesBerlin“. Carlsen Verlag, 608 Seiten, 46 Euro. Jetzt ist der Autor auf Lesetour und stellt die Trilogie in Deutschland vor. Nach Lesungen in Hamburg (dem Sitz des Verlages) und Berlin, kommt er am Donnerstag, 31. Januar, nach Hannover. Zusammen mit dem hannoverschen Comic-Experten Matthias Wieland spricht Jason Lutes um 20 Uhr bei Feinkost Lampe (Eleonorenstraße 18) über sein Mammut-Werk.

Von Ronald Meyer-Arlt

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