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Kultur Joshua Bell spielt im Kuppelsaal
Nachrichten Kultur Joshua Bell spielt im Kuppelsaal
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00:16 18.01.2019
Immer schön locker: Joshua Bell und die Academy bei der Einspielprobe. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Es gehört zu der besonderen Faszination, die von dem Geiger Joshua Bell ausgeht, dass er vereint, was scheinbar unvereinbar ist: Lässigkeit und Virtuosität. Bei ihm bekommt technische Brillanz eine angenehme Beiläufigkeit, selbst ein großspuriges Stück wie das Tschaikowsky-Violinkonzert, das der US-amerikanische Musiker nun gemeinsam mit der Academy of St Martin in the Fields beim Pro-Musica-Konzert im Kuppelsaal gespielt hat, klingt bei ihm irgendwie unkompliziert.

Statt mit breiter Brust die Herausforderungen zu betonen, die dieses Stück bietet, beugt Bell sich freundschaftlich zum Zuhörer hinab, als wolle er eben schnell eine nette Geschichte erzählen. Das tut er dann so plastisch und detailscharf, so charmant und lebendig, dass man ihm gern folgt, auch wenn man die Geschichte wie im Fall des Tschaikowsky-Konzertes schon oft gehört hat.

Joshua Bell und die Academy St Martin of the Fields im Kuppelsaal. Quelle: Katrin Kutter

Es ist schon ein Vergnügen, allein Bells Bogenführung zu beobachten: die charakteristische Art, mit der er federleicht lange Notenketten zusammenbinden oder seiner Stradivari volle, warme Töne entlocken kann, die selbst in der Weite des Kuppelsaals immer ganz nah klingen. Der Geiger hat keine Probleme mit den schwierigen Akkorden am Ende des ersten Satzes, die nicht wenigen seiner Kollegen zu schaffen machen, und natürlich weiß er auch genau, wann man die entspannte Zurückhaltung aufgeben muss, um das Publikum wie im Kuppelsaal zum Applaudieren im Stehen zu bringen.

So überrascht es nicht, dass Bell noch Kapazitäten hat, um sich beim Spielen auch noch um die Leitung des Orchesters zu kümmern. Vermutlich wäre es spannender, Bell im Dialog mit einem selbstbewussten Dirigenten zu erleben, aber auch im Selbstgespräch funktioniert dieser Tschaikowsky gut. Dazu trägt die Londoner Academy bei, deren Musikdirektor Bell seit 2011 in der Nachfolge des verstorbenen Orchestergründers Neville Marriner ist. Die Klangbalance stimmt, und wenn es an wenigen Stellen rhythmische Verschiebungen gibt, dann ist das nur Ausdruck einer Risikobereitschaft, von der jede Aufführung lebt.

Joshua Bell und die Academy St Martin of the Fields bei der Probe. Quelle: Katrin Kutter

Ganz anders tönt dagegen der erste Teil des Abends: eine kurze, blasse Ouvertüre für Violine und Orchester von Bells in Jazz und Country beheimateten Komponistenfreund Edgar Meyer und die erste Sinfonie von Georges Bizet. Vor allem in der Sinfonie schleicht sich beim Orchester ein viel zu routinierter Tonfall ein und erinnert daran, dass auch ein Spitzenensemble sehr langweilig spielen kann. Als Orchesterleiter am ersten Pult hat Bell es hier wohl mit der Lässigkeit übertrieben.

Am Freitag, 8. Februar, 19.30 Uhr dirigiert Semyon Bychkov im Kuppelsaal die Tschechische Philharmonie bei Werken von Rachmaninow und Tschaikowsky. Solist ist Pianist Jan Lisiecki, Karten gibt es unter Telefon (05 11) 12 12 33 33.

Von Stefan Arndt

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