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Kultur „Traurig und fröhlich ist das Giraffenleben“ feiert Premiere im Ballhof
Nachrichten Kultur „Traurig und fröhlich ist das Giraffenleben“ feiert Premiere im Ballhof
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00:16 19.03.2019
Mit viel Tempo durch die Gefühlswelt eines jungen Mädchens: Sebastian Weiss und Amelle Schwerk "Traurig und fröhlich ist das Giraffenleben". Quelle: Isabel Machado Rios
Hannover

Ein stark depressiver, fluchender Stoffbär namens Judy Garland, ein neunjähriges Mädchen, das Giraffe genannt wird und das Schauen des Discovery Channels zum Grundrecht erklärt, und ein Vater, der sich nach dem Verlust von Frau und Job im Optimismus verirrt: Das sind die Zutaten für das neue Stück „Traurig und fröhlich ist das Giraffenleben“ des Jungen Schauspiels Hannover, das jetzt im Ballhof zu sehen ist.

Zwischen Fiktion und Realität

Das Stück des Portugiesen Tiago Rodrigues wagt einen Seiltanz zwischen Fiktion und Realität. Giraffe ist viel zu groß für ihr Alter und doch so weit weg vom Erwachsenwerden. Sie kämpft gegen die Einsamkeit nach dem Tod ihrer Mutter, gegen die Wut auf ihren Vater, der immer „alles okay“ findet, und nicht zuletzt kämpft sie gegen sich selbst. „Das ist der Mann, der mein Vater ist“, „Das bin ich, wenn ich versuche...“, „Das ist das Geräusch, wenn...“: Giraffe, überzeugend gespielt von Amelle Schwerk, schafft nicht nur sprachlich Distanz zu ihren Emotionen. Sie bricht aus, wagt ein Abenteuer – um vordergründig Geld für das Kabelfernsehen zu besorgen, das sich ihr Vater nicht mehr leisten kann. Aber vielmehr, um sich selbst zu finden. Denn: „Ein Abenteuer ist, wenn der Held einer Geschichte sich endlich entschließt, das zu tun, wofür er erfunden wurde.“

Mit Tempo durch die Gefühlswelt eines Kindes

Es sind unwirkliche Szenen, die sich in den 90 Minuten auf der Bühne entwickeln: Stoffbär Judy Garland (Sebastian Weiss) schimpft, boxt und flucht im verspielten Kleid der jungen Dorothy aus dem „Zauberer von Oz“, singt im nächsten Moment „Get Happy“ – und gibt so der wütenden, verzweifelten Seite des kleinen Mädchens eine Stimme. Fantastische Begegnungen bestimmen das Stück: Ein „Straßenpanther“ vernichtet selbstlos das „zornige Geld“ eines armen Rentners. Der Premierminister will per Gesetz Banküberfälle erlauben, um einem gehorsamen Polizisten zu helfen. Jeder dieser Charaktere, allesamt gespielt vom großartigen Silvester von Hösslin, nimmt den Zuschauer mit auf eine temporeiche Reise durch die Gefühlswelt eines überforderten Kindes. Beeindruckende Bilder, Soundspielereien und doch ein fast puristischer Auftritt, der mit klarer Sprache einen Überblick verspricht, den wohl nur eine Giraffe aus sechs Meter Höhe haben kann, bannen und irritieren zugleich.

Losrennen, um anzukommen

„Vor unserer Zeit sind auch alle gerannt. Wenn sie sich verirrt haben, sind sie losgerannt. Wer weiß schon, in welche Richtung er rennt?“, fragt Judy Garland und dürfte damit nicht nur junge Zuschauer ansprechen. Giraffe rennt los – und kommt an, bei sich. Ihren Stoffbären muss sie dafür töten. Seine letzten Worte lauten: „Ich sehe etwas Wunderbares.“ So geht es auch dem Publikum im Ballhof. „Traurig und fröhlich ist das Giraffenleben“ – ein wunderbar verstörendes Stück.

Nächste Abendvorstellungen sind am 27. März, 30. April und 3. Mai.

So war die Premiere des Stücks „Traurig und fröhlich ist das Giraffenleben“ am Freitagabend im Ballhof.

Von Carina Bahl

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