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Kultur Aachen nimmt Kuratoren das Preisgeld ab
Nachrichten Kultur Aachen nimmt Kuratoren das Preisgeld ab
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00:18 18.02.2019
Neben dem Bild des Kunstmäzens Peter Ludwig: Andreas Beitin, Direktor des Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen –und demnächst des Kunstmuseums Wolfsburg. Quelle: Foto: Carl Brunn
Aachen/Hannover

Erstmals in der Geschichte des Justus-Bier-Preises ist den damit Ausgezeichneten das Preisgeld abgenommen worden. Die Stadt Aachen begründet diesen Schritt mit ihren „Compliance-Regeln“; die Jury des vor zehn Jahren in Hannover ins Leben gerufenen Preises stuft den Vorgang als Skandal ein und fordert die Herausgabe des Geldes an die Preisträger.

„International einmaliger Vorgang“

Der Preis, der zu den wenigen hochkarätigen Würdigungen von Kuratoren in Museen und Ausstellungshäusern zählt, ging zuletzt an Andreas Beitin, den Direktor des Aachener Forums Ludwig, sowie die Kuratoren Brigitte Franzen und Holger Otten. Sie erhielt je ein Drittel der Preissumme von 5000 Euro für Ausstellungsprojekt und Katalog zu der Mies-van-der-Rohe-Schau „Montage Collage“ im Ludwig-Forum. Beitin und Otten mussten ihren Anteil an dem Preisgeld bei der Stadt abliefern, Brigitte Franzen, die, anders als die beiden anderen, keine städtische Angestellte ist, wurde dies nicht abverlangt. Beitin wechselt im Frühjahr von Aachen als neuer Direktor ans Kunstmuseum Wolfsburg.

Stephan Berg, Vorsitzender der Jury, Direktor des Kunstmuseums Bonn und früher Leiter des Kunstvereins Hannover, sowie Jens Howaldt, Vorstandsvorsitzender der hannoverschen Helga-Pape-Stiftung, die den Preis finanziert, äußern sich in einem Schreiben an Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp „mit großem Befremden“ über diesen „im deutschen und internationalen Kulturbetrieb sicherlich einmaligen Vorgang“. Auf ihre Forderung nach Rückerstattung des Geldes haben sie nach Bergs Worten bis heute keine Antwort erhalten.

In Aachen reagierte auf Pressenachfragen Olaf Müller, der „Leiter Kulturbetriebe der Stadt Aachen“: Die Regeln der Stadt ließen es nicht zu, dass städtische Angestellte Geld annähmen. Dies diene dazu, Transparenz zu gewährleisten und Korruption vorzubeugen, außerdem gewährleiste die Abführung des Preisgeldes die nötige Gleichbehandlung der Mitarbeiter.

„Der Rock der Verwaltung“

Auf die Frage, inwieweit solches Gleichheitsdenken einer Exzellenz, wie sie diese Preisvergabe würdigt, nicht im Wege stehe, sagt Müller, dass der Erfolg der Mies-van-der-Rohe-Projekts ein kollektiver Akt sei und auf städtischen Ressourcen basiere. „Es gibt ja auch eine immaterielle Anerkennung“, sagt Müller. „Der Rock der Verwaltung ist eng, aber warm.“ Für künftige Fälle sei zu empfehlen, dass sich Preisvergebende nicht an die Preisträger, sondern an deren Vorgesetzte wendeten, damit es bei einer solchen Übergabe von Bargeld nicht zu Missverständnissen komme.

Die Preisverleihung sei weder heimlich erfolgt, noch sei dabei Bargeld überreicht worden, hält Stephan Berg dagegen und spricht, ebenso wie Christina Végh, Direktorin der hannoverschen Kestnergesellschaft und gleichfalls in der Jury des Justus-Bier-Preises, von einem „skandalösen Vorgang“.

Benannt ist der Preis, der auf Initiative von Carl Haenlein, dem früheren Kestnergesellschaftsdirektor ins Leben gerufen wurde, nach Justus Bier (1899-1990), dem letzten Direktor der Kestnergesellschaft vor deren Selbstauflösung im Nationalsozialismus. Bier, der jüdische Wurzeln hatte, wurde nach seiner Flucht in den USA ein erfolgreicher Hochschullehrer und Museumsleiter. Zu den Preisträgern zählen prominente Museumsmacher wie der in Hannover noch gut bekannte Markus Heinzelmann vom Museum Morsbroich und Ralf Beil, der Vorgänger von Beitin an der Spitze des Kunstmuseums Wolfsburg.

Von Daniel Alexander Schacht

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