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Kultur Der Knabenchor singt in der Marktkirche
Nachrichten Kultur Der Knabenchor singt in der Marktkirche
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14:29 26.08.2018
Konzert mit dem Knabenchor Hannover.
Konzert mit dem Knabenchor Hannover. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

An den Anblick muss man sich erst einmal gewöhnen. Nicht vor dem Altar, sondern in der Mitte des großen Kirchenschiffs ist die Bühne aufgebaut. Erst die Bühne für das Barockensemble La festa musicale. Und dahinter die Tribüne für den Knabenchor Hannover. Eher eine pragmatische Entscheidung, wo die vielen Akteure unterzubringen sind, als eine zugunsten der besseren Akustik. Die ist in der Martkirche auf jeden Fall hervorragend, wenn es um die Aufführung geistlicher Vokalwerke des venezianischen Spätbarock geht.

„Missa & Miserere“ ist der Abend in der Marktkirche überschrieben, für den der Knabenchor Hannover unter Leitung von Jörg Breiding Unterstützung von La festa musicale und Gesangsolisten erhält. Auf dem Programm stehen gesitliche Klänge: „Missa à 5 con stromenti“ und „Misere in c“ sind dabei die Werke des ein wenig in vergessen geratenen Benediktiners und Komponisten Diogenio (mit Mönchsnamen Benedetto) Bigaglia (1676-745), die den Mittelpunkt des Abends bilden. Vor allem das abschließende „Miserere“ interpretiert der Chor, das Barockensemble und die Solisten Veronika Winter (Sopran), Magdalene Harper (Sopran), Alex Potter (Alt), Georg Drake (Tenor) und Markus Flaig (Bass) mit werkgetreuer Hingabe, kontrapunktischer Dichte und dramatischer Prägnanz. Eindrucksvoll ist die klangliche Balance aus der Leichtigkeit der Stimmen und der düsten Aura des Stückes.

Hier wird am deutlichsten, warum dieser Chor als Leuchtturm der Chorstadt Hannover gilt und zahlreiche Preise gewinnen konnte. Zu den Stärken des Chores zählt auch, dass er mit seinen Programmen ganze Epochen und Stile zu neuem Leben erweckt. An diesem Abend ist es die Ära der Spätbarock. Und neben den beiden Werken von Bigaglia sind es das „Magnificat“ von Agostino Steffani (1654-1728), „Credo in F“ von Antonio Lotti (1666-1740) und die ein wenig aus dem Rahmen fallende „Sonata „Al Santo Sepolcro“ von Antonio Vivaldi (167 -1741), die den Zuhörer in die Zeit von vor 300 Jahren eintauchen lassen. Die Zuhörer sind offensichtlich so beeindruckt, dass der Applaus nach dem Schlusston auf sich warten lässt, dann aber um so enthusiastischer ausfällt.

Von Bernd Schwope

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