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Kultur Nicht von gestern: Bonnie Tyler im Theater am Aegi
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Konzert in Hannover: Bonnie Tyler im Theater am Aegi

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00:16 01.06.2019
„Zweimal im Jahr lasse ich nachhelfen“: Bonnie Tyler beim Konzert in Hannover.
„Zweimal im Jahr lasse ich nachhelfen“: Bonnie Tyler beim Konzert in Hannover. Quelle: SAMANTHA FRANSON
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Hannover

Ihre Stimme hat Bonnie Tyler vor 42 Jahren unwiederbringlich ruiniert. Eine Stimmbandoperation sollte Knötchen und Heiserkeit entfernen, die junge Sängerin ignorierte die Anweisung, eine Weile nicht zu sprechen – und schuf so versehentlich ihr Markenzeichen und wohl einen der Gründe ihres anhaltenden Erfolgs. Im Theater am Aegi in Hannover stellte sie am Dienstagabend nicht nur ihr siebzehntes Album „Between The Earth And The Stars“ vor, das Mitte März erschien. Sie feiert mit 900 Fans auch ihr 50. Bühnenjubiläum. „Ich fühle mich noch nicht einmal, als wäre ich 50 Jahre alt“, sagt sie – und scheint sich dabei ausgesprochen wohl zu fühlen.

Glitzerleggings und ein wenig Botox

Irgendwie ist Tyler immer die walisische Bergmannstochter aus der Provinz geblieben, mit blonder Mähne, schwarzen Glitzerleggings, orange lackierten Fingernägeln und ein wenig Botox um die Wangen. „Zweimal im Jahr lasse ich nachhelfen“, erzählt sie ohne jede Allüren mit dieser Stimme, die einfach nicht mehr kaputter werden kann.

Tyler hat Spaß am Kehligen, zelebriert es gurgelnd und kieksend. Sie trägt ihr Herz auf der Zunge, freut sich, dass auch das 20. von 23 Konzerten auf dieser Tour gut besucht ist. Die Atmosphäre wirkt familiär, nicht nur, weil ihr Neffe mit Freunden im Publikum sitzt.

Bonnie Tyler: Nostalgisch, aber nicht von gestern

Mit den neuen Songs braucht sich Tyler nicht hinter ihrem Lebenswerk zu verstecken. Sie hat sich diese von hervorragenden Kollegen komponieren lassen, satt nostalgisch und doch nicht von gestern. Und sie vermag die präzise austarierte Balance von schmachtendem Pop und kraftvollem Rock darin gut zu tragen. Dass sie immer wieder begeistert von den Menschen erzählt, die für sie geschrieben haben, erdet sie.

Bonnie Tyler bei ihrem Konzert im Theater am Aegi in Hannover

Barry Gibb, der letzte noch lebende Bee Gee, habe „Seven Waves Away“ auch über seine Brüder geschrieben, so Tyler. Der Song steht ihr gut, weil er gar nicht modern sein will – weil er zwar großes Pop-Kino auf breiter Leinwand ist, aber eben eher in Technicolor.

Der Titeltrack des neuen Albums „Between the Earth and the Stars“ bringt vieles auf den Punkt. Er ist eine chromglänzende Zeitmaschine mit ordentlich Pferdestärken – und Tyler wirkt darin ausgesprochen zuhause. Auch die größte Kollaboration ihrer Karriere würdigt die 67-Jährige: Es habe gedauert, bis sie Jim Steinman für sich gewinnen konnte. Doch gemeinsame Hits wie „Total Eclipse of the Heart“ oder „Holding Out for a Hero“ geben ihr bis heute recht, wie auch „Faster Than the Speed of Night“, das Tyler als furioses Finale zelebriert.

In den Zugaben singt sie dann das neue „Older“. „Natürlich bin ich älter geworden“, gibt sie zu. Und verspricht im Song: „Aber ich komme immer wieder zurück.“

Von Thomas Kaestle