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Nachrichten Kultur So ist das Familienstück „Das Sams“
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13:57 11.11.2018
Wer bist du denn? Das Sams (rechts) mit Herrn Taschenbier.
Wer bist du denn? Das Sams (rechts) mit Herrn Taschenbier. Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

Es gibt schlechtere Mitbewohner als das Sams. Es kann zwar sein, dass das koboldartige Wesen ab und zu ein Tischbein, ein Lineal oder einen Papierkorb anknabbert. Dafür profitiert der Gastgeber von den blauen Wunschpunkten im Gesicht des Sams: Mit ihnen geht so ziemlich jeder Wunsch in Erfüllung – er sollte aber präzise genug formuliert sein. Herr Taschenbier (Mathias Max Herrmann) möchte keinen Mitbewohner und er möchte vom rothaarigen Wesen mit der Schweinsnase auch nicht „Papa“ genannt werden. Herr Taschenbier möchte seine Ruhe haben, braune Anzüge mit karierten Hemden tragen und sein kleinbürgerliches Leben als Angestellter in einer Fabrik für Regenschirme führen. Doch genau diesen Wunsch bekommt er nicht erfüllt, als sich das Sams (Christoph Müller) an seine Versen heftet.

Das Sams, Pink Floyd und Deichkind

Regisseur Tom Kühnel bringt mit „Das Sams“ die Kinderbuchreihe von Paul Maar auf die Bühne des Schauspielhauses. Er verknüpft den anekdotisch erzählten ersten Band mit den Geschichten der Nebenfiguren Frau März (Antonia Eleonore Hölzel), Frau Rotkohl (Catherine Stoyan), Herr Mon (Andreas Schlager) und Herr Oberstein (Janko Kahle). Der Stoff funktioniert mittlerweile generationenübergreifend: Kinder, Eltern und Großeltern kennen die Geschichten des chaosstiftenden, rothaarigen Wesens im Taucheranzug.

Kühnel gelingt ein schwieriger Spagat: Seine Inszenierung unterhält Jüngere ebenso wie Ältere. Die Kleinen freuen sich über die flippige Darbietung des frech-naiven Sams und über die leicht verschrobenen Erwachsenen, deren Leben durch den Eindringling ins Schleudern gerät. Wer den eigenen Nachwuchs ins Theater begleitet, freut sich über Paul Maars warmen Humor und genießt den originellen Soundtrack mit eigenen Stücken und passend eingesetzten Klassikern von Pink Floyd, Trio oder Deichkind (musikalische Leitung: Christian Decker). Auch, wer die „Sams“-Geschichte in- und auswendig kennt, kann im Schauspielhaus neue, liebevolle Details entdecken oder sich über die Darstellung der kauzigen Charaktere freuen.

„Das Sams“ am Schauspiel Hannover

Die Musik kommt live von einer Band neben der Bühne: Zum schrammeligen Rock der Bühne singt das Sams mit nasaler Quäkstimme. Dazu rotiert die Drehbühne, deren Kulisse direkt dem Buch entsprungen zu sein scheint, fast so rasant, wie das Sams redet: Da ist die düstere Regenschirmfarbik mit einem von Hand angetriebenen Windkanal oder Herr Taschenbiers Jungesellenzimmer mit einigen ausklappbaren Geheimfächern.

Das Sams – ein Punk

Das Sams erscheint auf der Bühne weniger kindlich als im Buch. Christopher Müller gibt der Figur eine passende punkige Komponente. Sein Sams ist auf liebevolle Art trotzig und hat nicht die geringste Achtung vor Autoritätspersonen: Nur, weil es Herr Taschenbier „Papa“ nennt, will es noch lange nicht wie ein Kind behandelt werden. Hätte sein Taucheranzug ein paar Bier- und Ketchupflecken, das Sams würde sich „Haste mal nen Euro“-schnorrender Punker ziemlich gut in jeder Fußgängerzone machen. Wahrscheinlich würde das der Figur eine Menge Spaß machen. Und den Zuschauern auch.

Die nächsten Aufführungen sind heute sowie am 15., 18., 21., 25. und 26. November. „Das Sams“ steht bis Februar auf dem Spielplan.

Von Manuel Behrens