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Kultur Basel hat das „Theater des Jahres“
Nachrichten Kultur Basel hat das „Theater des Jahres“
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00:16 02.09.2018
Hannovers Schauspiel wird auch erwähnt: Einigen Kritikern hat „Die Edda“ neu erzählt von Thorleifur Örn Arnarsson und Mikael Torfason besonders gut gefallen.
Hannovers Schauspiel wird auch erwähnt: Einigen Kritikern hat „Die Edda“ neu erzählt von Thorleifur Örn Arnarsson und Mikael Torfason besonders gut gefallen. Quelle: Katrin Ribbe
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Berlin

Es war vielleicht keine so gute Idee, die berühmte Kritikerumfrage der Fachzeitschrift „Theater heute“ mit den Worten „Die Würfel sind gefallen: 43 Kritiker*innen haben mit kühlem Kopf, heißem Herz und ihrer geballten Urteilskraft abgestimmt“ einzuleiten. Denn ums Würfeln soll es bei der Auswahl der besten deutschsprachigen Schauspielbühnen, der besten Inszenierungen, der besten Schauspieler, Bühnen- und Kostümbildner und auch Nachwuchskünstler ja gerade nicht gehen. Der letzte Satz des Einleitungstextes zur Umfrage stimmt dann allerdings wieder: „Widersprüche sind garantiert, Einsprüche zwecklos!“

Die Kritiker haben das von Andreas Beck geleitete Theater Basel zum „Theater des Jahres“ gewählt. Acht der 43 befragten Theaterexperten stimmten dafür. „Schauspielerin des Jahres“ wurde mit sieben Stimmen Caroline Peters (46) vom Wiener Burgtheater. „Schauspieler des Jahres“ ist mit zehn Stimmen der freischaffende Schauspieler Benny Claessens (36). Bei der Bühnen-Hitparade gibt es keine vorgegebenen Nominierungen, die Kritiker streuen ihre Voten traditionell breit.

Vom „Theater des Jahres“ in Basel stammen hoch gelobte Inszenierungen wie Büchners „Woyzeck“ in der Regie von Ulrich Rasche und Ewald Palmetshofers Hauptmann-Interpretation „Vor Sonnenaufgang“ in der Regie von Nora Schlocker. Das Theater Basel habe sich als neuer Stammgast beim Berliner Theatertreffen etabliert, so „Theater heute“.

Basler Uraufführungen reisten außerdem zu den Mülheimer Theatertagen, es gebe Koproduktionen mit den wichtigsten Metropolentheatern und deutlich mehr internationale Anfragen und Gastspiel-Einladungen, als das Ensemble zusagen könne. Andreas Beck startet im Herbst in seine letzte Saison am Theater Basel, bevor er 2019 Nachfolger von Martin Kusej als Intendant des Residenztheaters München wird.

Die Schauspielerin Caroline Peters („Mord mit Aussicht“) wurde für ihre „furiosen Parts“ in Simon Stones „Hotel Strindberg“ ausgezeichnet, einer Koproduktion von Wiener Burgtheater und Theater Basel. Der in Antwerpen geborene Claessens erhielt die Auszeichnung für seine Rolle als „kindlicher, publikumsausfälliger Performer-King“ in Elfriede Jelineks Stück „Am Königsweg“. Jelineks Werk, in dem US-Präsident Donald Trump nicht namentlich genannt wird und doch gemeint ist, wurde von den Kritikern auch zum „Stück des Jahres“ (neun Stimmen) gewählt. Die am Deutschen Schauspielhaus Hamburg entstandene Uraufführungs-Inszenierung von Falk Richter mit Benny Claessens in der Hauptrolle ist die „Inszenierung des Jahres“ (sechs Stimmen).

Die „Kostüme des Jahres“ stammen von Andy Besuch (fünf Stimmen), der die Schauspieler für die Hamburger „Königsweg“-Inszenierung ausstattete. Das „Bühnenbild des Jahres“ (acht Stimmen) bauten Vegard Vinge und Ida Müller für ihr in Berlin entstandenes Gesamtkunstwerk „Nationaltheater Reinickendorf“.

Das Staatstheater Hannover wurde mehrfach erwähnt. Kritiker lobten die Kostüme, die Regie und die Dramaturgie von Mikael Torfasons Neuerzählung der „Edda“, die Thorleifur Örn Arnarsson im Schauspielhaus inszeniert hat.

Auf besonderes Interesse stößt in jedem Jahr die Rubrik „Ärgerlichste Erfahrung des Jahres“. Da waren sich die Kritiker einig: Die Berliner Kulturpolitik und die Situation der Volksbühne. . Ein Eintrag in dieser Rubrik lautete aber auch: „Eine Tendenz zu Rechthaberei und Besserwissertum, nicht nur, aber auch beim Sprechen über Theater“. Und das von einem Theaterkritiker!

Von Elke Vogel und Ronald Meyer-Arlt