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Kultur Wegrzyn soll Leitung abgeben
Nachrichten Kultur Wegrzyn soll Leitung abgeben
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20:00 28.10.2018
Das Ende einer erfolgreichen Zusammenarbeit: Lavina Francke, Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen, und Geiger Krzysztof Wegrzyn werden künftig nicht mehr gemeinsam den Violinwettbewerb organisieren. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Es war ein Fest der Musik: Zwei Wochen lang war Hannover Austragungsort eines der wichtigsten Geigenwettbewerbe der Welt. Am Sonnabend ging die zehnte Ausgabe des Internationalen Joseph-Joachim-Violinwettbewerbs mit einer großen Gala im Funkhaus zu Ende. Der Kanadier Timothy Chooi, der sich am Freitag den mit 50.000 Euro dotierten ersten Preis erspielt hatte, präsentierte sich als Solist bei der unter Leitung von Andrew Manze fulminant aufspielenden NDR-Radiophilharmonie noch einmal mit Tschaikowskis Violinkonzert als souveräner Sieger in einer starken Konkurrenz.

Der erst 19-jährige Ukrainer Dmytro Udovychenko bestätigte seine herausragende Leistung, die ihm den zweiten Preis (30.000 Euro) eingebracht hatte, durch zusätzliche Auszeichnungen: Er gewinnt auch den Publikumspreis und den Community Award, über dessen Vergabe die Zuschauer des Live-Streams im Internet entscheiden konnten. Beide Preise sind mit je 2000 Euro dotiert. Udovychenko wird künftig außerdem die Violine von Giovanni Battista Guadagnini spielen, die eigentlich dem ersten Preisträger gebührt – Timothy Chooi hat aber bereits ein Stipendium des kanadischen Council of the Art: Die Stiftung stellt ihm ein Instrument von Antonio Stradivari zur Verfügung.

Udovychenko kann also drei Jahre lang das Spitzeninstrument der Fritz-Behrens-Stiftung nutzen. Dann wird er es an den Gewinner der elften Ausgabe des Joseph-Joachim-Wettbewerbs übergeben. Dass dieser ausgetragen wird, war keineswegs eine Selbstverständlichkeit, sagte Gunther Dunkel, der Präsident der Stiftung Niedersachsen, die den Wettbewerb seit 1991 ausrichtet. Es habe „intensive Diskussionen“ gegeben, ob ein solcher Wettbewerb noch zeitgemäß sei, sagte Dunkel bei der Gala. „Am Ende lautete die Antwort auf diese Frage aber eindeutig ja.“

Allerdings wird es bei der Ausgabe 2021 erhebliche Änderungen geben: Die Stiftung hat nach Worten von Generalsekretärin Lavinia Francke bereits beschlossen, eine neue künstlerische Leitung für den Joachim-Wettbewerb zu suchen. Damit ist Krzysztof Wegrzyn ausgebootet, der den Wettbewerb gegründet und über zehn Ausgaben geleitet hat. Wer den Wettbewerb künftig leiten soll, welche weitere Änderungen es geben wird und welche Rolle Wegrzyn in künftigen spielen kann und soll, ist aber noch nicht entschieden. Der 65-jährige Geigenprofessor ist von den Zukunftsplänen der Stiftung nicht begeistert: Für ihn endet das Geigenfest wohl mit einem Kater.

Wegrzyn hat den hannoverschen Geigengipfel in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Erfolgsgeschichte gemacht. Nicht nur das hohe Preisgeld – der Wettbewerb gehörte lange zu den höchstdotierten der Welt – lockt regelmäßig die besten jungen Geiger der Welt an. Auch die Bedingungen sind in Hannover nahezu optimal: Die Teilnehmer können sich in allen Runden ausführlich von verschiedenen Seiten präsentieren, und mit der NDR-Radiophilharmonie steht im Finale ein echtes Spitzenorchester als Partner zur Verfügung. So etwas findet man bei anderen Wettbewerben derzeit nicht.

Trotzdem gab es seit Längerem auch unterschwellige Kritik an Wegrzyns Arbeit. Vor allem die Auswahl der Preisträger, unter denen überproportional häufig auch seine Schüler zu finden waren, sorgte immer wieder für Befremden. Als künstlerischer Leiter stellt Wegrzyn die internationalen Jurys zusammen. Auf deren Entscheidungen hat er im Wettbewerb allerdings keinen direkten Einfluss: Er ist Vorsitzender der Jury, hat aber kein eigenes Stimmrecht.

In diesem Jahr gehört aus seiner Geigenklasse an der hannoverschen Musikhochschule die Französin Cosima Soulez Larivière zu den Topplatzierten: Sie gewann den mit 20.000 Euro ausgestatteten dritten Preis. Außerdem konnte sie die Jury mit der besten Interpretation des Auftragswerks überzeugen und erhielt dafür den mit 3000 Euro dotieren Sonderpreis. Auch bei der Gala am Sonnabend erhielt sie für ihre Interpretation von Rebecca Saunders’ Stück „Hauch“ viel Beifall. Sehr überzeugend präsentierten sich dabei auch die übrigen Teilnehmer des Finales: der 19-jährige Japaner Rennosuke Fukuda (Platz vier), der Kieler Leonard Fu (Platz fünf) und die Südkoreanerin Youjin Lee (Platz sechs), die jeweils 8000 Euro gewinnen.

Von Stefan Arndt

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