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Kulturnachrichten Angelo Branduardi begeistert Hannover
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11:08 29.10.2018
Angelo Branduardi beim Konzert im Theater am Aegi Quelle: Frank Wilde
Hannover

Er beginnt mit „Si può fare“ aus den Neunzigern. Ein Stück darüber, dass man entscheiden kann, was man tut: Weinen oder tanzen, hassen oder lieben, weggehen oder wiederkommen. Er selbst hat sich entschieden, zu tanzen (jedenfalls ein bisschen) und zu lieben (seine Zuhörer) und wiederzukommen. Auch nach Hannover. Und das dankt ihm sein hiesiger Fanclub, der am Sonntag in Aegi-Stärke angetreten ist, mit frenetischem Applaus: Angelo Branduardi ist wieder da!

1977 kam der italienische Wuschelkopf groß raus, nach einem weitgehend unbeachteten Debüt erschienen in schneller Folge die Alben „Alla fiera dell’est“, „La pulce d’acqua“ und „Cogli la prima mela“, und die Titelstücke waren dann auch gleich Branduardis Hits. Man musste gar nicht verstehen, was er da sang. Kinderreime, Wasserflohmärchen, Heiligengeschichten – egal, es war handgemachte Musik, folkig mit einem Hauch Mittelalter, einem Schuss Rotwein und einem sehr hohen Prozentsatz an italienischem Sommerabend.

Die Stimmung im Aegi ist von Anfang an blendend. Wer sich umschaut, sieht nahezu nur Leute, die damals schon erwachsen waren. Bloß vorn, in der Reihe hinter der Loge, behauptet jemand, er sei 38. Branduardi selbst macht gar nicht erst den Versuch, jünger auszusehen als die 68 Lenze, die er zählt. Dass die Muskeln müder sind als früher, kann man aus der Sparsamkeit seiner Bewegungen schließen, auch bei den vier, fünf Tanzschritten, aber das kennen die Leute im Saal ja. Sogar Branduardis Locken – in ihrer weißen Pracht sehen sie heute sirsimorattlehafter aus als Sir Simon Rattle selbst – haben der Erdenschwere nachgegeben und hängen dem Maestro in die Augen. Mit den Scheinwerfern um die Wette strahlen kann er trotzdem noch.

Volks- und Kirchenmusik

Branduardi rezitiert anfangs (auf Deutsch!) William Butler Yeats „Geiger von Dooney“: „Spiel ich die Geige in Dooney, tanz das Volk wie die Wellen der See.“ Es dauert zwar bis kurz vor den Zugaben, bis das Volk vom Aegi diese Zeilen umsetzt, aber immerhin. In der Zwischenzeit liefert der Musikant Branduardi mit seiner gut gelaunten Band (Antonello D’Urso an den Gitarren, Fabio Valdemarin an den Keyboards, Davide Ragazzoni an den Trommeln und Stefano Olivato an den Bässen) ein Konzentrat der vier Jahrzehnte seiner Arbeit ab, in der er Volks- und Kirchenmusikeinflüsse und Adaptionen aus der halben Welt auf mehr als 50 Alben vermischt hat.

Musikalisch ist der Lauf der Zeit durchaus zu spüren. Branduardi ist immer noch flink mit dem Geigenbogen, aber ebenso, wie er sich jetzt beim Singen manchmal in die Tonhöhe hineintasten muss, muss er das auch mit den Fingern auf dem Griffbrett tun. Dem Frohsinn im Aegi tut das keinen Abbruch. Nur dass diverse Instrumente aus Valdemarins Soundmodulen kommen, stört dann doch manchmal: Man hört den Dudelsack und die Flöten, aber es sind keine da. Doch dann schließt man eben die Augen und träumt von den Sommerabenden von 1977.

Am Schluss steht der ganze Saal. Nur der 38-Jährige in der Reihe hinter der Loge bleibt sitzen. Wahrscheinlich ist er einfach zu jung für so viel Begeisterung.

Nächstes Konzert im Aegi für Fans von Musikern, die im Anflug auf die 70 sind: Klaus Hoffmann am 7. November, 19 Uhr.

Von Bert Strebe

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