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Kulturnachrichten Kunst geht in Emden unter die Haut
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16:50 24.08.2012
Die Berliner Tatoo-Künstlerin Zoe Thorne bei der Arbeit. Quelle: Christoph Riccius
Emden

Eine Szene, wie sie sich in jedem der vielen tausend Tattoo-Studios in Deutschland abspielen könnte. Doch sie findet im Museum statt - in der Kunsthalle Emden. Was Thorne da macht, das ist Kunst - oder besser gesagt Kunstvermittlung.

Dafür hat die Berliner Tattoo-Künstlerin ihr Studio an den eher ungewöhnlichen Ort verlegt. Drei Tage lang sticht sie dort mutigen Kunstfans Franz Marcs "Blaue Fohlen" und andere ausgewählte Motive aus der Sammlung in die Haut. Diese Aktion soll vor allem jüngere Besucher anlocken. Denn diese lassen sich in dem Museum nur selten blicken. Gerade mal fünf Prozent der jährlich 80 000 Besucher sind zwischen 18 und 30 Jahren.

Mehr Alltagskunst neben den bedeutsamen Gemälden von Emil Nolde, Gabriele Münter und Alexej von Jawlensky - das war für Claudia Ohmert der Schlüssel. Also holte die Museumspädagogik-Leiterin in ihr Haus, was junge Menschen interessiert. "Die Beschäftigung mit dem eigenen Körper und die Körpermodifikation sind ein zentraler Aspekt in dem Alter", meint sie. So kamen Thorne und ihr Studio ins Museum. Neuland für beide Seiten.

Zahlreiche Tätowierwillige haben sich in den vergangenen Wochen bei Thorne gemeldet. Neun von ihnen wird sie ein Kunstwerk stechen. Hanno Zwicker ist am Freitag der erste, der sich unter die Nadel legt. Ein Vogel aus einer Kohlezeichnung der Schweizerin Miriam Cahn soll auf seiner Brust entstehen. Er wird in guter Gesellschaft sein. Kurz darunter prangt bereits ein großes Herz, das ein mächtiger Dolch durchstößt. Zwickers linke Schulter ziert ein Seepferdchen. Auf etwa 20 Tattoos kommt er am ganzen Körper.

Und das soll schön sein? Vielleicht nicht für jedermann. Doch genau diese Debatte will auch Claudia Ohmert mit der Tattoo-Aktion anstoßen. Die Besucher sollen einen neuen Blick auf Kunst werfen. Was finde ich so schön, das ich es für immer auf meinem Körper tragen will? Nicht die Aussage eines Werkes steht im Vordergrund, sondern der persönliche Geschmack des Betrachters.

Eins hat die Aktion bereits erreicht: Aufmerksamkeit. Auf Facebook diskutierten die Kunsthallen-Freunde schon Wochen vorher darüber. Darunter waren auch kritische Stimmen - vor allem von Älteren. "Es ist ein Experiment", sagt der wissenschaftliche Direktor Frank Schmidt.

dpa

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