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Kultur Kunstmuseum Wolfsburg präsentiert künftigen Direktor Andreas Beitin
Nachrichten Kultur Kunstmuseum Wolfsburg präsentiert künftigen Direktor Andreas Beitin
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01:15 01.03.2019
Mit neuem Chef zum 25-jährigen Jubiläum – das Kunstmuseum Wolfsburg. Quelle: Foto: Christoph Schmidt/dpa
Wolfsburg

Es ist nicht verboten, eine ,Oil‘-Ausstellung zu machen.“ Diese Worte wären nicht weiter erwähnenswert. Doch weil sie von Otmar Böhmer, dem Geschäftsführer des Kunstmuseums Wolfsburg, ausgesprochen werden, zeigen sich die anwesenden Journalisten zwar amüsiert, zücken aber auch die Stifte und rücken ihre Mikrofone zurecht. Denn dass da in punkto Kunstfreiheit wirklich noch alles geht – das war vielfach in Zweifel gezogen worden, seit dem Museumschef Ralf Beil, der in der Volkswagenstadt für 2019 die Ausstellung „Oil: Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters“ geplant hatte, im Dezember – zumindest von außen betrachtet: recht ruppig - der Stuhl vor die Tür gesetzt worden war.

Eingriffe in die Kunstfreiheit?

Umso gespannter sind die Blicke, die sich nun auf Andreas Beitin richten, der noch das Forum Ludwig in Aachen leitet, im April aber die Nachfolge Beils am Kunstmuseum antritt –und am Dienstag erstmals öffentlich sich und seine Pläne in Wolfsburg präsentiert hat. Unter seiner Leitung wird es dort nun zwar ein etwas anderes Programm geben als noch von Beil geplant. Aber nimmt der Nachfolger damit Eingriffe in die Kunstfreiheit hin, die sein Vorgänger öffentlich kritisiert hat?

Das Programm des Kunstmuseums Wolfsburg

Now is the Time“: Die große Sammlungsschau zum 25-jährigen Bestehen des Kunstmuseums (24. März bis 29. September 2019).

Robin Rhode. Memory is the Weapon“: Digitale Animationen, Performances und Papierarbeiten (29. September 2019 bis 9. Februar 2020).

Ryoji Ikeda“: Klanginstallation des japanisches Sound und Medienkünstler richtet eigens für Wolfsburg eine großformatige Klanginstallation im Kunstmuseum ein (November 2019 bis April 2020).

Light of Politics – Politics of Light“: Künstlerische, politische und soziale Folgen des Einsatzes von Licht nimmt sich diese Schau anhand von Lichtkunstwerken aus der Sammlung und weiteren Werken vor (April bis August 2020).

In aller Munde“: Sprach- und Klangerzeugung, Ästhetik und Medizin der Mundhöhle von der Antike bis zur Gegenwart sind Gegenstand dieser Ausstellung (13. September 2020 bis 21. Februar 2021).

Open Source“: Von Januar 2020 an soll es regelmäßig Einblicke in die Sammlung des Museums geben im Studio im ersten Obergeschoss des Hauses geben.

Beitin ist durchaus über Zweifel erhaben. Der promovierte Kunsthistoriker, Jahrgang 1968, wurde 2017 mit dem renommierten Justus-Bier-Preis für Kuratoren ausgezeichnet, hat 2018 die „Ausstellung des Jahres“ im Ludwig-Forum kuratiert, das zugleich als „Museum des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Er kann eine eindrucksvolle Liste von Publikationen und Ausstellungen vorlegen, hat Skulpturalem und Digitalem ebenso wie Cross- und Multimedialem als Kurator eine Bühne geboten.

Andreas Beitin, zukünftiger Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg. Quelle: Peter Steffen/dpa

Trotzdem müssen sich der designierte Direktor Beitin und Geschäftsführer Böhmer bei der Pressekonferenz kritischen Fragen stellen: Ob es seitens der das Museum tragenden Kunststiftung weiterhin keine Erklärung zum Rauswurf Beils gebe? Dazu, sagt Böhmer, könne er wegen juristischer Auseinandersetzungen mit Ralf Beil derzeit nichts sagen. Ob es ein Zufall sei, dass Andreas Beitin das Kunstmuseum ebenso wie sein Vorgänger stärker für globaler und weibliche Kunst und Künstler öffnen wolle, aber nicht Beils Dreiklang „Globaler, weiblicher, politischer“ wiederhole? Nein, hält Beitin dagegen, politisch und gesellschaftlich engagiert sei auch seine Programmatik. Das werde bei den von ihm kuratierten Ausstellungen klar hervortreten.

Kein Termin für „Oil“

Immerhin, bis zum Frühjahr 2021 ist bereits ein halbes Dutzend Kunstschauen geplant. Allerdings: Für die Ausstellung „Oil: Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters“, die ursprünglich im Herbst 2019 starten sollte, hat man keinen Termin angesetzt. „Wir befinden uns noch in der Abstimmung mit allen Beteiligten“, sagt Beitin dazu. „Zur Eröffnung wird es wohl erst 2021 kommen.“

„Anything goes“? Man wird wohl abwarten müssen, was in Wolfsburg noch alles möglich ist.

Weiterlesen:
Das ausführliche Interview mit Andreas Beitin

Von Daniel Alexander Schacht

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