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Kultur Kunstverein und Stiftung Niedersachsen präsentieren „Strip Jack“
Nachrichten Kultur Kunstverein und Stiftung Niedersachsen präsentieren „Strip Jack“
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01:15 30.11.2018
Durchsichtige Inszenierung: „Strip Jack“ von Rachel von Morgenstern im Künstlerhaus.
Durchsichtige Inszenierung: „Strip Jack“ von Rachel von Morgenstern im Künstlerhaus. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Sie zeigen schrägen Faltenfall oder strenge gefalzte Knicke, sind transparent, leicht und beweglich, buntgescheckt oder monochrom. Sie hängen an Ketten, Stahlbändern oder Kupferrohren über drei Stockwerke hinweg – und so bilden diese breiten Gewebestreifen einen Blickfang vom Keller bis zur zweiten Etage, bis zur lichten Höhe von 16 Metern.

So hoch hinauf geht es auf den Stufen des Künstlerhauses, dessen Treppenhaus seit 2011 in der Reihe „Stufen zur Kunst“ für jeweils ein Jahr künstlerisch gestaltet wird. „Strip Jack“ , heißt dort die Ausstellung der Künstlerin Rachel von Morgenstern, die diesen Titel mit „Strip Poker“ übersetzt. Sind die Gewebe, die entfernt an leichten Seidenstoff erinnern die Hinterlassenschaft einer wilden Pokerrunde in dem altehrwürdigen Gebäude?

Gegen den rechten Winkel

Sicher ist, dass diese Kunst klare Kontrapunkte zum Ausstellungsort setzt. Denn der ist weder transparent noch beweglich, weder bunt noch schräg, sondern ein hoher, weißer Quader, bei dem sich in jeder Stufe wie in den Außenmauern die Herrschaft des rechten Winkels niederschlägt. „Leichtigkeit“, sagt Rachel von Morgenstern, „ist nicht rechtwinklig.“ Weshalb sie ihre Installationen gleichsam gegen das Treppenhaus gesetzt habe. „Denn das hat mit seiner großen Höhe wirklich reizvolle, ätherische Dimensionen, die ich so zum Ausdruck bringen wollte.“ Womit sie die gegebenen Raumgrenzen infragestellt, symbolisch durchbricht, zur Auflösung bringt. Eine Kunst der Transzendenz im Wortsinn also, der Überschreitung vorgegebener Grenzen.

„An den Arbeiten von Rachel von Morgenstern“, sagt Sergey Harutoonian, der Kurator des Kunstvereins, der die Reihe „Stufen zur Kunst“ gemeinsam mit der Stiftung Niedersachsen veranstaltet, „hat uns gerade die spielerische Leichtigkeit fasziniert.“ Dafür ist die 34-Jährige Frankfurterin bekannt, die nach dem Studium in Offenbach und Karlsruhe aus malerischen Anfängen heraus auch zur Grenzgängerin zwischen den Kunstgenres geworden ist. Sie versieht weiterhin Flächen mit Farbe, doch meist mit der Farbrolle oder der Spraydose. Und häufiger als Leinwände setzt sie als Malgrund transparentes Polyester oder, wie bei „Strip Jack“, weitmaschiges Aluminiumgewebe ein und biegt es dann ins Dreidimensionale. „Mich reizt die Transparenz solcher Materialien – am liebsten würde ich noch den Keilrahmen durchsichtig machen.“ Und immer schon habe sie abstrakt gearbeitet. „Das Figurative“, sagt sie, „ist nicht so mein Ding.“ Umso klarer kann sie auf diese Weise Gefühle, Eindrücke, Stimmungen hervorrufen.

Durch- und Einblicke

Das kann spüren, wer sich auf diese offenen Formen einlässt, die eben nicht nur Stoff, sondern auch Betrachtungsstoff sind, der im Treppauf, Treppab des Künstlerhauses neue Durch- und Einblicke gestattet.

„Rachel von Morgenstern: Strip Jack“. Bis 3. November 2019 im Künstlerhaus, Sophienstraße 2. Eröffnung heute um 19 Uhr.

Von Daniel Alexander Schacht

27.11.2018
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