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Kultur Kurt Rosenwinkel zu Gast in der NDR Bigband
Nachrichten Kultur Kurt Rosenwinkel zu Gast in der NDR Bigband
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00:16 20.09.2018
Kurt Rosenwinkel spielt mit der NDR-Bigband. Quelle: Foto: Katrin Kutter
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Hannover

 Die erste seiner Kompositionen, die der US-amerikanische Jazzgitarrist Kurt Rosenwinkel im Kleinen Sendesaal gemeinsam mit der NDR-Bigband spielt, leiht sich ihren Titel aus der bildenden Kunst: „Cubism“ eignet sich bestens für einen Blick auf die Kollaboration zwischen Gast und Band. So wie Malerei und Plastik unterschiedliche Perspektiven nicht nur zuließen, sondern deren Gleichzeitigkeit auch visuell umsetzten, laden sich die musikalischen Akteure gegenseitig in ihre musikalischen Welten ein.

Bandleader Geir Lysne hat sechs Stücke Rosenwinkels für seine Musiker arrangiert, hat deren Länge dabei zum Teil verdoppelt und Raum für die Persönlichkeiten einzelner Solisten wie der des hervorragenden Schlagzeugers Morten Lund geschaffen. Die Bigband-Reihe solcher Studiokonzerte mit Gastmusikern ist noch jung. So ist der Kleine Sendesaal mit 150 Besuchern nicht ausverkauft, die Begeisterung der Anwesenden jedoch spürbar.

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Lysne begreift die Annäherung an seinen prominenten Gast als Herausforderung: „Er schreibt nicht einfach nur ein paar Akkorde und eine Melodie darüber, sondern entwirft komplexe Soundgestaltungen.“ Insofern beschreibt „Cubism“ auch die Herangehensweise Rosenwinkels an Musik generell. Er lasse sich von unterschiedlichsten künstlerischen Positionen und Visionen intuitiv beeinflussen, sagt der Multiinstrumentalist.

Dabei versuche er, wie die Kubisten, seine Sinne unmittelbar einzusetzen und Erfahrungswissen zu umgehen. Er experimentiert mit alternierenden Gitarrenstimmungen und technischen Effekten, um einen eigenständigen elektrischen Klang zu erreichen. Er fügt eingängige Melodien zusammen, in denen seine Jahre als Pianist zu erahnen sind, und spielt in komplexen Metren mit der Zeit.

Bei alldem gelingt es ihm, kleine Geschichten anzudeuten, die durch die Vielstimmigkeit der Band noch gewinnen. „Flute“ zum Beispiel ist ein empathisches Stück über die Flöte, in dem das Instrument kein einziges Mal erklingt – dafür gibt es brillante Soli von Vladyslav Sendecki am Flügel und Claus Stötter am Flügelhorn. Der Komponist genießt die Interpretationen sichtlich. Manchmal spürt er der Multiperspektivik mit geschlossenen Augen nach, langsam nickend, neue Erfahrungen in sich einsaugend.

Beim nächsten Studiokonzert im Kleinen Sendesaal am 15. Dezember um 20 Uhr verabschiedet sich die NDR Bigband von ihrem langjährigen Saxofonisten Christof Lauer, der gemeinsam mit Stefan Lottermann in einem „Konzert für Saxofon und Posaune“ spielen wird.

Von Thomas Kaestle