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Kultur Landesmuseum präsentiert Kunstschätze des Malangan-Kults
Nachrichten Kultur Landesmuseum präsentiert Kunstschätze des Malangan-Kults
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00:15 25.01.2019
Schatzkammer mit Wow-Effekt – die Präsentation der Malangan-Schnitzereien im Landesmuseum. Quelle: Daniel Alexander Schacht
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Hannover

Vielleicht geht es in den nächsten Wochen ja vielen so wie dem kleinen Jungen, der am Sonntag im Obergeschoss des Landesmuseums um die Ecke flitzte, die Schätze im nächsten Raum erblickte – und ein anerkennendes „Cool!“ hören ließ.

Neu im Landesmuseum

Die Anekdote vom Eröffnungstag dieser Präsentation mit Coolness-Effekt erzählt Alexis von Poser, der die Ausstellung „Kunst für den Tod“ eingerichtet und dazu die Exponate kurzerhand nur teilweise ausgepackt hat. Denn dabei handelt es sich um Artefakte, die zwar 90 Jahre alt, aber ganz frisch im Landesmuseum gelandet sind – als Dauerleihgaben des Hiltruper Mutterhauses der Schwestern vom Heiligsten Herzen. Dessen Vertreter waren in Ozeanien lange in christlicher Mission unterwegs, haben aber auch die dort schon vorhandenen Glaubenstraditionen aufgegriffen – und das im Fall des Malangan-Trauerkults auch im Wortsinn, durch einen 1928 vollzogenen Ankauf der aufwendigen Schnitzereien, die dort für Trauerzeremonien angefertigt werden.

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Dem Sterben begegnet dieser Kult nicht mit elegischer Entrückung. Die Malangan-Schnitzereien auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Neuirland zeigen es vielmehr als spektakulären Kampf zwischen Elementen und Prinzipien, zwischen Luft und Wasser, Leben und Tod, Gut und Böse. Letzteres verkörpern dabei riesige, Raubfischen nachgebildete und mit Flügeln versehene Wesen. Für das Gute steht der Lamisiri, ein halbgottartiges Zwischenwesen, das den Fisch zwar mit Speeren durchbohrt, aber bereits in dessen Maul steckt und damit dazu verurteilt ist, mit diesem Luft und Wasser, Leben und Tod transzendierenden Wesen hinabzufahren.

Der Tod als Flug ins wässrige Jenseits – diese Unausweichlichkeit inszenieren die Malangan-Feiern mit weiteren Schnitzereien. Mit den kleinen Tatanua-Masken, die bei Tänzen aufgesetzt werden, und den größeren Matua-Masken, die die Teilnehmer der Zeremonien nur halten. Mit großen Statuen, in deren Kinn Schlangen beißen und die als Wächter bei der Trauerfeier stehen, deren Gäste, genau umgekehrt, Schlangen verzehren. Und mit Friesen, die ineinander verschlungene Tier- und Pflanzenmotive zeigen und durch deren Aussparungen, wie Ethnologie-Kurator von Poser erzählt, bei den Feiern zugleich Jugendliche ihre Initiationsriten erleben. Tod und Leben, Werden und Vergehen bilden damit eine zumindest zeremonielle Einheit. Diese Vielfalt zeigt die Studioschau in rund 30 Exponaten; insgesamt wurden dem Landesmuseum 150 Artefakte und Dokumente überlassen, darunter auch historische Fotos, auf denen man den Schnitzer Kauli neben einer Wächter- und den Schnitzer Matasor neben seinen geflügelten Fischen sehen kann.

Über Zweifel erhaben

„Erfreulich ist an diesem Neuzugang, dass seine Provenienz über jeden Zweifel erhaben ist“, sagt von Poser, der selbst in Melanesien geforscht hat und daher viele Kulte aus eigener Anschauung kennt. „Denn hier handelt es sich um Artefakte, die 1928 aus freien Stücken an Patres des Mutterhauses verkauft worden sind.“ Das wohl auch deshalb, weil diese Schnitzereien nach den Zeremonien meist einfach verrottet sind oder sogar verbrannt wurden und diese Schnitztradition bis heute lebendig ist. Das lässt Alexis von Poser auf Kontakt mit den Schnitzkünstlern der Gegenwart hoffen. „Wir schicken jetzt Fotos dieser Kunstwerke nach Neuirland“, sagt der Kurator. „Und vielleicht können wir ja bald unsere historischen mit den Schnitzereien von heute vergleichen.“

„Kunst für den Tod. Die neuirischen Schnitzwerke aus Hiltrup.“ Bis zum 3. März im Landesmuseum, Willy-Brandt-Allee 5. Kurzführungen mit Kurator Alexis von Poser wird es am 1. Februar und am 22. Februar jeweils um 14 Uhr geben.

 

Von Daniel Alexander Schacht