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00:16 08.03.2019
Francis Fukuyamaim im Gespräch mit Natascha Freundel im Literarischen Salon. Quelle: Jan Richard Heinicke
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Hannover

Vor 30 Jahren wurde der US-Politologe Francis Fukuyama mit seiner These vom „Ende der Geschichte“ weltberühmt. Am Montagabend stellte er im Literarischen Salon der Leibniz-Universität sein neues Buch „Identität“ (Hoffmann und Campe Verlag, 240 Seiten, 24 Euro) vor.

Das „Ende der Geschichte“ bedeutete für Francis Fukuyama 1989 die Erkenntnis, dass die liberale Demokratie das System sei, in dem das Bedürfnis der Menschen nach Anerkennung am besten befriedigt werde. Der Zusammenbruch des Ostblocks war für ihn das deutlichste Anzeichen, dass die Demokratie das Ziel der geschichtlichen Entwicklung sei. Mit dem Begriff Ende, und das machte Fukuyama am Montagabend deutlich, sei aber nie ein Schlusspunkt oder fortwährender Stillstand gemeint gewesen. Eine Rezession sei immer möglich – und genau diese drohe aktuell.

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Minderheiten fühlen sich nicht wahrgenommen

Fukyama sieht die Demokratie dieser Tage stärker gefährdet denn je: Immer mehr Menschen auf der Welt wenden sich antidemokratischen, rechtspopulistschen Strömungen zu. „Es gibt immer mehr Minderheiten, die sich nicht wahrgenommen, nicht respektiert fühlen. Wut und Unmut regieren“, sagt Fukuyama, der Political Science an der Stanford University lehrt. „Thymos“ nennt Fukuyama das Grundbedürfnis des Menschen nach Anerkennung und Stolz. Eben das müsse eine Nation befriedigen können. Es fehle eine „Politik der Würde“, die die Menschen ernst nehme und ihnen eine Identität schenke.

Gemeinsame Werte als nationale Identitätsstifter

Francis Fukuyama "Identität", 240 Seiten, Hoffmann und Campe Verlag, 22 Euro. Quelle: Cover

Diese Identität müsse eine größere Gruppe miteinander verbinden. Gemeinsame Werte, eine gemeinsame Verfassung, die Bedeutung der Rechtsstaatlichkeit sollten die Grundlage dafür sein. Fukuyama zieht dabei eine klare Grenze zum Nationalismus: Ethnische Herkunft und Religion bestimmen nicht, wer zum Volk gehört. „Die Identität muss integrierend sein“, sagt Fukuyama. Mit Blick auf die Migrationsbewegungen der vergangenen Jahre sagt er:„Angela Merkel hätte nie eine offene Einladung an alle aussprechen dürfen. Demokratie kann nicht stabil funktionieren ohne Gemeinschaftsgefühl.“ Es gebe Grenzen in der Fähigkeit, Menschen aus anderen Kulturen aufzunehmen. Ohne Merkels Entscheidung, glaubt Fukuyama, gäbe es heute keine AfD.

So sieht der US-Politologe die größte Gefahr für die Demokratie ausdrücklich in den rechtspopulistischen Bewegungen, die zu viele Menschen, die nach Anerkennung suchen, abholen. Der Wahlsieg Donald Trumps sei ein Indiz für eine neue Art von Bedrohung: „Auf einmal können populistische Herrscher von innen heraus die Grundfesten der Demokratie angreifen.“ Angefangen bei der Pressefreiheit bis hin zur Gewaltenteilung. „Und das, weil Angst und Zorn eine starke Antriebskraft haben.“

Die Geschichte ist noch nicht am Ende

Am Ende des Abends und einer intensiven Diskussion mit dem Publikum steht die Frage: Wie lässt sich gegen Rechte vorgehen? „Verständnis“ antwortet Fukuyama. Verständnis und ein Bewusstsein für die Gründe, die Menschen Rechtspopulisten wählen lassen. Die Nation müsse Minderheiten wahrnehmen und wirtschaftliche Ungleichheiten, die die Globalisierung weltweit ausgelöst habe, auffangen. „Und niemand sollte die Gesellschaft abschließen.“ Sie solle offen für jeden sein, der sich zu den gemeinsamen Werten, der nationalen Identität bekennen möchte. Der Weg ist weit, weiß Fukuyama. Denn: „Wir sind noch nicht am Ende der Geschichte.“

Von Carina Bahl

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