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Kultur Miriam Toews stellt „Die Aussprache“ in Hannover vor
Nachrichten Kultur Miriam Toews stellt „Die Aussprache“ in Hannover vor
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17:54 25.03.2019
Miriam Toews. Quelle: Più libri
Hannover

 In einer Gemeinde von Mennoniten in Bolivien geschieht das Unvorstellbare: Mehrere Frauen und kleine Kinder werden regelmäßig von den Männern der Gemeinschaft nachts mit Tiernarkotika betäubt und brutal vergewaltigt. Während die Männer kurze Zeit später vor Gericht stehen, aber auf Kaution frei kommen sollen, müssen die Frauen innerhalb von zwei Tagen die wichtigste Entscheidung ihres Lebens treffen: Sollen sie der Gemeinschaft wegen bleiben und ihren Peinigern vergeben? Oder sollen sie gehen – in die Ungewissheit, in eine Welt fernab der Männer-Herrschaft? Dann aber müssen sie sich endgültig fragen, wer sie eigentlich sind.

Der Roman „Die Aussprache“ von Miriam Toews (Hoffmann und Campe, 256 Seiten, 22 Euro) ist ein Protokoll jener zwei Tage. In Zeiten von #metoo-Debatten und der Frage nach Gendergerechtigkeit könnte das Thema kaum aktueller sein. In einem Umfeld, in dem Autorität Humanität unterdrückt, in dem die fundamentalistische Auslegung der Bibel Frauen die Rechte nimmt, und doch nur ein starkes Kollektiv das gemeinsame Überleben sichert, stellen sich grundlegende Fragen des menschlichen Seins – nach Moral, Liebe, Gerechtigkeit, Loyalität und den Möglichkeiten des Verzeihens.

Fiktiver Erzähler ist ein Mann – und führt Protokoll

"Die Aussprache" von Miriam Toews, Hoffmann und Campe Verlag, 256 Seiten, 22 Euro. Quelle: Hoffmann und Campe

Miriam Toews gibt in ihrem Roman jenen Frauen eine Stimme, die sie sonst nie erheben dürfen. Da es sich bei den Mennoniten-Frauen um Analphabetinnen handelt, lässt sie einen männlichen Erzähler Protokoll der heimlichen Gespräche auf einem Heuboden verfassen. Einerseits nimmt das den Berichten und Diskussionen die Wertung, schenkt dem Erlebten ein Gefühl von unvermittelter Wiedergabe. Andererseits übernimmt der fiktive Protokollant – einst ausgestoßener Mennonit und nun zurück in der Gemeinschaft – eine einordnende Instanz. Er kennt die Welt außerhalb der Gemeinschaft. Das, was für die Frauen die bedrohliche Ungewissheit darstellt, bedeutete für ihn einst Heimat. Ein Schicksal teilt der Protokollant mit den Frauen: Auch er ist Unterdrückter der männlichen Mennoniten-Herrschaft, kann sich in der Gemeinschaft nicht behaupten.

Es ist ein kraftvolles und dennoch erschreckend ruhiges Werk, das die kanadische Autorin ihrem Leser zumutet. Die Brutalität der Taten ist das Eine. Doch viel schwerer lastet die Erkenntnis, dass die Flucht aus der Unterdrückung und Misshandlung nicht der selbstverständliche Weg für diese Frauen sein kann. Die acht Protagonistinnen sind Mütter, Großmütter, Jugendliche – jede von ihnen charakterisiert eine andere Stärke, hat eine andere Perspektive auf ihr eigenes Schicksal. Es dauert 48 Stunden bis zur gemeinsamen Entscheidung. Und Toews schafft es, den Leser in jeder Stunde einen neuen Einblick in eine sonst geschlossene Welt zu verschaffen. Ein Einblick, der so exklusiv und exorbitant wirkt, und am Ende doch eine zeitlose Allgemeingültigkeit gebärt.

Miriam Toews wurde 1964 in Steinbach/Manitoba geboren, studierte Filmwissenschaften und Journalismus und wurde 2004 mit ihrem Roman „Ein komplizierter Akt der Liebe“ international bekannt. Am Mittwoch, 27. März, ist die Autorin zu Gast im Literarischen Salon der Leibniz-Universität (Conti-Hochhaus), Königsworther Platz 1. Ab 20 Uhr wird sie dort im Gespräch mit der Professorin Ruth Mayer ihren Roman „Die Aussprache“ vorstellen. Der Eintritt kostet 10 Euro. Die Veranstaltung wird simultan übersetzt.

Von Carina Bahl

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