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09:54 16.11.2018
Comedian Mario Barth. Quelle: Schmidt/dpa
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Hannover

Am Sonnabend spielt Komiker Mario Barth in der Tui-Arena sein neues Programm „Männer sind faul, sagen die Frauen“. Seit 19 Jahren ist er auf den Bühnen des Landes unterwegs. Im Interview spricht er über seinen Berliner Dialekt, über Starallüren und darüber, wie sich Kritiker in seinen Augen verändert haben.

Sie touren regelmäßig mit Ihren Shows durch die Hallen Deutschlands. 800.000 Fans haben Sie auf Ihrer letzten Tour erlebt. Finden Sie sich selbst eigentlich lustig?

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Ob ich mich selber lustig finde? Total.

Den größten Beifall bekommen Sie, für Ihre Anekdoten über die Fehlkommunikation zwischen Frauen und Männern. „Frauen sind da, um geliebt, nicht um verstanden zu werden“, sagte schon Oscar Wilde. Würden Sie dem zustimmen?

Siehste, das wusste ich gar nicht, dass das von Oscar Wilde kommt. Das hab ich auch mal gesagt, weil ich das bestimmt irgendwo gehört habe. Und er hat damit Recht. Es ist nicht die Aufgabe, immer alles zu verstehen. Ich muss doch gar nicht wissen, warum meine Freundin so viel Freude hat, wenn die shoppen geht. Oder warum Männer das stresst. Es ist nachgewiesen, dass Männer beim Shoppen mit ihrer Frau dem selben Stress unterliegen, wie ein Kampfpilot unter Beschuss. Das ist irre. Und warum ist das so? Das interessiert mich gar nicht. Denn aufgrund dessen, dass ich eine glückliche Beziehung habe, ganz nach dem Motto „Happy wife, happy life“, soll sie einkaufen gehen, und ich bleibe zu Hause. Verstehen muss ich ihre Freude daran ja nicht.

Ich bin erstaunt, dass Sie gar nicht so doll berlienern wie auf der Bühne. Können Sie auch richtig Hochdeutsch?

Natürlich kann ich Hochdeutsch. Das musste ich sogar lernen, als ich damals bei Siemens als Kommunikationselektroniker gearbeitet habe. Da wollte Siemens unbedingt, dass ich Hochdeutsch spreche, weil die Kunden nicht begrüßt werden sollten mit: „Tachchen, ick bin Mario Barth von de Firma Siemens. Ick soll hier be Ihnen die Telefonanlaje jontrollieren, wa“. Aufgrund dessen, dass die ein Weltunternehmen sind, haben die viel Wert darauf gelegt. Berlinerisch wurde sogar abgemahnt.

Also mussten Sie sich Berlinerisch abgewöhnen und Hochdeutsch lernen?

Nein, ich wurde hochdeutsch erzogen. Meine Mutter kommt aus Bayern und mein Vater aus Baden-Würtemberg. Und ich war auf einer privaten katholischen Schule, da wurde auch nicht berlinert. Ich fing damit eigentlich erst richtig an, seit ich auf der Bühne stehe. Ich bin ein großer Freund von Dialekt.

Apropos Berliner Schnauze: Gibt es Momente, in denen Sie nichts hätten sagen sollen und es trotzdem getan haben?

Bei mir ist das schon lange her. Weil, bei mir ist das ja so: Ich bin ja so berühmt, dass die Leute, wenn ich irgendwo bin und sie anschroffe in meiner Berliner Art, das lustig finden.

Gibt es eine Anekdote, die Sie schon immer mal erzählen wollten, die aber nie ins Programm gepasst hat?

Ich hatte immer die Freiheit, dass ich alles erzählen durfte. Da habe ich mit RTL Glück gehabt. Und natürlich auch auf der Bühne. Das ist ja das Schöne an Liveauftritten. Da kannst du sagen, was du willst. Es gibt nichts, wo ich sage: Mann, ich will das unbedingt mal erzählen, aber keiner hört mir zu. Das hatte ich noch nicht. Ich konnte immer alles erzählen, was ich erzählen wollte.

Also gibt es auch keine Tabuthemen auf der Bühne?

Doch klar. Es gibt so Themen, die würde ich auf der Bühne nicht ansprechen: Politik und so. Das passt nicht zu mir. Das will mein Zuschauer nicht hören. Das hört der den ganzen Tag schon, davon ist er müde, und das kann er nicht mehr hören. Wenn ich jetzt auf der Bühne anfangen würde: „Ja hier CDU und SPD“, dann, glaube ich, würden die Leute einschlafen. Ich bin der Meinung: Jeder hat seinen Job. Ich vergleiche das immer mit Musik: Wenn du zu André Rieu gehst, dann kannst du sagen: Mensch, wenig Schlagzeug. Wenn du zu AC/DC gehst, dann kannst du sagen: wenig Geige. Wenn du Geige hören willst, dann musst du eben zu André Rieu, wenn du Rock hören willst, musst du zu AC/DC, und wenn du Volksmusik hören willst, dann musst du zu Andreas Gabalier gehen. Jeder hat seine Daseinsberechtigung, und jeder ist in seinem Metier ein absoluter Profi, super erfolgreich und toll.

Ist es auch das, was Ihre Kritiker nicht verstehen?

Ich glaube, dass ein Kritiker ja so heißt, wie er heißt, weil er Kritiker ist. Der kritisiert auch im Sommer, dass es so warm ist und im Winter, dass es zu kalt ist. Dafür ist der ja Kritiker. Ich glaube, dass sich der Beruf des Kritikers verändert hat im Gegensatz zu den Achtzigern. Heute hat man den Eindruck, dass die gar nicht mehr kritisieren sondern eher meckern und zerstören. Aber vielleicht empfinde ich das auch nur so, weil ich in den Achtzigern jünger war und mir das egal war, was die Kritiker geschrieben haben. Oder weil ich das auch nicht gelesen habe.

Kritik hin oder her – Sie füllen bei jeder Tour die Hallen in Deutschland. Wie kommt man nach einem Auftritt vor Tausenden Zuschauern wieder runter?

Meiner Freundin ist es egal, ob ich ein Superstar bin. Wenn der Müll runter getragen werden muss, dann muss der Müll runter getragen werden. Das kann ich nicht sagen: „Ich bin ein Superstar.“ Da sagt sie höchstens: „Ich klatsche auch gerne, wenn du den Müll runter trägst, tschüss.“ Also: Wenn du ein normales Leben hast, und ich hab ja eine tolle Familie und alles, dann ist das der Schlüssel dessen, was einen auf dem Boden lässt. Ich gehe ja auch nicht an die Currywurstbude und sage: „Platz.“ Sondern ich stelle mich dann an, so, wie jeder Mensch sich anstellt. Und ich glaube, das verhindert, dass man völlig durchdreht. Und spätestens wenn du ein Zahnproblem hast und zum Zahnarzt musst, und der bohrt dir ein Loch, spätestens dann weißt du, dass es auch deinem Körper scheißegal ist, ob du ein Superstar bist. Du hast trotzdem Schmerzen.

So viele Leute wie im Olympiastadion kriegen wir in Hannover nicht unter. Aber wie finden Sie Hannover so?

Jetzt sage ich mal was, von dem man glaubt, das sage ich vielleicht in jeder Stadt, aber: Aber Hannover und ich, wir beide haben eine Freundschaft, die schon seit knapp 20 Jahren herrscht. Ich habe ganz früher schon in Hannover gespielt, und das Capitol wurde abends noch zu einer Disco umgebaut und so. Und das Ding war immer voll. Die Stimmung war immer sensationell. Man sagt ja immer, Hannover ist eher ruhig. Überhaupt nicht, das kann ich null unterschreiben. Weil: immer volle Hütte, immer Vollgas, immer gute Laune und immer coole Leute. Das ist auch der Grund, warum wir uns dafür entschieden haben, die nächste DVD, am vierten Mai ist das, in Hannover aufzeichnen. Ich finde Hannover immer geil. Kann ich nicht anders sagen.

Info: Am Sonnabend (17. November) ist Mario Barth mit seinem Programm „Männer sind faul, sagen die Frauen“ live in der Tui-Arena zu erleben. Karten gibt es in den HAZ-Ticketshops und auf tickets.haz.de und kosten zwischen rund 40 und 60 Euro. Für die Zusatzshow samt DVD-Aufnahme am 4. Mai im Expo-Plaza gibt es ebenfalls noch Tickets. Diese kosten zwischen 35 und 60 Euro.

Zur Person

Mario Barth bringt seit 2003 alle drei Jahre ein neues Liveprogramm auf die Bühne. Der 1972 in Berlin geborene Komiker tourt mit seiner sechsten Show – „Männer sind faul, sagen die Frauen“ – durch die großen Hallen Deutschlands – am Sonnabend in Hannovers Tui-Arena. Barth präsentiert auch im TV populäre Shows wie „Willkommen bei Mario Barth“ oder „Mario deckt auf“. Er hat mehrmals den Deutschen Comedypreis gewonnen, unter anderem als erfolgreichster Liveact.

Von Lisa Neugebauer

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