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Kultur Hannoversche Orchestervereinigung im NDR
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11:49 11.11.2018
Die Hannoversche Orchestervereinigung im großen Sendesaal des NDR.
Die Hannoversche Orchestervereinigung im großen Sendesaal des NDR. Quelle: Heinke
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Hannover

Zwei Stunden war die Hannoversche Orchestervereinigung beim Konzert im großen Sendesaal des NDR ihrem Dirigenten Martin Lill gefolgt. Dann aber verweigerten die Musiker ihm den Gehorsam. Beim Beifall blieben sie einfach sitzen und vereinten sich mit dem Beifallsovationen des Publikums. Und das zu Recht. Denn mit dem Dirigat von Peter Tschaikowskys 5. Sinfonie hatte der HOV-Maestro eine Meisterleistung hingelegt.

Frei musizierend, dabei nie die Kontrolle verlierend, dem Orchester zugewandt, führte er das riesige Laienensemble zu einer beachtlichen Interpretation dieser schicksalsschweren Sinfonie. Erstaunlich, auf welch gutes spielerisches Potential er dabei zurückgreifen kann. Auffallend waren die Holzbläser-Soli und das Hornsolo im langsamen Satz. Das Blechregister brach immer wieder mit zerschmetternder Klanggewalt in das orchestrale Geschehen ein. Und der Riesenschwarm der Streicher vereinte sich zu einem satt klingenden Saitenspiel. Alles zeugte von fleißiger intensiver Probenarbeit, bei der nicht nur die spieltechnischen Tücken bewältigt wurden. Das Orchester ließ auch die persönliche Zerrissenheit spüren, die Tschaikowsky in diesem Werk auf bestürzende Weise thematisierte.

Das Tripelkonzert von Ludwig van Beethoven hinterließ dagegen einen etwas zwiespältigen Eindruck. Mit der Geigerin Friederike Starkloff, dem Cellisten Leonid Gorokhov und dem Pianisten Gerrit Zitterbart standen zwar drei profilierte Künstler auf dem Podium. Es gab aber eine klangliche Diskrepanz. Der Pianist spielte auf dem Nachbau eines Hammerklaviers aus der Beethovenzeit. Sicher interessant. Aber dessen spezielles Klangbild wollte nicht recht zur handfesten modernen Spielweise der beiden anderen Solisten und des Orchesters passen. So blieb das Instrument über weite Strecken ungehört. Das war schade. Denn in den orchestral durchsichtig instrumentierten Takten hörte man, wie schön das Trio miteinander und mit dem Orchester kooperierte. So galt der jubelnde Beifall vor allem dem beseelten kammermusikalischen Spiel des Klaviertrios in dieser kompositorisch ungewöhnlichen Sinfonia Concertante Beethovens.

Das nächste Konzert der Hannoverschen Orchestervereinigung ist am 18. Mai um 20 Uhr im großen Sendesaal des NDR.

Von Claus-Ulrich Heinke