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Kultur Festival zeigt Geschichten aus Hannover
Nachrichten Kultur Festival zeigt Geschichten aus Hannover
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16:11 07.01.2019
Martine Dennewald, künstlerische Leiterin des Festivals Theaterformen. Quelle: Katrin Ribbe
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Hannover

2019 kommen die Theaterformen wieder nach Hannover. Das Festival, das jährlich wechselnd mal in Braunschweig und mal in Hannover stattfindet, droht manchmal (wenn es gerade wieder in der jeweils anderen Stadt gastiert) ein wenig in Vergessenheit zu geraten. Aber wenn es dann wieder da ist, freut man sich. Denn die Theaterformen bringen anderes und aufregendes zeitgenössisches Theater nach Niedersachsen. Und das schon seit 28 Jahren.

Martine Dennewald, die künstlerische Leiterin des Festivals, setzt sich und ihrem Team für jedes Jahr ein besonderes Thema. Im vergangenen Jahr standen in Braunschweig die koloniale Vergangenheit und die postkoloniale Gegenwart im Zentrum vieler Produktionen, in der vorangegangenen Ausgabe hatte die Intendantin ausschließlich Arbeiten von Regisseurinnen eingeladen.

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Für die nächste Ausgabe des Festivals, die vom 20. bis 30. Juni 2019 in Hannover stattfindet, plant sie wieder etwas Besonderes. Das Festival soll viel mit dem Ort zu tun haben, an dem es stattfindet. Martine Dennewald hat Theatermacher aus Buenos Aires, New York, Sheffield, Kairo, Melbourne und St. Petersburg eingeladen, die in Hannover Produktionen für Hannover entwickeln werden. Auf Englisch hat Dennewald das Thema des nächsten Festivals schon parat: „Entangled history“. Nach einer griffigen deutschen Übersetzung sucht sie noch: „miteinander verschränkte Geschichte(n)“ trifft es zwar, wäre aber wohl zu sperrig.

Das Programm der neuen Theaterformen-Ausgabe wird Ende April bekannt gegeben, dann beginnt auch der Vorverkauf. Die 20. Ausgabe des Theaterformen wird die vorletzte sein, die Martine Dennewald leitet. Seit September 2014 ist sie künstlerische Leiterin des Festivals. Vor zwei Jahren wurde ihr Vertrag verlängert, aber nach der Ausgabe 2020 in Braunschweig will sie die Leitung der Theaterformen abgeben. Was dann kommt, weiß sie noch nicht. Aber sie weiß, was sie nicht will: einen schleichenden Abschied, wie ihn manche Intendanten pflegen, die während ihres Abschiedsjahres anderswo bereits mit einem neuen Projekt begonnen haben. Deshalb zögert sie mit Gesprächen über neue Aufgaben.

Das Programm für das Festival 2019 in Hannover ist so gut wie fertig, jetzt arbeitet sie schon an ihrem Abschiedsfestival 2020 in Braunschweig. Das Thema verrät sie noch nicht, nur so viel: „Für das Festival 2020 haben wir uns etwas ausgedacht, was allen viel Freude machen wird.“

Die anderen Geschichten aus Hannover

Beim nächsten Festival in Hannover soll es in die Vergangenheit der Stadt gehen. Auf die Idee, der Lokalgeschichte nachzuforschen, kam Martine Dennewald beim Besuch eines Theaterfestivals in Buenos Aires. Dort hat sie „La Velocidad de la Luz“ (Die Geschwindigkeit des Lichtes) von Marco Canale gesehen. In diesem Projekt sind die Zuschauer bei Menschen der Stadt zu Gast, die ihre Geschichte erzählen. Der Regisseur ist gerade dabei, sein Projekt in Hannover vorzubereiten. 70 Akteurinnen und Akteure hat er schon zusammen, ein Seniorenchor wird eine Rolle spielen, eine ehemalige Tänzerin der Staatsoper wird sich um choreografische Elemente kümmern.

Wichtig ist es Martine Dennewald, andere Geschichten von Hannover zu erzählen, als die, die über die Plakates des Stadtmarketings erzählt werden. Marco Canale wird in seiner Produktion vor allem Geschichten von Menschen erzählen, deren Familien aus anderen Ländern nach Hannover gekommen sind. „Wir wollen unser Publikum nicht immer nur aus dem Abonnentenkreis des städtischen Schauspiels generieren“, sagt Martine Dennewald. Mit den Produktionen, die anders und neu von Hannover erzählen, will sie besonders jene Menschen in der Stadt erreichen, „die nicht mit ihren Eltern regelmäßig das Weihnachtsmärchen im Schauspiel besucht haben.“

Ein derartiger Versuch der Öffnung wiederum könnte auch ein kleiner Beitrag dazu sein, Hannovers Bewerbung als Kulturhauptstadt 2025 ein Stückchen voranzubringen.

Anlässlich der Programmveröffentlichung soll am 26. April 2019 in der Cumberlandschen Galerie eine Release-Party zum Einstimmen auf das Festival gefeiert werden, das vom 20. bis 30. Juni in Hannover laufen wird.

Von Ronald Meyer-Arlt

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