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Kultur Intime Momente: Michael Bublé in der Tui-Arena
Nachrichten Kultur

Michael Bublé in der Tui-Arena in Hannover: Intime Momente

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11:46 30.10.2019
Schmachtend: Michael Bublé in Hannover. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Kann es sich in einer Halle mit 9000 Besuchern annähernd so intim anfühlen wie in einem kleinen Club? Wenn Michael Bublé auf der Bühne steht, schon.

Das Motto seiner aktuellen Tour lautet „Ein Abend mit Michael Bublé“ – das ist einerseits ein Kniff, um das bereits ein Jahr alte Album „Love“ zu vermarkten, andererseits ist es aber auch ein Versprechen. Es soll ein Abend mit Schmusesongs und Swing werden, ein Abend zum Lieben, Lachen, Tanzen.

Der Kanadier, der Größen wie Dean Martin, Frank Sinatra und Ella Fitzgerald als seine Helden bezeichnet, trägt die Uniform des charmanten Crooners – Lackschuhe, dunkelblauer Anzug, weißes Hemd, dunkler Schlips und weiße Nelke im Knopfloch – und kommt mit einer mehr als 30-köpfigen Bigband daher. Die startet mit einer Klangkulisse, die jedem James-Bond-Film gut zu Gesicht stünde.

Ganz nah dabei

Auch das Bühnenbild zieht alle Register: Ein Display, das wie ein gigantischer Gong aussieht, mal hinter Bublé steht und zum blutroten Mond wird, mal unter der Decke hängt und sich in einen Sternenhimmel verwandelt. Meist aber zeigt es Bublé und seine Band in Aktion. Denn egal wie intim die Stimmung ist – in der nahezu ausverkauften Tui-Arena sollen schließlich auch die Gäste auf den Rängen ganz nah dabei sein.

Riesenshow mit intimer Stimmung: Michael Bublé in Hannover Quelle: Michael Wallmüller

Bublé fühlt sich zuhause – in Deutschland

Zu Deutschland hat Bublé eine besondere Beziehung, wie er sagt. Vor 16 Jahren war er in Deutschland, um seine Karriere anzukurbeln. Die schien trotz seines offensichtlichen Gesangstalents nicht so richtig in Gang zu kommen. In Deutschland aber habe man ihn von Anfang an als Künstler angenommen. Daher sei dies „sein Lieblingsland“ und, als ob das nicht schon reichen würde als Liebeserklärung, fügt er hinzu: „Thank God, I’m home.“

So fühlt er sich in den folgenden mehr als zwei Stunden sichtlich zu Hause. Und Bublé ist in Plauderlaune. Er berichtet vom Versuch, seiner Familie – er ist mit dem argentinischen Model Luisana Lopilato verheiratet, mit der er drei Kinder hat – Hannovers Sehenswürdigkeiten näher zu bringen. Aber statt im Herrenhäuser Schloss landet er mit ihnen beim Shoppen.

Einladung an Imbissverkäuferinnen

Nach drei Stunden habe er es dann doch noch geschafft, seiner Frau und den Kindern wenigstens etwas Kultur zu vermitteln: Es gab Brat- und Currywurst. Übrigens hätten ihn die Bedienungen der legendären Würstchenbude nahe dem Steintor erkannt – also habe er sie kurzerhand zum Konzert eingeladen. Wie es sich gehört, wenn ein Weltstar zum Tanz bittet, sind sie vollzählig erschienen.

Unterstützung vom Großvater

Zwischen den von Bublé neuinterpretierten Klassikern wie „My Funny Valentine“, „When I Fall in Love“ und „Just a Gigolo“ erzählt der Sänger aus seinem Leben: Wie er als 16-Jähriger in kleinen Clubs vor Publikum aufgetreten sei, das sicher nicht dafür bezahlt hatte, ausgerechnet ihn zu sehen. Diese ersten Gigs verdankte er seinem italienischem Großvater Demetrio, der seine Dienste als Klempner im Tausch für eine Auftrittsmöglichkeit für seinen Enkel anbot.

Michael Bublé in Hannover. Quelle: Michael Wallmüller

Heute bespielt Bublé die größten Arenen, hat Millionen Tonträger und Konzertkarten verkauft und vier Grammys gewonnen. Sein Großvater habe immer an ihn geglaubt, sagt der Sänger, bevor er die ganze Arena scheinbar umarmt und zum Twist auffordert. Mit spielerischer Leichtigkeit und Witz schafft es Bublé tatsächlich, dass selbst die größten Tanzmuffel plötzlich stehen und Hüften und Knie kreisen lassen.

Ein Fan darf auf die Bühne – und singt

Als Bublé einen Mann mit einem Plakat erblickt, der gern mit dem Kanadier singen würde, lädt er ihn auf die Bühne ein. Der aus Vlotho stammende Fan namens FrankBublé nennt ihn sofort „Frank the Tank“ – bekommt das Mikro und darf „New York, New York“ singen. Bublé zeigt sich beeindruckt, als sein Spontangast auch die hohen Noten sicher trifft. Nach dem Intermezzo, das die Arena vor Applaus erzittern lässt, resümiert Bublé: „Man weiß nie, was passieren wird. Wer hätte das gedacht?“ Ob er nur die Gesangseinlage oder gar das Leben meint, bleibt sein Geheimnis.

Kurz vor Schluss bedankt sich Bublé bei seinem Publikum für die Unterstützung, die ihm und seiner Familie in den vergangenen Jahren durch so manche schwere, scheinbar unüberwindbare Stunde geholfen habe. Er spricht es nicht direkt an, aber die Fans wissen, dass er die Leberkrebserkrankung seines Sohns Noah meint. Zum Abschied intoniert er „Always On My Mind“ und verspricht, nicht wieder zehn Jahre bis zum nächsten Konzert verstreichen zu lassen. Wer dieses Konzert erlebt hat, weiß, dass Michael Bublé seine Versprechen hält.

Michael Bublé in Hannover: Der Auftritt in Bildern:

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