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00:15 12.11.2017
Lupus, Tiger, Dragon: So nennen sich die Musiker von Kadavar. Quelle: Frank Wilde
Hannover

 Sie nennen sich Tiger, Dragon und Lupus. Und tatsächlich ist es eine ziemlich haarige Angelegenheit, die die drei Herren der Berliner Band Kadavar da bieten. Mit ihren Frisuren und Bärten fallen sie wohl selbst in der Hipster-Hauptstadt auf. Wie Tiger, Drache oder Wolf sehen sie dennoch nicht aus. Reine Pose also. Immerhin scheinen die drei Musiker aber wie Tiere zu arbeiten. In den vergangenen fünf Jahren haben sie vier Platten eingespielt. Sie sind damit in den Charts gelandet, haben sich ihr eigenes Studio gebaut und touren gerade als Headliner quer durch Europa. Kadavar sind soetwas wie die deutsche Hardrock-Band der Stunde. 

Frenetisch bearbeiten die Musiker von Kadavar ihre Instrumente. Blickfang ist der Schlagzeuger.

Echte Berliner sind die drei Musiker jedoch nicht. Sie sind zugereist, in Berlin haben sie sich getroffen und ihre Band gegründet. Sie loben gerne die Bedeutung des Kreativgeistes der Stadt – und da sind wir beim Thema. Ist das eigentlich kreativ, was Kadavar tut? Oder ist es dreister Kreativklau? 90 Minuten steht die Band im Capitol in Hannover auf der Bühne, 90 Minuten Space-Rock wie man ihn selten gehört hat seit den Siebzigerjahren. Mit Kadavar ist die Retrowelle im harten Rock auch in Deutschland angekommen. Ihre Vorbilder sind klar auszumachen: Led Zeppelin, wenn es etwas bluesiger zugehen soll, Hawkwind, wenn die Songs ausufern – und vor allem Black Sabbath. Songs wie „Black Sun“ hätten Ozzy Osbourne und Co. bestimmt gerne genommen.

Drummer Tiger dirigiert

Auf der Bühne betonen Kadavar jedoch ihre psychedelische Seite. Die Stimme von Gitarrist und Sänger Christoph „Lupus“ Lindemann hat so viel Hall –sie scheint von irgendwo hinter dem Mond zu kommen. Seine Gitarre bearbeitet er genauso frenetisch wie Schlagzeuger Christoph „Tiger“ Bartelt seine Trommeln. Überhaupt steht der Drummer im Zentrum der Show. Sein Podest wurde an den Bühnenrand geschoben, von dort scheint er die Show regelrecht zu dirigieren. Seine Haare fliegen, während er weit zum nächsten Schlag auf die Trommeln ausholt. Etwas irre sieht das schon aus, wie er mit hochgerecktem Kopf herausfordernd ins Publikum starrt. Die knapp 700 Fans im Capitol lassen sich gerne davon hinreißen, sind aber auch weit davon entfernt, so entfesselt auszuflippen wie die Musiker auf der Bühne.

Diese haben gerade ihr vielleicht stärkstes Album veröffentlicht. Es klingt härter, eingängiger, moderner als ihre bisherigen Platten. Und es scheint politischer zu sein. Von Fake News ist da einmal die Rede, von Lügen und Betrug, von sozialen Medien und Selbstdarstellung. Nur steht da auch immer ein großes Irgendwie. Irgendwie scheint die Welt nicht in Ordnung zu sein. „Rough Times“ so heißt der Titelsong, und auch die Show beginnt damit. Nur was genau an den Zeiten so rau ist, das bleibt im Ungefähren. „Die, Baby, Die“ wünscht Sänger Lupus im gleichnamigen Titel etwas später. Es wird schon den Richtigen treffen.

„Die, Baby, Die“ geht ins Ohr

Der Song gehört zum Besten, was Kadavar bisher komponiert haben. Kurz, bissig mit einem griffigen Ohrwurmrefrain erschließt er der Band ungewohntes Popterrain. Auch die energische Effekte-Orgie „Tribulation Nation“ geht ins Ohr, „Into the Wormhole“ schleppt sich dagegen schwer und zäh, aber nicht minder beeindruckend durch die Boxen. Zum Schluss grüßen Kadavar noch Simon & Garfunkel: „Hello Darkness, my old Friend. I wanna talk to you again“ singt Lupus in dem Song „Come back Life“ – so wie das Popduo damals in „Sounds of Silence“. Nur dass bei Kadavar Gitarre und Bass lauter dröhnen und das Schlagzeug einen energischen Beat vorgibt.

Soll man die Band jetzt dafür kritisieren, dass sie ziemlich genau das tut, was andere schon vor mehr als 45 Jahren erledigt haben? Was soll’s – schließlich gab es schon zahlreihe andere Black Sabbath-Epigonen. 1979 etwa gründete sich in Los Angeles eine Band, die sich Saint Vitus nannte. Vor nicht einmal einem Monat trat sie in Hannover in der Glocksee auf. Der Gitarrist kam auf Krücken, und doch machten sie die rund 200 Fans glücklich. Mal sehen, ob Kadavar auch so lange durchhalten.

Von Ralf Heußinger

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