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Musik So war Peter Heppner im Musikzentrum
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10:15 03.12.2018
Eine Stimme, die beeindruckt: Peter Heppner begeistert im Musikzentrum.
Eine Stimme, die beeindruckt: Peter Heppner begeistert im Musikzentrum. Quelle: Foto: Heidrich
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Hannover

 Ein eher kleingewachsener Mann in einem zu groß anmutenden Hemd betritt die dunkle Bühne des Musikzentrums. Unter dem Arm trägt er einen Aktenordner. Vor einem Mikrofonständer legt er die Akte auf einen Pult und schlägt sie auf. Die Show von Peter Heppner kann beginnen.

Aber Show ist am Donnerstagabend schon ein großes Wort: Peter Heppner ist der Friedrich Merz der Livekonzerte. Was der Politiker mit der Steuererklärung vor hat, schafft der Musiker mühelos. Mit einzelnen Tanzschritten braucht er nur wenig mehr Fläche als einen Bierdeckel. Vielmehr hält sich der Sänger an seine Mikrofonständer fest und rezitiert die Texte aus seiner geöffneten Zettelsammlung. Dann wird die Seite umgeblättert. Der nächste Song beginnt.

Immer im Kontakt zu seinem Mikrofonständer: Peter Heppner im Musikzentrum Quelle: Foto: Heidrich

Auch Hits seiner früheren Band Wolfsheim finden sich im Programm wieder. „The Sparrows an the Nightingales“ gehört auf vielen Parties zum Pflichtprogramm. Im Musikzentrum ebenso. Aber auch „Künstliche Welten“ oder „Once in a Lifetime“ stammen aus dem Repertoire der Band die sich nach einem Rechtsstreit 2007 getrennt hat. Schon früher hatte Peter Heppner mit Soloprojekten begonnen. Der wohl größte Hit „Die Flut“ mit Joachim Witt feiert 2018 sein 20-Jähriges. Grund genug für ein neuen Song mit der Frage „Was bleibt?“ und gleich zwei neuer Alben „Confessions & Doubts“ und „TanzZwang“.

Nach einer zweijährigen Pause, in der ihn eine Herzdisposition außer Gefecht gesetzt hat, hatte Peter Heppner Ideen für rund 30 Songs. „Und die waren alle geil“, begründete er die Doppelveröffentlichung in einem Interview. Viel Stoff für die Konzerte der aktuellen Tour.

Dabei steht der Sänger mit dem traurigen Gesichtsausdruck und den dunklen Augenringen auf der Bühne fast unbeweglich da. Seine Lieder handeln vom „Alleinesein“, vom Abschied, Aussichtslosigkeit und allen nur erdenklichen Lebenskrisen. Dabei ist es vor allem seine vibrierende Stimme, die die Fans in ihren Bann zieht. Beladen mit allen Zweifeln dieser Welt vibriert sie bald in allen Körpern derer, die ins Musikzentrum gekommen waren.

Aber Peter Heppner und die drei Begleitmusiker können auch anders. Mit der gleichen Monotonie ihres Elektrosounds schaffen sie es, neue Hoffnungen und Optimismus zu schüren. „Auch wenn der Schmerz unendlich scheint – du kannst viel mehr ertragen, als du glaubst“, heißt es zum Schluss in „Das geht vorbei“. Peter Heppner verbeugt sich gemeinsam mit seiner Band, nimmt seinen Aktenordner – und verlässt die Bühne.

Von Uwe Kranz