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Musik So waren Völkerball im Capitol
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00:18 09.12.2018
Mein Herz brennt: Völkerball-Sänger René Anlauff (rechts). Quelle: Samantha Franson
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Hannover

 Ein Knall, der Vorhang fällt – und von diesem Moment an erlebt das Capitol an einem Abend gefühlt mehr Pyrotechnik als ein durchschnittliches Bundesliga-Stadion. Ein solch feuriges Erlebnis gibt es nur bei den Brachialrockern von Rammstein – oder eben in abgespeckter Form bei ihrer Blaupause Völkerball.

Viele bekannte Formationen haben Coverbands, die ihre Songs nachspielen und auf der Welle der Stars mitreiten. Kaum eine von diesen Nachspielern kann jedoch von sich sagen, dass sie an zwei aufeinander folgenden Tagen das Capitol restlos füllen können. Auch das Konzert am Freitag, 7. Dezember, ist restlos ausverkauft. Denn Völkerball – benannt nach einem Livealbum ihrer aus Berlin stammenden Vorbilder – erfüllen ihren Job mit großer Akribie: Besetzung, Kostüme und Rollenverteilung ist bei Völkerball analog zur Rammstein-Show.

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Das Set weißt ohnehin nur Lieder der großen Vorbilder auf. Eigene Songs spielen die Koblenzer eigentlich nur, wenn sie unter ihrer zweiten Identität Heldmaschine auf der Bühne stehen. Dazu knallt und zischt es, Flammen züngeln und Lichtblitze flackern zum Sound von Stakkato-Gitarren und Elektrodröhnen.

Die Menge vor der Bühne braucht auf diese Weise nicht lange bis sei auf Betriebstemperatur ist. Alle, denen die Zeit bis zum Auftritt ihrer wahren Helden in der Stadt Anfang Juli zu lange dauert, denen die Karten dafür zu teuer sind oder die einfach beim Vorverkauf leer ausgegangen sind, werden im Capitol die Leiden gelindert.

Die Rammstein-Coverband ist ganz nah dran am Original.

Und auch wenn die Bühne kleiner ist als beim Original: Völkerball zieht alle Register der Rammstein-Show. Sänger René Anlauff hat die Auftritte seines Idols Till Lindemann sehr genau studiert. Textlich, mit eindeutigen Gesten und gespielten Szenen werden ein ganze Reihe von Tabus bis fast zur Unkenntlichkeit verbogen. Aber die Fans lieben ihre Helden für dieses Wandeln am Abgrund des guten Geschmacks – aus Hunderten Kehlen werden auch Zeilen mitgegrölt, die ihnen am nächsten Morgen in der U-Bahn die Schamesröte ins Gesicht treiben würden.

Auf der Bühne das ist alles Kunst – und gefällt. Und lässt die Rammstein-Fans zufrieden zurück, bis im nächsten Sommer ihre wahren Idole in die Stadt kommen.

Von Uwe Kranz