Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Kultur Warum hat man’s mit Neuer Musik so schwer?
Nachrichten Kultur Warum hat man’s mit Neuer Musik so schwer?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:04 17.01.2019
Michael Klügl, Intendant der Staatsoper Hannover Quelle: Thomas M. Jauk
 Hannover

Am Sonntag, 20. Januar, ist die Oper „Was ihr wollt“ von Manfred Trojahn ein letztes Mal an der Staatsoper Hannover zu erleben. Nach nur sechs Aufführung verschwindet die Produktion vom Spielplan. Warum ist es so schwierig, das Publikum für Neue Musik zu begeistern? Fragen an den Opernintendanten Michael Klügl:

Zur Person

Michael Klügl, seit Beginn der Spielzeit 2006/07 Intendant der Staatsoper in Hannover, wurde 1954 in Offenbach geboren; er lernte Klavier, Kompositionslehre und Violoncello am Hochschen Konservatorium in Frankfurt und studierte anschließend Musikwissenschaft, Philosophie, Germanistik und Geschichte in Marburg. Von 1986 an war Klügl als Dramaturg am Theater Oberhausen, am Bremer Theater und an der Hamburgischen Staatsoper engagiert. 1994 ging er als Stellvertretender Operndirektor ans Nationaltheater Mannheim; 1998 wurde er als Intendant ans Landestheater Linz berufen.Am Ende dieser Spielzeit verlässt Michael Klügl Hannover. Seine Nachfolgerin wird Laura Berman, die seit der Spielzeit 2015/2016 Operndirektorin des Theater Basel ist..

Nur sechs Aufführungen von Manfred Trojahns „Was ihr wollt“. Das ist doch ein bisschen wenig, oder?

Ich halte es für angemessen. Sechs Mal ist für solch ein anspruchsvolles Werk in Hannover durchaus in Ordnung.

Für die letzte Aufführung von „Was Ihr wollt“ wirbt die Oper damit, dass Studierende, Schüler und Auszubildende unter 30 Jahren für eine Karte den Betrag zahlen, den sie dafür angemessen finden. Das heißt doch, dass Sie nicht damit rechnen, dass das Haus voll wird.

Das stimmt. Ich rechne nicht mit einem ausverkauften Haus.

Verzweifeln Sie nicht manchmal an der Aufgabe, das Publikum für Neue Musik zu interessieren?

Da ich den Job nun schon einige Zeit mache, verzweifle ich nicht mehr. Ich habe einen gewissen Realitätssinn entwickelt, wie oft ich so etwas spielen kann. Die Resonanz in den Aufführungen ist übrigens immer absolut positiv.

Auch „Orest“ von Trojahn wurde nur wenige Male gespielt. Funktioniert Manfred Trojahn nicht?

Das hat doch nichts mit Manfred Trojahn zu tun. In der Musik ist es viel schwieriger als etwa in der Bildenden Kunst, das Publikum für die Avantgarde zu begeistern. Die Ohren sind halt viel langsamer als die Augen. Es ist immer noch sehr schwierig, die Musik des 20. Jahrhunderts durchzusetzen. Das gilt leider auch für Werke von Leoš Janáček oder Benjamin Britten. Allerdings enthebt uns die Schwierigkeit damit nicht der Aufgabe, uns für neuere Musik einzusetzen.

Muss das aber immer unbedingt auf der großen Bühne sein?

Wir haben keine andere.

Was ist mit dem Ballhof, wo die Junge Oper spielt?

Dass das ein Ort für junges Theater sein soll, haben wir mit den Kollegen vom Schauspiel vor einigen Jahren gemeinsam entschieden. Es stimmt schon, der Oper fehlt eine Experimentalspielstätte. Andererseits lassen sich die meisten Opern von Janáček, Britten, Henze oder Trojahn gar nicht auf einer kleinen Bühne spielen. Die benötigen das große Haus.

Können Sie nicht einfach eine Pause einlegen und „Was Ihr wollt“ nach ein paar Monaten wieder ins Programm nehmen?

Das Problem ist, dass es sich bei „Was ihr wollt“ um eine sehr komplexe Oper handelt. Für Orchester und Sänger ist das höchst anspruchsvoll. Bei einer längeren Pause ginge die musikalische Substanz verloren. Eine Wiederaufnahme nach zwei Monaten wäre kaum möglich. Man müsste dann wieder von vorn anfangen.

Von Ronald Meyer-Arlt

Die britische Komponistin Rebecca Saunders, Professorin an der Musikhochschule Hannover, erhält als zweite Frau den Ernst-von-Siemens Musikpreis, der als wichtigste Auszeichnung der Musikwelt gilt.

17.01.2019

Die Kunstfestspiele Herrenhausen feiern Geburtstag: Zur zehnten Ausgabe im Mai gibt es ein großes Fest, Musik von Frank Zappa – und eine maßstabsgetreue Kopie des wiederaufgebauten Schlosses.

16.01.2019

Nachfolger für Krzysztof Wegrzyn: Antje Weithaas und Oliver Wille übernehmen die künstlerische Leitung des Internationalen Joseph-Joachim-Violinwettbewerbs Hannover.

16.01.2019