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Nachrichten Kultur Nicole Chevalier singt zum letzten Mal „Traviata“
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11:16 20.12.2018
„Ich hatte später schon manchmal damit zu kämpfen, dass nicht alle Produktionen so toll sind“: Nicole Chevalier in der Staatsoper. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

 Auf den ersten Blick sieht es aus wie das Gegenteil einer großen Oper: eine fast leere Bühne, auf der den ganzen Abend zur eine einzige Person zu sehen ist. Dabei ist Verdis „La traviata“ ein durchaus opulentes Stück mit großen Chorszenen und rauschenden Bällen. Kein Wunder, dass bei den Proben zunächst nicht jeder an der Staatsoper von den radikal reduzierten Plänen des Regisseurs Benedikt von Peter begeistert war. Aber dann wurde die Produktion 2011 vor allem wegen der überragenden Hauptdarstellerin Nicole Chevalier ein großer Erfolg – der größte wohl in der 13-jährigen Amtszeit des nun scheidenden Intendanten Michael Klügl.

Nicole Chevalier als Violetta Valéry in „La traviata“ an der Staatsoper Hannover. Quelle: Thomas M. Jauk

Jetzt ist Chevalier für „Traviata“-Vorstellungen noch einmal zurück in Hannover. Im Januar wird die Produktion zum letzten Mal zu sehen sein. „Es ist schön, wenn es jetzt zu Ende geht“, sagt die amerikanische Sopranistin. Acht Jahre lang war sie eine beispiellos intensive Violetta – nicht nur an der hannoverschen Staatsoper, deren Ensemble sie bald nach der Premiere verließ, um an die Komische Oper nach Berlin zu wechseln, sondern auch in Luzern. Dort ist Regisseur von Peter inzwischen Intendant und hat sich mit einer neuen Version seiner Erfolgsinszenierung vorgestellt. Diese „Traviata“ hat Karrieren gemacht.

Als Vater des Erfolgs sieht Chevalier vor allem den hannoverschen Intendanten Klügl: „Es ist ein echter Glücksfall, dass er uns zusammengebracht und die Produktion gegen alle anfänglichen Widerstände verteidigt hat“, sagt sie. Mag sein, dass sie nun auch deshalb Klügls Nachfolgerin Laura Berman einen Korb gegeben hat, obwohl sie die schon aus gemeinsamen Tagen am Theater in Freiburg kennt.

Natürlich hat die designierte Hausherrin die Sängerin gefragt, ob sie „La traviata“ auch in den kommenden Jahren in Hannover spielen würde. Doch Chevalier hat abgewunken: „Das ist kein Repertoirestück, das man über Jahre immer weiterspielen kann“, sagt sie. Die Produktion sei sehr fragil und persönlich. „Das ist vielleicht gerade das Geheimnis ihres Erfolgs – aber es passt nicht auf Dauer in die Abläufe eines Staatstheaters.“ Die Intensität, mit der die Inszenierung erarbeitet wurde, sei in der knappen Probenzeit für eine Wiederaufnahme nur sehr schwer zu erreichen. Und Kompromisse möchte Chevalier mit diesem Stück nicht mehr machen.

Nicole Chevalier als Violetta Valéry Quelle: Thomas M. Jauk

Der Erfolg ihrer „Traviata“ hat der Sängerin geholfen, sich als künstlerischer Persönlichkeit zu entwickeln, auch wenn die erste Zeit danach nicht immer ganz einfach war. „Wir sind in dem Stück so hoch gestiegen – da hatte ich schon manchmal damit zu kämpfen, dass nicht alle Produktionen so toll sind“, sagt sie. Letztlich habe sie aber sehr davon profitiert: „Ich habe viel über mich und das Theater gelernt. Ich weiß jetzt, was die Oper kann und wo meine Interessen in diesem Beruf liegen.“ Ohne diese Erfahrung, sagt Chevalier, wäre sie vermutlich inzwischen gelangweilt von ihrem Beruf.

So aber ist an Langeweile kaum zu denken. An der Komischen Oper, die unter dem Intendanten Barrie Kosky gerade eine Blütezeit erlebt, ist sie eine der wichtigsten Sängerinnen. Und im kommenden Sommer steht möglicherweise der nächste Karriereschritt bevor: Die Sopranistin debütiert bei den Salzburger Festspielen. „Das ist das wichtigste Festival der Opernwelt. Wenn man dort etwas Tolles macht, wird das Folgen haben“, sagt sie. In einer neuen Version von Mozarts „Idomeneo“ mit dem Dirigenten Teodor Currentzis und dem Regisseur Peter Sellars singt sie zwar nicht wie bei Verdi die Titelpartie – aber mit der rachsüchtigen Elettra immerhin „eine Rolle, die ich sehr liebe und die perfekt zu mir passt“.

Und egal, welche Folgen dieser Festivalsommer für die Sängerin haben wird: Danach wird sie wieder in Hannover zu erleben sein. Denn mit der Absage für „La traviata“ hat sie Laura Berman Zusagen für andere Auftritte gegeben: Chevalier wird in einem Konzert singen und wohl auch an einer neuen Opernproduktion beteiligt sein. Langweilig wird es vermutlich nicht.

„La traviata“ in der Inszenierung von Benedikt von Peter ist noch am 28. Dezember sowie am 4., 12. und 24. Januar zu sehen. Nicole Chevalier singt die Titelrolle, Gregor Bühl dirigiert. Es gibt jeweils noch Restkarten.

Von Stefan Arndt

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