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Kultur Sacha Rattle beeindruckt das Publikum in der Nordstadt
Nachrichten Kultur Sacha Rattle beeindruckt das Publikum in der Nordstadt
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01:15 23.01.2019
Mit dem Kammerorchester Hannover: Klarinettist Sacha Rattle beim Nordstadt-Konzert. Quelle: Foto: Irving illegas
Hannover

Das Timing könnte kaum besser sein: Just am Ende dieser Woche, die einen beachtlichen Brexit-Scherbenhaufen hervorgebracht hat, trifft man sich in der Christuskirche zu einer deutsch-britischen Kooperation. Liverpool und Hannover, beides Unesco-Musikstädte, richten dort gemeinsam ein Nordstadt-Konzert aus.

Gastgeber und Hauptakteur ist auch diesmal das Kammerorchester Hannover. Das junge und spielfreudige Ensemble unter der Leitung von Hans-Christian Euler erweist sich einmal mehr als klanglich überaus wandlungsfähig. Edward Elgars e-Moll-Serenade spielen die 16 Streicher so delikat, homogen und durchsichtig, dass man beinahe den Eindruck hat, lediglich einem Streichquartett zu lauschen. Keine Stunde später jedoch entwickeln sie bei Joseph Haydns 94. Sinfonie – der mit dem Paukenschlag – einen satten, sinfonischen Klang. Die starken dynamischen Gegensätze, die vor allem den zweiten Satz prägen, schälen die Musiker gekonnt heraus. Was für ein Pianissimo!

Das Herzstück des Konzertes aber ist Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur, bei dem Sacha Rattle den Solopart übernimmt. Fast muss man befürchten, dass der Londoner seinen ersten Einsatz verpasst, so selbstvergessen scheint er in den Anfang des Stückes versunken. Aber dann ist er da, auf dem Punkt, und zieht einen sofort in seinen Bann. Bei Sacha Rattle sitzt jeder Ton, er mäandert sich mit einer warmtönigen Leichtigkeit durch die Oktaven und strahlt dabei die pure Lebensfreude aus. Mit den ersten Violinen liefert er sich einen musikalischen Flirt, der seinesgleichen sucht und beim berühmten langsamen Satz fast schon in Intimität ausartet – so zart und so aus nächster Nähe spielen sie sich gegenseitig die Bälle zu.

Dass es auch hier, wie schon vorher bei Elgar, niemals kitschig wird, ist dem ruhigen, ausdrucksvollen Dirigat von Hans-Christian Euler zu verdanken. Er verzichtet gänzlich auf übertriebenen Pathos und verleiht dadurch diesem Konzert eine heitere Erhabenheit, die wohl tut.

 

Von Juliane Moghimi

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