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Podcast: Das Ding In einem Zug (II)
Nachrichten Kultur Podcast: Das Ding In einem Zug (II)
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18:18 29.07.2011
Von Imre Grimm

„Entschuldigung“, sagte ich, „muss das sein?“ Mützenmann sah über den Gang zu mir herüber. „Ja“, nuschelte er, „ich muss nach Berlin, mir Innendarmgeschwüre weglasern lassen.“ – „Das weiß ich“, sagte ich, „ich meinte das Ei.“ – „Das Ei?“, fragte Mützenmann, „was ist mit dem Ei?“ – „Das nervt“, sagte ich. Die Frau im Sitz vor mir ließ ihre Tüte mit getrockneten Apfelringen sinken. „Das Ei nervt?“, fragte Mützenmann. Er sah irritiert aus. „Ich hab’s heute gekocht.“ Das ist ja schön, dachte ich, aber was willst du mir damit sagen? Dass heute gekochte Eier weniger nerven als gestern gekochte? Man sollte ihm keine Innendarmgeschwüre weglasern, dachte ich, man sollte ihm sein Ei weglasern.

Das Ding: Bohnenkaffee to go 2,80 Euro

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Wir erreichten Hamminwestfalen. Mützenmann legte das Ei zurück zu den sieben Brötchen. Er stand auf, wankte zu der Frau mit den Apfelringen und fragte: „Die ,Bild‘-Zeitung da, ist die ausgelesen?“ Die Frau sah ihn an wie etwas, das die Katze hereingebracht hatte. „Nein“, sagte sie, „die lese ich noch.“ – „Möchten Sie ein Ei?“, fragte Mützenmann.

Der Podcast zum Herunterladen:

„Nein danke“, sagte die Frau. Sie war eine höfliche Frau, sie aß Apfelringe. Ich überlegte, ob ich vielleicht das Ei haben wollte. Wenn ich das Ei hätte, könnte Mützenmann nicht mehr damit gegen die Scheibe klopfen. Die Frau mit dem Getränkewagen kam den Gang entlang. „Bohnenkaffee, bitte“, sagte Mützenmann. „Und haben Sie Salz?“ Ich ahnte, dass die Eiersache noch nicht ausgestanden war (Teil III nächste Woche). Schönes Wochenende!

Neulich bin ich Zug gefahren. Von Köln nach Hannover. Von einer überschätzten in eine unterschätzte Stadt. Von der deutschen Hauptstadt der Zwangsbespaßung in die 22-Uhr-Licht-aus-Funmetropole.

Imre Grimm 22.07.2011

Fakt der Woche: Das koreanische Wort für Hundefutter ist „Kebap“. Aber was ich eigentlich sagen wollte: Es ist Sommer. Sommer erkennt man daran, dass Chefredakteure in Editorials von Magazinen kein Jackett tragen.

Imre Grimm 15.07.2011

Gut, ich gehöre jetzt auch nicht so zu den Typen, die ihren Lamborghini „Lambo“ nennen und ihre Frau „Babe“. Ich trage keine silberfarbenen Anzüge. Ich setze mich nicht in „Flieger“. Kurz: Männergetue liegt mir fern (Asche auf mein Haupt: Frauenfußball ist doch ziemlich spannend).

Imre Grimm 11.07.2011