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Podcast: Das Ding Würg-Life-Balance
Nachrichten Kultur Podcast: Das Ding Würg-Life-Balance
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15:14 22.08.2011
Von Imre Grimm

„Guten Tag, mein Name ist Grimm. Ich bin 38 Jahre alt, wohne in einem Zelt auf dem Firmenparkplatz und habe kein Privatleben. Weihnachtsgeld? Will ich nicht. Hauptsache, es gibt’n ,Kicker‘ und alle duzen sich.“ Viele Chefs finden das toll. Sie haben das mal im Fernsehen gesehen. Problem 1: Man kennt die Kollegen nicht mehr. Problem 2: Unterwegs plörrt der Kaffee. Problem 3: Die Sache ist schon lange wieder out, aber Chefs haben da ‘ne lange Leitung. Problem 4: „Mensch“ und „Mobilität“ haben außer dem Anfangsbuchstaben nicht viel gemeinsam. Wir sind eine ziemlich stationäre Spezies. Bisschen „Tatort“ und Kekse genügen uns.

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Trotzdem sollen wir gefälligst jeden Monat den Job wechseln. Juli: Lohnschreiber in Hannover. August: Eisenbieger in Bogenhausen. September: Schuppenabschrubber in einem Fischrestaurant in Bramsche. Die Firmen sind ja schließlich auch mobil. Juli: Deutschland. August: Ukraine. September: Kambodscha. Wenn alle zwei Wochen die Börsen zusammenkrachen, muss man sich nicht wundern, dass junge Menschen schon froh sind, 60 Stunden die Woche in einem fiesen Handyshop fürn Apple und ’n iPhone schuften zu dürfen. Es gibt Leute, die haben nur deshalb Familienfotos auf dem Schreibtisch stehen, damit sie sich daran erinnern, wo sie abends wieder hinmüssen („Wer ist noch mal diese kleine Blonde mit dem Dreirad und den Zöpfen? Ist die nicht die Neue aus der Personalabteilung? Ach nee, das ist doch diese Dings, diese … na … Dings …“).

Der Podcast zum Herunterladen:

Alles eine Frage der Würg-Life-Balance. Die meisten von uns träumen davon, den Rechner in die Luft zu jagen. Es ist ein schmaler Grat zwischen Bürotechnik und Pyrotechnik. Schönes Wochenende!

Verlag und Redaktion sind in Aufruhr. Wir haben eine neue Kaffeemaschine. In der Kantine. Wir nennen sie „Das Wunder von Bemerode“. Sie sieht aus, als hieße sie „iCoffee“ und Apple hätte sie gebaut. Als könnte man damit zum Mars fliegen.

Imre Grimm 23.10.2012

Die Frau mit dem Getränkewagen gab Mützenmann ein Tütchen Salz. „Danke“, nuschelte Mützenmann, „ich muss nämlich nach Berlin, mir ...“ – „Wissen wir!“, sagte die Frau mit den getrockneten Apfelringen streng. „Sie müssen sich Innendarmgeschwüre weglasern lassen!“

Imre Grimm 05.08.2011

Mützenmann klopfte sein hartgekochtes Ei gegen das Zugfenster. Ich beschloss, mich dazu zu äußern. Ich stellte mir vor, wie mir Mitreisende weinend vor Dankbarkeit um den Hals fallen würden. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich wie Mahatma Gandhi oder Mutter Teresa oder Shah Rukh Khan oder irgendein anderer Inder in einfacher Kleidung.

Imre Grimm 29.07.2011