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00:15 13.03.2019
Die Amigos im Kuppelsaal. Quelle: Frank Wilde
Hannover

110 Karat sind eine Menge. Der ebenso schwere Klunker, der Ende 2017 als größter Runddiamant aller Zeiten bei Sotheby’s unter den Hammer kam, ist gut zwei Finger breit. Es ist also eine Menge Liebe, die die Amigos in den Titelsong ihres gleichnamigen aktuellen Albums hineingepackt haben. Und die, das wird im Kuppelsaal deutlich, gehört vor allem ihren Fans. Seit fast fünf Jahrzehnten sind die Brüder Bernd und Karl-Heinz Ulrich unermüdlich unterwegs, um mit ihrer Musik kleine Alltagsfluchten anzubieten. Auch auf der diesjährigen Tour erzählen sie mit älteren und aktuellen Titeln Geschichten von Liebe und Verrat, von Heimweh, besonderen Erinnerungsstücken und dem Älterwerden.

Der Auftritt der Amigos im Kuppelsaal

Die Melodien sind gewohnt eingängig, die Texte allerdings lassen an einigen Stellen aufhorchen – und das nicht nur wegen der mitunter drolligen Metaphern („Auf der Straße der Einsamkeit brennt kein Licht.“) So heißt es am Beginn des Titels „Silbermond“ aus dem Jahr 2016: „Du bist mein Reim auf Schmerz, du bist mein ganzes Herz.“ Gute 30 Jahre vorher hatte Heinz Rudolf Kunze gesungen: „Dein ist mein ganzes Herz, du bist mein Reim auf Schmerz.“ Auch in „San Francisco“ vom neusten Album wird unverblümt zitiert, denn die Verflossene erscheint vor dem inneren Auge des Sängers ganz Udo-Jürgens-like „in zerrissenen Jeans“. „Weiße Rosen blühen in Athen“, ein Titel, der zunächst an Nana Mouskouris Erfolgshit erinnert, erzählt eine Geschichte, die Udo Jürgens‘ „Griechischem Wein“ sehr ähnelt. Neben dem einsamen Gastarbeiter und seinem Wein kommt auch hier eine Jukebox vor, und es heißt im Refrain: „Griechische Nächte, roter Wein, ich kann nur noch träumen von daheim.“ Das mögen alles Zufälle sein – aber die fallen auf.

Schunkeln zu „Rote Rosen“

Der Freude im Publikum freilich tut das keinen Abbruch. Die Fans der Amigos sind textsicher, singen und klatschen mit. Vereinzelt werden Leuchtstäbe geschwungen, wiegen sich Damen andächtig im Takt. Kurz vor Schluss fordert Bernd Ulrich schließlich alle auf, sich bei ihren Nachbarn einzuhängen, und dann wird zu „Rote Rosen“ geschunkelt.

Dass die Amigosfans auch noch anders können, dürfen sie schließlich bei den Zugaben zeigen, zwei Medleys, die zu einer Art „Best-of“ des Abends geraten. Bernd Ulrich ruft sie von ihren Sitzplätzen nach vorn an die Bühne, und die Technik dreht die Bässe auf. Nun ist richtig Stimmung im Saal. Die Leute jubeln, pfeifen und antworten auf Zurufe der Amigos, wie man es sonst von Popkonzerten kennt. Mehrere Pärchen tanzen ausgelassen Discofox, und auch die beiden Sänger scheinen für die letzten Minuten noch einmal neue Kraft zu schöpfen.

Beim nächsten Konzert sollten Stühle nur für diejenigen bereitstehen, die sie unbedingt brauchen. Alle anderen werden den Saal rocken.

Von Juliane Moghimi

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