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Region Rammstein spielen sich in Dresden für Hannover warm
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Am 2. Juli auch in Hannover: Rammstein in Dresden

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12:37 14.06.2019
Rammstein in Dresden Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Es ist eine Stadiontournee, und der Rahmen passt: (Wett-)Kampf, Testosteron, Grenzüberschreitung, Gebrüll und Enthemmung. An den im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion verteilten Masten lodern unentwegt Flammenstöße, quillt schwarzer Rauch zur getragenen wie euphorisch bejubelten Gänsehaut-Eröffnung des Rammstein-Konzertes: „Was ich liebe/ das wird verderben/ was ich liebe/ das muss auch sterben“. Da wäre weißer Nebel albern. Bei Rammstein ist auch das Konfetti schwarz.

Rammstein in Dresden

Zwei Abende, jeweils 25 000 Leute. Rammstein haben für ihre weltweite Fangemeinde fleißig gesammelt: Metal-Fans, Hardrocker, Industrial-Anhänger, Brachialromantiker, Akademiker und Automechaniker, dazu brave Bürger, die ein Ventil für ihr inneres Tier gefunden haben, und die drei besoffenen Typen von der letzten Dorfkirmes sind auch da. Einen Bogen zu spannen, unter dem sich ein eigentlich herrlich gemischtes Publikum im Vierviertel-Stampfrock vereint, ist durchaus ein Kunststück. Zu „Links 2-3-4“ geht das besonders gut. Gleich mit dem zweiten Song bringen Rammstein Bewegung in die Masse und versuchen damit wohl auch, den einen oder anderen gedanklichen Krampf zu lösen: Ihr Herz schlägt links, noch einmal für alle zum Mitschrei(b)en. Schon als der Song 2001 erschien, schrammte er haarscharf an jener Erklärung vorbei, die bei Rammstein das Hässliche im Innern nach außen kehrt, Abgründe spiegelt, an Tabus zerrt.

Operettenhafte Spitzen

Die Projektionsflächen sind geblieben, die Ambivalenzen auch. Wer dockt da noch alles an? Leuten mit rechtsextremer Gesinnung, die sich auf einem Rammstein-Konzert wohlfühlen, reicht womöglich das Kokettieren mit dem Songtitel „Deutschland“, ohne dem Text zu folgen: „Deutschland/ meine Liebe kann ich dir nicht geben ...“.

Mit schwungvoller „Sehnsucht“ entfacht die sechsköpfige Combo eine Fahrt aufnehmende Bühnenshow, die hier und da der Selbstironie operettenhafte Spitzen verleiht. Wie der überdimensionierte Puppenwagen, der für „Puppe“ auf die Bühne rollt und – Überraschung – Feuer fängt. Oder wenn Keyboarder Flake, der endlich von den Laufbändern herunterkann, auf denen er schon den ganzen Abend läuft und läuft und in die Tasten haut, um seinen Glitzeranzug gegen einen feuerfesten zu tauschen, um von Sänger Lindemann mit Kochmütze und Flammenwerfer gegart zu werden. Und der hat noch andere Leichen im Keller. Beziehungsweise auf dem Friedhof. Eine gräbt er jede Nacht wieder aus: „Heirate mich“ klingt und gelingt wie das später am Abend triumphierende „Du riechst so gut“ und „Rammstein“. Das ist so scharfkantig und hervorragend, dass sich die noch vom allerersten Album „Herzeleid“ stammenden Songs im Vergleich zu manchem etwas aufgeschwemmten Arrangement („Pussy“) oder eingetrödelter Hitlastigkeit („Sonne“) regelrecht in das Erlebnis eingravieren. Da läuft auch das Feuerwerk-Stakkato mit mathematischer Genauigkeit. Und nicht zuletzt Gitarrist Paul Landers darf sich in dessen Glanz zu Recht sonnen.

Hochtheatralisch

So schnell leiern Rammstein nicht aus. Man(n) tanzt auch eine Kraftwerk-Reminiszenz. Dann plötzlich sind die Herren verschwunden und tauchen auf der kleinen mittigen Bühne mitsamt den französischen Damen des wunderbaren Duos Jatekok wieder auf, die im Vorprogramm Rammstein-Songs auf dem Flügel interpretierten und die Gemüter damit beruhigten. Nun begleiten sie die Band für ein hochtheatralisches „Engel“. Dazu hätte es das zugleich beeindruckende Handylichtermeer gar nicht gebraucht. Bei der an die Romantik angelehnten lyrischen Kraftmeierei Lindemanns rollt das R von ganz allein.

Zumindest dessen kann man ab einem gewissen Punkt der reichlich zweistündigen Show überdrüssig werden. Aber das ist Geschmackssache. Ebenso wie das kurz vor Schluss dann doch erschütternd rührend geratene „Ohne dich“.

Da tröpfelte es schon wieder ein wenig an der Stelle, auf die es am späten Nachmittag noch so heftig geregnet hatte, das zwischenzeitlich das bereits angereiste tapfere Stehpublikum den Innenraum verlassen musste. Nach dem großen Schluss-Knall leert sich das Stadion mit sichtlicher Entspannung.

Am Dienstag, 2. Juli, gastiert Rammstein um 19.30 Uhr in Hannover in der HDI-Arena. Das Konzert ist seit langem ausverkauft. Alles zum großen Konzertsommer in Hannover gibt es hier.

Von Niklas Sommer

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