Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Region Radiophilharmonie und Andrew Manze ziehen positive Bilanz des Beethoven-Festivals
Nachrichten Kultur Region

Andrew Manze und die NDR Radiophilharmonie überzeugen beim Beethoven-Festival im Kuppelsaal

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:01 11.11.2019
Lust am Abenteuer: Pianist Lars Vogt mit Andrew Manze und der NDR Radiophilharmonie im Kuppelsaal. Quelle: Anna-Kristina Bauer
Hannover

Eigentlich ist das Beethoven-Festival der NDR Radiophilharmonie im Kuppelsaal nur die kreative Lösung des Problems, dass das Funkhaus, die eigentliche Spielstätte des Orchesters, derzeit umgebaut wird und erst im Februar wieder für Konzerte öffnet. Doch die Problemlösung hat sich als Glücksfall erwiesen: Am Freitag haben die Veranstalter eine positive Bilanz des Festivals gezogen, das an diesem Sonntag endet.

Für Andrew Manze, Chefdirigent des Orchesters und Leiter aller acht Konzerte, wurden die Erwartungen an den Beethoven-Marathon deutlich übertroffen. Mit rund 17.500 Besuchern habe man viel mehr neue Zuhörer erreicht, als das im Funkhaus möglich gewesen wäre – dort hätten in acht Konzerten nur 9600 Menschen Platz gefunden, die überwiegend ohnehin regelmäßige Gäste bei der Radiophilharmonie seien. Manze sieht auch einen positiven Effekt in der Zusammenarbeit mit dem Orchester: „Es ist wundervoll, so intensiv an einem Repertoire zu arbeiten, man kann bei den Proben an jedem Tag auf den vorangegangenen aufbauen.“

Die nächsten Konzerte

Das Beethoven-Festival endet am morgigen Sonntag um 20 Uhr mit einer Aufführung von Beethovens Neunter. Das Weihnachtskonzert der Radiophilharmonie mit den King’s Singers am 6. Dezember sowie der Auftritt mit der Jazz-Sängerin Tokunbo Akinro am 20. Dezember sind im Kuppelsaal. Zur Wiedereröffnung des Funkhauses am 10. Januar ist Pianistin Martha Argerich als Solistin zu Gast. In der kommenden Saison sind weitere Gastspiele des Orchesters im Kuppelsaal geplant.

Trickreich und anmutig

Besonders gut besucht waren die Aufführungen der besonders populären Sinfonien – der Besucherhöhepunkt wird am Sonntag mit der Neunten erreicht, wenn im Kuppelsaal sogar die reinen Hörplätze gefüllt sein werden. Der Ereignischarakter von Beethovens Musik war aber gerade auch bei den vergleichsweise weniger bekannten Werken zu erleben. Die zweite Sinfonie etwa klang am Mittwoch nicht nur so trickreich und anmutig, wie man es von einer Aufführungen dieses eher klassischen Werkes erwarten könnte, sondern auch ungewohnt verschattet. Immer wieder schien sich die Musik, die eben noch heiter nach vorn blickte, für Sekunden unverhofft zu verdunkeln wie bei einem Schulterblick, der plötzlich etwas Bedrückendes oder Melancholisches offenbart.

Ein großer Moment

So erwies sich die Kombination mit dem düsteren c-Moll-Klavierkonzert als ideal, bei dem sich Pierre-Laurent Aimard als der wohl reifste Pianist in der wechselnden Reihe der Solisten präsentierte. Meisterhaft stimmt der Franzose sein Spiel auf die Weite des Kuppelsaals ab: Voll und weich tönte etwa der zarte Beginn des zweiten Satzes, der so wie eine Vorahnung auf die Zugabe erscheinen konnte: Aimard spielte drei knappe Klavierstücke von György Kurtág, die dieser seiner wenige Tage zuvor verstorbenen Frau gewidmet hatte. Die lange Stille im Saal, die sich an diese ans Verstummen grenzende Musik anschloss, war einer der großen Momente des Festivals.

Pierre-Laurent Aimard spielt Beethoven im Kuppelsaal. Quelle: Anna-Kristina Bauer

Am Folgetag war dem Pianisten Lars Vogt, der als Musikhochschulprofessor ein Heimspiel im Kuppelsaal hatte, so langer Nachhall nicht vergönnt: Der begeisterte Beifall brach noch im Nachhall seines zugegebenen Brahms-Intermezzos los. Vogt ist schließlich auch ein ganz andere Solistentyp als Aimard: Beim zweiten Klavierkonzert ist er stets vorwärtsdrängend, dialogbereit und überraschend – „ein Naturereignis“, sagt Manze über ihn.

Lust am Abenteuer

Für den Dirigenten ist die Zusammenarbeit mit fünf unterschiedlichen Solisten offenbar ebenso interessant wie für das Publikum, das die Pianisten vor den Konzerten jeweils noch in einem kammermusikalischen Vorspiel erleben konnten. Bei diesen „Carte blanche“-Auftritten, die ein weiteres Plus des Festivalformats waren, spielten die Solisten ein halbstündiges selbst gewähltes Programm und sprachen anschließend kurz darüber.

Beethoven und der Wein

Nach dem Festival ist vor dem Festival: Auch im kommenden Jahr spielt Ludwig van Beethoven, dessen 250. Geburtstag 2020 gefeiert wird, bei der NDR Radiophilharmonie eine wichtige Rolle. Höhepunkt ist ein „Tag mit Beethoven“ am 25. Januar – eine Art Tag der offenen Tür im frisch renovierten Funkhaus. Geboten wird unter anderem eine Vielzahl von Vorträgen zu Leben und Werk des Komponisten, die vielversprechende Themen wie „Beethoven und der Wein“ und „Beethoven und der Sternenhimmel“ tragen.

Höhepunkt der musikalischen Beiträge ist ein Konzert im Funkhaus mit der Radiophilharmonie und dem Pianisten Sebastian Knauer, der die „Mondschein“-Sonate spielt, bevor die „Beethoven Variations“ von Arash Safaian für Klavier und Orchester uraufgeführt werden. Im Foyer wird derweil eine Bühne für die Besucher eröffnet: Hier kann nach Anmeldung auf der Webseite des NDR (ndr.de/beethoventag) jeder ein Stück von Beethoven vortragen. Moderiert wird das Foyerkonzert von Malte Arkona.

Karten für den Beethoventag kosten 25 Euro, Besucher unter 30 Jahren zahlen die Hälfte. Das Programm wendet sich vor allem an Erwachsene, für Kinder und Jugendliche gibt es während der ARD-Musikwoche, die vom 20. bis zum 26. Januar unter dem Motto „Das Beethoven-Experiment“ steht, zusätzlich ein breites Angebot.

Der Abend mit Lars Vogt endete mit einer entspannten, leuchtenden Version der sechsten Sinfonie, der „Pastorale“. Darin offenbart sich, was wohl als verbindendes Element bei den unterschiedlichen Werken als typisch für den Kuppelsaal-Beethoven von Manze und der Radiophilharmonie in Erinnerung bleiben wird: die Kombination aus vorbildlich gelösten technischen Problemen des Zusammenspiels mit einem musikalischen Draufgängertum, das von einer zunehmenden Lust am Abenteuer bei diesen Musikern kündet.

Lesen Sie auch

Von Stefan Arndt

Im Kunstverein Braunschweig zeigt die 1972 geborene Künstlerin Shannon Bool in einer umfangreichen Einzelausstellung Wandteppiche, Collagen, Fotogramme, Malerei und Objekte.

08.11.2019
Region Christine Becker im Interview Wie es ist, ein Fischbrötchen zu sein

Er nannte sie „Mein Fischbrötchen“, „Du süße Blutwurst“ und „Sehr geehrtes Schätzchen“. Christine Becker hat ein Buch mit Postkarten von Jurek Becker herausgegeben. Nina Kunzendorf und Benjamin Sadler lesen daraus in Hannover.

06.11.2019
Region Industriefotografie in Hannover Katharina Gruzei zeigt „Bodies of Work“

Raumschiff oder Traumschiff? Mensch oder Maschine? In der Scope-Galerie an der Roscherstraße in Hannover zeigt Katharina Gruzei in ihrer Serie „Bodies of Work“ Szenen aus einer Werft an der Donau.

05.11.2019