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Region Kunstmuseum Wolfsburg zeigt in „Now Is The Time“ seine Sammlung
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13:28 23.03.2019
Der Herr der Sammlung: Andreas Beitin, ab April 2019 Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg, steht vor „Fantasy Landscape“ von Verner Panton. Quelle: Christophe Gateau/dpa
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Wolfsburg

Jede Zeit hat ihren eigenen Geschmack. „What looks good today may not look good tomorrow“ ist auf dem gleichnamigen Bild von Michel Majerus zu lesen, das der luxemburgische Künstler, der 2002 bei einem Flugzteugabsturz ums Leben kam, vor zehn Jahren gemalt hatte und das nun Pate steht für die große Sammlungsschau, mit der das Kunstmuseum Wolfsburg seinen 25. Geburtstag feiert. Es ist ein Motto, das durchaus als Mahnung zu verstehen ist: Von Beginn an hat das Wolfsburger Museum parallel zum Ausstellungsbetrieb eine eigene Sammlung ausgebaut. Auch derartige Investitionen bergen ein Risiko: Mehr als 600 Werke von rund 100 Künstlern sind im vergangenen Vierteljahrhundert durch Ankauf oder Schenkung ins Kunstmuseum gekommen – was davon kann heutigen Ansprüchen genügen?

Die neue Leitung

Ab April ist Andreas Beitin (51) neuer Direktor des Kunstmuseums Wolfsburg. Er möchte die Sammlung des Hauses „dynamisch weiterentwickeln“ – und dabei den Fokus stärker auf globale und weibliche Kunst legen. Beitin folgt auf Ralf Beil, der im Dezember entlassen wurde. Damals wurde spekuliert, das könne auch an in Wolfsburg provokanten Ausstellungsplänen gelegen haben wie die zur Schau „Oil - Schönheit und Schrecken des Erdölzeitalters“. Beitin hat dieses Projekt vorerst gestoppt – es soll aber wahrscheinlich 2021 doch noch realisiert werden.

Die Schau gibt schon allein durch ihre Größe eine eindrucksvolle Antwort: Auf 3500 Quadratmetern Ausstellungsfläche sind 200 Fotografien, Gemälde, Skulpturen, Installationen und Videoarbeiten zu sehen. Das Haus kann aus den eigenen Beständen eine facettenreiche Leistungsschau der zeitgenössischen Kunst präsentieren – gesammelt werden in Wolfsburg fast ausschließlich Werke, die nach 1968 entstanden sind. „Now Is The Time“ ist der selbstbewusste Titel der Jubiläumsausstellung – er ist ebenfalls dem Bild von Majerus entlehnt.

Prominente Künstlerliste

Die Liste der Künstler, deren Werke jetzt gezeigt werden, ist lang und prominent. Es ist einfacher, zu erwähnen, wer dort nicht zu finden ist: Gerhard Richter und Georg Baselitz etwa sucht man in der Schau vergebens. Stattdessen gibt es großformatige Installationen von Anselm Kiefer, der in „20 Jahre Einsamkeit“ umgedrehte Leinwände zu einem grauen Stapel getürmt hat, der Farbe und Freude in seiner Umgebung zu verschlingen scheint wie ein schwarzes Loch. Mario Merz präsentiert raumgreifend einen weit geschwungenen Spiraltisch voller Früchte und Reisigzweige, und Jörg Immendorf erzählt mit dem handfesten Ölbild „Kleine Reise (Hasensülze)“ aus dem Jahr 1990 von der Kunst in Zeiten der Wende.

Gewehre ohne Schützen

Pieter Hugo: „Dayaba Usman with the Monkey Clear, Abuja, Nigeria“ (2005) Quelle: Pieter Hugo/Courtesy Priska Pasquer, Cologne

In großer Selbstverständlichkeit kombiniert man in Wolfsburg unterschiedliche Genres: Die präzisen Fotoarbeiten von Andreas Gursky hängen neben den in gedeckten Farben gemalten Traumszenen von Neo Rauch oder den Farbexplosionen, die Franz Ackermann auf der Leinwand zündet. Es gibt Selbstporträts in den Videostills von Cindy Sherman, Fotografien, die der Südafrikaner Pieter Hugo von Menschen in seiner Nachbarschaft gemacht hat, und Rebecca Horns Abbild eines Todeskusses: In ihrer Installation „High Moon“ stehen sich zwei Winchestergewehre ohne Schützen gegenüber. Der 1978 geborene Ire Brian Harte erinnert in seinen kontraststarken, in der Bewegung verwaschenen Selbstporträts an den dunklen Sog der Bilder von Francis Bacon.

Pornografisches im Hotel

Wie die künstlerische Variante eines Bällebads wirkt dagegen die bunte, begehbare Wohnskulptur „Fantasy Landscape“ des dänischen Designers Verner Panton, die im Zentrum der großen Halle des Museums gleich neben Jeff Koons’ beunruhigend kitschiger Skulptur „Bear and Policeman“ steht, die der US-amerikanische Künstler von einem oberbayrischen Herrgottschnitzer hat anfertigen lassen. Geschmacksfragen werfen auch die nicht selten pornografischen Szenen auf, die In Sook Kin für sein fotomontiertes Wimmelbild „Saturday Night“ in 64 Hotelzimmern inszeniert hat.

Geiger ohne Geigen: Videostill aus „Sigh“ von Sam Taylor-Johnson (2008) Quelle: VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Erholung von der sorgsam arrangierten Bilderflut findet der Besucher schließlich in der begehbaren Videoinstallation „Sigh“ von Sam Taylor-Johnson, bei der die Musiker des BBC-Sinfonieorchesters beim Spielen zu sehen sind – allerdings ohne Instrumente: Mit erstaunlicher Präzision führen sie zur Musik die Bewegungen aus, die sie sonst an Cello, Geige oder Flöte verrichten. Der Mensch rückt so sehr stark ins Zentrum der Kunst. Ein Bild, das wohl auch morgen gut aussehen wird.

„Now Is The Time – 25 Jahre Sammlung Kunstmuseum Wolfsburg“, bis zum 29. September im Kunstmuseum Wolfsburg.

Von Stefan Arndt

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