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Ausstellung: Kurt Ryslavy im Kunstverein Langenhagen

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14:53 30.09.2019
Alles muss raus: Kurt Ryslavys Verkaufswerk in der Kapelle im Eichenpark. Quelle: Andre Germar
Hannover

Der Künstler Kurt Ryslavy legt großen Wert auf die Unabhängigkeit seiner Kunst – also verdient er einen wesentlichen Teil seines Geldes als Weinhändler. Tatsächlich sind seine Kollegen, die anstreben, vom Verkauf ihrer Kunst leben zu können, darauf angewiesen, sich den Regeln des Kunstmarktes zu unterwerfen: Erwartungen zu erfüllen und Rollen einzunehmen. Nur: Kann ein Weinhändler noch ein professioneller Künstler sein?

Diese Frage stellt Ryslavy zurzeit im Kunstverein Langenhagen. Mehr als 50 Jahre nach dem Siegeszug der Konzeptkunst, die Ideen und Bezüge über eine materielle Ausfertigung stellt, muss die Antwort natürlich ein Ja sein. Ryslavy kokettiert allerdings so konsequent mit ungeschriebenen Gesetzen des Kunstsystems, dass zumindest für die Dauer eines Ausstellungsbesuchs etliche Selbstverständlichkeiten ins Wanken geraten.

Olfaktorische Probleme

„Olfaktorische Probleme, Probleme der Malerei und Probleme der Wiederholung“ nennt der in Graz geborene und in Brüssel lebende Künstler sein Langenhagener Statement. Er reagiert damit auf eine Provokation Marcel Duchamps, der als Vordenker der Konzeptkunst gilt. Der unterstellte Malern, sie produzierten mehr Kunst als er selbst, weil die Malerei sich vor allem mit der Wiederholung beschäftige. Und ergänzte: „Jeden Morgen braucht ein Maler beim Aufwachen neben seinem Frühstück einen Hauch Terpentin.“

Also richtet Ryslavy in Langenhagen zwei Geruchsräume für seine beiden Professionen ein, im einen riecht es nach Wein, im anderen nach frisch gemalten Bildern. Und wie zum Trotz wiederholt er sich ausgiebig, wird zum seriellen Maler: Der große Saal ist angefüllt mit Leinwänden, auf denen Details aus Weinrechnungen zu lesen sind – was allerdings aus der Nähe sehr konkret und alltagsbezogen erscheint, wird mit etwas Betrachtungsabstand immer abstrakter.

Gemalte Rechnungen

Die meisten gemalten Rechnungen sind an Akteure aus dem Kunstsystem adressiert – eine an Noor Mertens, die Direktorin des Kunstvereins Langenhagen. Der Künstler ist gut vernetzt. Das zeigt sich auch in seinem Objektzyklus „Verkaufswerke“, in dem er für getauschte und geschenkte Objekte von Kollegen passende Verpackungen baut. Die fremde Kunst wird von der eigenen umschlossen.

Ryslavy entzieht die Objekte der Kollegen den Regeln des Marktes. Das erste „Verkaufswerk“ entstand um eine frühe Arbeit des Kollegen Franz West herum, als Galeristen Ryslavy deutlich gemacht hatten, sie würden deren Echtheit anzweifeln, falls er sie anböte. In Langenhagen ist die Arbeit sogar auf die Verpackung reduziert, die so zum eigenständigen ästhetischen Artefakt wird.

Verkauft hat Ryslavy übrigens noch kein einziges seiner „Verkaufswerke“. Möglicherweise liegt ihm mehr daran, dem Kunstmarkt konsequent Paroli zu bieten. Er kann sich das erlauben – solange sich sein Wein gut verkauft.

Die Ausstellung ist noch bis zum 10. November mittwochs bis sonntags zwischen 14 und 17 Uhr imKunstverein Langenhagen zu sehen, das „Verkaufswerk“ nur sonntags in der Kapelle im Eichenpark. Der Eintritt ist frei. Am Sonntag, 10. November, wird Kurt Ryslavy zur Finissage anwesend sein.

Von Thomas Kaestle

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