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Ausstellung zum Bauhaus: Kestnermuseum zeigt „Bauhausbühne und Ausdruckstanz“

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17:52 22.05.2019
Oskar Schlemmers Bühnenklasse 1927 auf dem Dach des Bauhauses in Dessau. Quelle: Stephan Consemüller
Hannover

 Der Mann kennt eigentlich alles: 100 Jahre nach Gründung des Bauhauses hat Torsten Blume von der Stiftung Bauhaus Dessau in unzähligen Jubiläumsveranstaltungen fast alle möglichen und unmöglichen Aspekte der Kunstschule aufbereitet und gewürdigt gesehen. Aber eben nur fast. „Das, was hier gezeigt wird, ist etwas völlig Neues“, sagt Blume bei der Präsentation der Ausstellung „Ausdruckstanz und Bauhausbühne“ im Museum August Kestner, „es wurde so noch nicht gezeigt.“

Vor Kostümen des „Triadischen Balletts“: Museumsdirektor Thomas Schwark (links), Kuratorin Sally Schöne, Alexandra Panzert von der Hochschule Hannover und Torsten Blume von der Stiftung Bauhaus Dessau. Quelle: Tim Schaarschmidt

Das Neue, was der Gast aus Dessau lobt, betrifft scheinbar ein Randgebiet: die Entwicklung einer eigenen Tanzsprache am Bauhaus, bekannt geworden vor allem durch das „Triadische Ballett“ von Oskar Schlemmer. Die hannoversche Schau setzt die Bühnenaktionen der Bauhäusler nun in Bezug zum Ausdruckstanz der Zwanziger- und Dreißigerjahre. Deren Hauptvertreter wie etwa die in Hannover geborene Tänzerin und Choreografin Mary Wigman seien Superstars der damaligen Zeit gewesen, sagt Sally Schöne, die die Ausstellung kuratiert und auch die Zusammenarbeit mit der Bauhaus-Stiftung in Dessau arrangiert hat. Ausdruckstanz war also keine Pausenbeschäftigung für reformbewegte Schüler – es war eine zentrale künstlerische Ausdrucksform der Zeit.

Eine flüchtige Kunst

Naturgemäß allerdings sind diese Tänze längst getanzt. Die Kunst der Bewegung ist flüchtig. Im Museum sind daher vor allem Reproduktionen von alten Schwarz-Weiß-Fotos zu sehen – in einem Museumsflügel der umfangreichen Schau die von Aufführungen etwa von Schlemmers-Erfolgsstück, im anderen Teil die von den Stars der damaligen Tanzszene.

Szene aus „Totentanz“ mit der Schule von Mary Wigman von 1926. Quelle: Christian Rose

Sichtbar werden dabei vor allem die Unterschiede zwischen den Stilen: Das Bauhaus hat die Tänzer hinter Kostümen regelrecht versteckt: Im „Mechanischen Ballett“, das Kurt Schmidt und Georg Teltscher 1923 auf die Dessauer Bühne gebracht haben, verschwinden die Tänzer ganz hinter Maschinen aus Pappe und Sperrholz. Dem Ausdruckstanz dagegen ging es immer auch um die Befreiung des Körpers und seiner Bewegungen: Hier steht ganz der Mensch im Mittelpunkt.

Rekonstruierte Kostüme

Belebt wird die Schau von nachgebauten Kostümen der Bauhaus-Ballette: Aus Dessau kommen Rekonstruktionen von Oskar Schlemmers kubistisch-bunter „Triaden“-Ausstattung, die Fantasiemaschinen des „Mechanischen Balletts“ wurden extra für die hannoversche Ausstellung in einer Tischlerei gefertigt. Sie fügen sich im Bauhaus-Teil der Schau in eine Ausstellungsarchitektur, die die Gerüste, die derzeit die Decke des Museums stützen, elegant aufnimmt und weiterführt. Dazu gibt es Filme mit Ausschnitten von historischen und rekonstruierten modernen Tanzvorführungen und vor allem ein umfangreiches Begleitbuch, das den Bezügen zwischen den Tanzstilen tiefer nachspürt, als es in der Schau zu sehen ist.

Die Ausstellung „Ausdruckstanz und Bauhausbühne“ ist bis zum 29. September im Museum August Kestner zu sehen. Am Donnerstag, 23. Mai, 18 Uhr, sprechen die Leiter der Tanzensembles aus Osnabrück und Düsseldorf über historische Tänze auf heutiger Bühne.

Von Stefan Arndt

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