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Benjamin Millepied mit dem L. A. Dance Project bei Movimentos: „Black Swan“-Chorograf zeigt in Wolfsburg Tanz auf Distanz

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21:33 09.08.2019
Rachelle Rafailedes tanz Eurydike in „Orpheus Highway“. Quelle: Matthias Leitzke
Wolsburg

Bevor Benjamin Millepied Choreograf wurde, war er Tänzer am New York City Ballet. 2010 war eine Choreografie von ihm Teil des berühmten Ballettfilms „Black Swan“ (bei den Dreharbeiten lernte er die Schauspielerin Natalie Portman kennen, die später seine Ehefrau wurde). 2012 gründete Benjamin Millepied seine eigene Company, das L.A. Dance Project, im Jahr darauf wurde er Direktor des Balletts der Pariser Oper.

Jetzt ist seine Company beim Movimentos-Festival in der Autostadt zu Gast. Es ist das erste Gastspiel, das die Company in Deutschland gibt. Drei Choreografien präsentiert das Ensemble. Neben zwei kleineren Arbeiten steht eine längere Produktion auf dem Programm: „Bach Studios (Part 1)“. In lockerer Werkstattatmosphäre – die Bühne ist zu allen Seiten offen – bewegen sich neun Tänzerinnen und Tänzer zu Musik aus Bachs „Matthäus-Passion“. Der Tanz erzählt keine Geschichte, kommentiert oder interpretiert die Musik nicht, sondern macht nur das, was Tanz eben machen muss: Er verleiht der Musik Bewegung.

Eindruck von Distanziertheit

Auffällig ist, dass die Bewegungsmuster des klassischen Balletts eingebunden sind in Szenen von großer Erdgebundenheit und Abgewandtheit. Oft bewegen sich die Tänzerinnen und Tänzer am Boden, oft wenden sie dem Publikum den Rücken zu. Die schwarz-weiß gehaltenen Kostüme (Alessandro Sartori für Ermenegildo Zegna Couture, verrät das Programmheft) verstärken den Eindruck von Distanziertheit (und einer gewissen Noblesse) noch. In die meist fließenden Bewegungen des Ensembles mischt sich zuweilen eine merkwürdige Ruppigkeit, heftig werden Handflächen nach oben gedreht, Arme gewinkelt, Füße angezogen, auch diese bewusst eingesetzte Eckigkeit trägt zur abweisenden Note der Choreografie bei.

Zwei Welten

In „Orpheus Highway“, der zweiten Arbeit des Abends (nach der schicken Aufwärmübung „Homeward“ zu einer Komposition von Bryce Dessner), setzt sich Millepied zu Steve Reichs „Triple Quartet“ mit dem Mythos von Orpheus und Eurydike auseinander.

„Bach Studios (Part1)“ vom L.A. Dance Project. Quelle: Matthias Leitzke

Die beiden Welten, von denen der Mythos erzählt, das Reich der Lebenden und das Reich der Toten, präsentiert der Choreograf hier als Welt der Bühne und des Films. Getanzt wird hintereinander: Oben sind die Filmfiguren auf der Leinwand zu sehen, davor bewegen sich die Tänzerinnen und Tänzer der Company in ähnlichen Mustern. Weil der Film auf einem nächtlichen Parkplatz neben einer viel befahrenen Straße gedreht wurde. wirken die getanzten Szenen auf der Leinwand erstaunlicherweise viel lebensnaher als die Bewegungen der Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne.

Der Film liefert nicht einfach nur einen interessanten Hintergrund für den Tanz, der Tanz kommentiert den Film nicht, beide Medien, Film und Bühne, stehen gleichberechtigt nebeneinander. Das ist sehr raffiniert – wie vieles an Millepieds Choreografien.

Die Bühne im Hafen 1, der neuen Event-Location der Wolfsburger Autostadt, hat sich in den ersten vier Gastspielen beim Movimentos-Festival als hervorragender Ort für zeitgenössischen Tanz erwiesen. Die Lichttechnik, die Projektionen, der Sound – alles war bisher wunderbar. Nun aber, beim vorletzten Gastspiel, schien es Probleme mit der Klimaanlage zu geben. Andauernd war im Hintergrund das Rauschen der Lüftung zu hören – was bei Musik aus Bachs „Matthäus-Passion“ besonders störend ist. Oder fiel das Rauschen nur auf, weil der Tanz diesmal nicht ganz so packend war wie bei den ersten drei Gastspielen?

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Das L.A. Dance Project ist noch bis Sonnabend, 10. August, im Hafen 1 in der Autostadt zu sehen. Vom 15. bis 17. August tritt die Gruppe des Choreografen Russell Maliphant mit der Choreografie „The Thread“ in der Autostadt auf.

Von Ronald Meyer-Arlt

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