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Bewerbung zur Kulturhauptstadt: Hildesheim will als moderne Provinz punkten

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17:01 07.06.2019
Zwei Meter Beschlussvorlage für die Kulturhauptstadt: Kreisrätin Evelin Wißmann (Mitte), Oberbürgermeister Ingo Meyer (Zweiter von rechts) und Mitarbeiter des Projektbüros Kulturhauptstadt Hi2025.
Zwei Meter Beschlussvorlage für die Kulturhauptstadt: Kreisrätin Evelin Wißmann (Mitte), Oberbürgermeister Ingo Meyer (Zweiter von rechts) und Mitarbeiter des Projektbüros Kulturhauptstadt Hi2025. Quelle: Helge Miethe
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Hannover

Hildesheim gehört wie Hannover zu den acht deutschen Städten, die sich noch um den Titel einer Europäischen Kulturhauptstadt 2025 bewerben wollen. In Hannover hat der Rat die Bewerbung schon vor anderthalb Jahren beschlossen. Nun zieht Hildesheim nach: Gestern hat die Verwaltung ein umfangreiches Dokument vorgestellt, mit dem die Bewerbung endgültig auf den Weg gebracht werden soll. Enthalten ist darin auch die Summe, die die Stadt insgesamt für das Projekt ausgeben will: 55,7 Millionen Euro. In Hannover rechnet man derzeit mit 80 Millionen Euro. Hier hat man den Beschluss zur Bewerbung von der Finanzierung getrennt: Nach Willen der Verwaltung soll der hannoversche Etat am kommenden Mittwoch beschlossen werden. Das Hildesheimer Gesamtpaket, über das der Rat der Stadt Ende August entscheiden wird, ist aber auch das Manifest eines Kulturbegriffs, der typisch für Hildesheim ist – und eine Kampfansage an größere Städte:

„Es wird nicht mehr versucht, Hildesheim zu einer der vermeintlichen Metropolen zu machen oder mit diesen mitzuhalten. Vielmehr werden Hildesheim und die Region als das genommen, was sie sind: Provinz. Aber eine neue Art von Provinz. Hier – gerade auch in den ländlichen Räumen – sind Dinge möglich, die in Metropolen nicht möglich sind. Die kurzen Wege, die nachhaltigen, intensiven Vernetzungen, die Überschaubarkeit, die Mobilisierungsfähigkeit, die gemeinsame Wachsamkeit. Dass in Alfeld mit dem Faguswerk das Bauhaus vor dem Bauhaus gestartet ist, ist vielleicht kein Zufall. Dass die Ausbildung in den Kulturwissenschaften gerade in Hildesheim erfolgreich ist, womöglich ebenso wenig. Während die großen Städte an ihre Grenzen kommen – wirtschaftlich, intellektuell, sozial, kulturell – wird die Bewerbung zeigen, dass die Provinz Ideengeberin und Laboratorium für die Fragen der Zukunft sein kann. Das Hildesheimer Provinzmodell ist nicht Mangel, sondern Chance. Es hat mit Identität und Selbstbewusstsein zu tun: Nicht obwohl hier die Provinz ist, sondern weil – hält die Zukunft Einzug.“

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